Sonntag, 29. November 2009
Siemens und Ex-Chef von Pierer: Wiedersehen vor Gericht
Bei der Aufarbeitung des Schmiergeldskandals bei Siemens steht ein Prozess gegen den ehemaligen Chef von Pierer ins Haus. Der Konzern fordert sechs Millionen Euro Schadenersatz und ein Einlenken ist unwahrscheinlich. Dem ehemaligen Vorstand wird vorgeworfen, durch mangelnde Kontrolle den Skandal ermöglicht zu haben.
Uneinsichtig: Die Forderungen von Siemens hat von Pierer bisher rundweg abgelehnt.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Im Korruptionsskandal bei Siemens gibt es nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" kaum Aussicht auf eine gütliche Einigung mit dem langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer. Eine Schadenersatzklage gegen Pierer sei unvermeidbar, heißt es danach aus Kreisen von Beteiligten. Siemens fordert sechs Millionen Euro von Pierer, weil dieser die Geschäfte des Konzerns nicht genau genug kontrolliert habe. Das habe die weltweiten Schmiergeldzahlungen ermöglicht, die inzwischen zu einem Schaden in Milliardenhöhe geführt hätten. Pierer weist das zurück.
Alle bisherigen Gespräche über einen Vergleich seien gescheitert, berichtet die Zeitung. Keiner der Beteiligten geht den Informationen zufolge davon aus, dass es vor der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch zu einem letzten Einigungsversuch kommt. Auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wolle nicht mehr auf Pierer zugehen, um ihn zum Einlenken zu bewegen. Das sei aussichtslos, heißt es.
Schäden in Milliardenhöhe
Die Mehrzahl der zehn Ex-Vorstandsmitglieder, von denen Siemens Schadenersatz verlangt, hat hingegen eingelenkt. Der Aufsichtsrat hat bereits beschlossen, gegen jene Manager gerichtlich vorzugehen, die nicht spätestens im November nachgeben. Das will der Aufsichtsrat den "SZ"-Informationen zufolge am Mittwoch bestätigen. Die sich abzeichnende Klage gegen Pierer solle nicht mehr in diesem Jahr, aber vor der nächsten Aktionärsversammlung von Siemens Ende Januar eingereicht werden.
Der Konzern will bei Gericht Schäden in Milliardenhöhe geltend machen. Pierer müsste nach Angaben der Zeitung im für ihn schlimmsten Fall mit seinem gesamten Vermögen haften. Pierer und seine Anwälte wollen die Vorwürfe widerlegen. Es sei zudem nicht einzusehen, dass Pierer mehr zahlen solle als alle anderen Manager. Von denen will Siemens zwischen 500.000 und vier Millionen Euro.
mme/dpa
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