Wirtschaft

Zu verkaufenWer will die WestLB?

30.09.2010, 09:04 Uhr

Die Eigentümer der angeschlagenen Landesbank WestLB haben den Verkaufsprozess formell gestartet. Interessenten könnten ihre Angebote bis zum 28. Oktober um 12 Uhr bei der von den Eigentümern beauftragten Investmentbank Morgan Stanley abgeben.

WestLB
Nach den EU- Auflagen muss die Landesbank von NRW bis Ende kommenden Jahres mehrheitlich den Besitzer wechseln. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Verkaufsprozess für die WestLB hat nun offiziell begonnen: Mit einer Anzeige in der "Financial Times" hat der Verkaufsbeauftragte Friedrich Merz die WestLB ins Schaufenster gestellt. Die Eigner wollten das einstige Flaggschiff unter den deutschen Landesbanken in einem "offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Bieter-Prozess" verkaufen, hieß es in der Annonce. Die EU-Kommission fordert einen Verkauf der WestLB bis Ende 2011 und hat dafür einen strikten Fahrplan vorgegeben - den arbeitet die WestLB nun ab.

Das Institut soll laut Anzeige "als Ganzes" verkauft werden. Möglich sei aber auch eine Zusammenlegung mit einer anderen Landesbank - sofern dies in Einklang mit den Anforderungen der EU-Kommission stehe. Diese hatte den Eignerwechsel zur Auflage für die Genehmigung öffentlicher Garantien in Höhe von fünf Mrd. Euro gemacht. Nur mit Hilfe dieser Garantien konnten die Eigner die nordrhein-westfälische Landesbank, die sich in der Finanzkrise mit riskanten Investments verhoben hatte, vor dem Kollaps retten.

Interessenten für die WestLB können sich nun bei Morgan Stanley melden. Erste Interessensbekundungen müssen bis zum 28. Oktober in der Frankfurter Niederlassung der US-Bank eingereicht werden. Der Verkauf soll bis zum 31. Dezember 2011 abgeschlossen sein, eine entsprechende Verkaufsvereinbarung bis 31. August kommenden Jahres unterzeichnet werden. Potenzielle Käufer sollten zudem in der Lage sein, einen Kauf des Düsseldorfer Instituts auch zu finanzieren, heißt es in der Anzeige weiter.

Mehrere Eisen im Feuer

Die WestLB lotet derzeit auch Möglichkeiten für eine Fusion mit der BayernLB aus. In Finanzkreisen wird aber auch immer wieder die Möglichkeit eines Zusammenschlusses von WestLB, Helaba und Landesbank Berlin ins Spiel gebracht. Der Bund hatte zuletzt den Druck für Zusammenschlüsse unter den deutschen Landesbanken erhöht. NRW-Finanzminister Nobert Walter-Borjans betont immer wieder, die Eigner der WestLB - neben dem Land sind dies die NRW-Sparkassenverbände - arbeiteten an jeder Option, die der WestLB im Landesbankenlager Perspektiven eröffne.

Mitten in den Gesprächen über die Zukunft der WestLB droht der Bank indes aber Kreisen zufolge neues Unheil von Seiten der EU-Kommission: Die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen derzeit, ob die mit staatlicher Hilfe ermöglichte Auslagerung von Risikopapieren mit einem Volumen von 77 Mrd. Euro in eine Bad Bank zulässig ist. Deswegen könnten auf die WestLB empfindlich hohe Zahlungen zukommen, hatten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters gesagt. Die Wettbewerbshüter hegten zudem auch weiter Zweifel an der Überlebensfähigkeit des potenziellen Fusionspartners BayernLB.

Dass Verkäufe von Banken im derzeitigen Umfeld nicht leicht sind, erfährt die WestLB derzeit am Beispiel einer Tochter: Der Verkaufsprozess für die WestImmo ist Finanzkreisen zufolge ins Stocken geraten. Im Lager der Eigner gebe es Überlegungen, bei der EU-Kommission erneut um eine Fristverlängerung für den Verkauf der Tochter zu ersuchen, hieß es. Der Verkaufsprozess für die WestImmo laufe, sagte ein WestLB-Sprecher.

Quelle: rts