Millionenstrafe verhängtWindhorst darf gehen
Der wegen Betrugs angeklagte Unternehmer Lars Windhorst verlässt das Berliner Landgericht als freier Mann. Das Verfahren gegen den 33-Jährigen, der außerdem wegen Untreue und Insolvenzverschleppung angeklagt war, wurde vorläufig eingestellt. Allerdings werden nun millionenschwere Zahlungen fällig.
Windhorst muss in den kommenden sechs Monaten an den von ihm Geschädigten 2,5 Mio. Euro und an die Staatskasse eine Buße von einer Million Euro zahlen. Leistet er diesen Auflagen Folge, will das Berliner Landgericht Windhorst Mitte kommenden Jahres wegen des Vorwurfs der Untreue zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und zu einer Geldstrafe in Höhe eines Jahresnettoeinkommens verurteilen. Der Vorwurf der Insolvenzverschleppung soll im gleichen Zug eingestellt werden. Von einer Gefängnisstrafe bleibt der 33-Jährige damit voraussichtlich verschont.
Wunderkind ohne Wunder
Windhorst war Anfang der 90er Jahre als unternehmerisches Wunderkind mit Freundschaft zu Bundeskanzler Helmut Kohl bekannt geworden. Als die New Economy-Blase Anfang dieses Jahrzehnts platzte, sank sein Stern. Seine zahlreichen Firmen waren zahlungsunfähig. Doch der gelernte Kaufmann meldete keine Insolvenz an, sondern erbat sich bei Bekannten und Banken immer neue finanzielle Unterstützung.
Vor Gericht stand er wegen eines Kredits über 20 Mio. DM (rund zehn Mio. Euro). Diesen hatte Windhorst unter Angabe nicht vorhandener Sicherheiten von dem Unternehmer Ulrich Marseille erhalten und nicht abgezahlt. Da Windhorst geständig war und sich reuig zeigte, wandte das Gericht die seit Sommer mögliche Verständigung im Strafverfahren an.
Oberstaatsanwalt Frank Thiel begründete die Einigung damit, dass auch der geschädigte Unternehmer Marseille kein weiteres Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt habe. Marseille erhielt bisher rund fünf Mio. Euro zurück und erwartet jetzt noch einmal 2,5 Mio. Euro.
Thiel sagte, außerdem sei der Fall im internationalen Finanzwesen angesiedelt, was jahrelange Untersuchungen nach sich gezogen hätte, so dass eine Verständigung sinnvoll gewesen sei. Windhorst zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. "Endlich sind die Vorwürfe aus der Welt und ein Kapitel geht zu Ende, das mich persönlich sehr belastet hat", sagte er beim Verlassen des Gerichtssaals. Nun könne er das neue Jahr ohne Beschuldigungen beginnen.