Wirtschaft

Bad Bank mit 77 MilliardenWestLB vor Aufspaltung

11.04.2010, 14:21 Uhr
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Als Konsequenz aus den massiven Spekulationsverlusten wird die WestLB zerschlagen. (Foto: REUTERS)

In der kommenden Woche stehen die letzten Schritte zu einer Aufspaltung der WestLB an. Am Freitag wird wahrscheinlich die Auslagerung von Papieren in Höhe von 77 Millarden Euro in eine Bad Bank beschlossen werden.

Die angeschlagene WestLB geht bei ihrer Aufspaltung in den Endspurt. An diesem Freitag (16. April) wollen die Vertreter der WestLB-Eigentümer die Auslagerung von Papieren im Volumen von 77 Milliarden Euro besiegeln. Das ist das Hauptpaket der Aktivitäten, die die nordrhein-westfälischen Landesbank in die erste Bad Bank Deutschlands abspaltet. Die Eigentümer der WestLB AG beraten diesen Schritt in einer außerordentlichen Hauptversammlung. Die Auslagerung des Hauptpaketes soll bis zum 30. April rückwirkend zum 1. Januar 2010 erfolgen. Ein kleines Paket mit Papieren im Volumen von 6,2 Milliarden Euro und Verbindlichkeiten im Volumen von 5,5 Milliarden Euro war schon zum Jahreswechsel in die Bad Bank überführt worden.

Im Unterschied zu Hauptversammlungen von DAX-Unternehmen mit oft mehr als 1000 Aktionären trifft sich zu den Hauptversammlungen der WestLB AG ein kleiner Kreis von Personen. Die WestLB AG hat bisher 5 Eigentümern: Größer Anteilseigner ist das Land Nordrhein-Westfalen mit direkt und indirekt (über NRW.Bank) 48,2 Prozent. Die Sparkassen-Verbände Rheinland und Westfalen halten je gut 25 Prozent und die kommunalen Landschaftsverbände je 0,9 Prozent. Finanzkreisen gehen von einer langen Hauptversammlung aus, da Juristen die umfangreichen Verträge im Detail vortragen dürften. Inhaltlich besteht Einvernehmen über die Auslagerung der Papiere. Darunter befinden sich Anleihen, unter anderem von Griechenland.

Eine halbe Milliarde Verlust in 2009

Der Aufsichtsratschef der WestLB AG, Michael Breuer, tritt am Dienstagabend vor die Presse. Als Präsident des Sparkassenverbandes Rheinland berichtet er in Düsseldorf über die Geschäftsentwicklung bei den kommunalen Kreditinstituten in der Region. Bei den Fragen dürfte jedoch auch die Situation der WestLB eine Rolle spielen.

Die Westdeutsche Immobilienbank stellt ebenfalls am Dienstag in Frankfurt ihre Bilanz 2009 vor. Die WestLB-Tochter ist das größte Einzelprojekt auf der Verkaufsliste der nordrhein-westfälischen Landesbank. Anfang Januar war das Bieterverfahren gestartet. Eine "Handvoll" Bieter wurde inzwischen für die nächste Runde ausgewählt, hieß es im März.

Die WestLB verbuchte 2009 einen hohen Verlust von gut einer halben Milliarde Euro. Bereinigt um Sondereffekte wie den Umbau des Konzerns hätte die Kernbank einen Gewinn vor Steuern von fast 300 Millionen Euro erzielt, betonte Bankchef Dietrich Voigtländer bei der Vorlage der Konzernbilanz im März. Mit der Auslagerung von Aktivitäten in die Bad Bank schlügen Marktschwankungen bei diesen Papieren künftig nicht mehr auf die WestLB-Bilanz durch. Die Kernbank sei profitabel und strebt für das laufende Jahr mindestens eine "schwarze Null" an.

Quelle: dpa