Eiskalt erwischtWinter stoppt US-Jobaufbau
Die USA kämpfen mit einem unerwartet strengen Winter. Das Wirtschaftsleben in vielen Bundesstaaten leidet. Das sei ein Grund für die schwachen Beschäftigungsdaten zum Jahresauftakt, sagen Experten. Die Zahlen haben aber noch einen weiteren Haken.
Der extreme Winter in den USA hat die Erholung des amerikanischen Arbeitsmarktes ins Stocken gebracht. Zwar fiel die Arbeitslosenquote im Januar mit 9,0 Prozent auf den niedrigsten Stand seit April 2009, jedoch wurden in dem Monat nur 36.000 neue Jobs geschaffen, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Experten hatten mit 145.000 neuen Stellen gerechnet.
Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote fiel auf 9,0 Prozent, womit der niedrigste Stand seit April 2009 verzeichnet wurde. Ökonomen hatten eine Quote von 9,5 Prozent erwartet. Im Vormonat hatte die Quote 9,4 Prozent betragen. Der starke Rückgang dürfte darauf beruhen, dass viele Menschen ihre Stellensuche am Arbeitsmarkt frustriert eingestellt haben und nun wieder zur "stillen Reserve" gehören.
"Stille Reserven"
Ökonom Eric Green von TD Securities sah den US-Arbeitsmarktbericht als Ausreißer, der hauptsächlich auf den verzerrenden Effekt des schlechten Wetters beruhe: "Das ist eine seltsame Zahl, die wir getrost wegwerfen können."
In Wirklichkeit sei die Arbeitslosigkeit höher als die berichtete Quote von 9,0 Prozent, während das Jobwachstum nicht so schwach sei wie ausgewiesen. In den nächsten Monaten werde das Stellenwachstum wieder höher sein, aber auch die Arbeitslosenquote wieder steigen, weil viele Menschen aus der "stillen Reserve" auf den Arbeitsmarkt zurückkehren würden.
900.000 vs. 8,75 Millionen
In Branchen, deren Geschäfte stark vom Wetter abhängen, sei die Stellenzahl gesunken. Bau- und Transportunternehmen hätten wegen der ungewöhnlich vielen Schneestürme viel mehr Personal eingespart als sonst in einem Januar üblich. Für einen Lichtblick sorgte dagegen der Fertigungsbereich, der so viele Jobs schuf wie in einem vergleichbaren Zeitraum seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. "Wir bewegen in die richtige Richtung", sagte der Volkswirt Omair Sharif von der Investmentbank RBS Securities der Fachagentur Bloomberg.
Als positives Zeichen wurde auch gewertet, dass die Statistiker die Zahl der im Dezember hinzugewonnenen Stellen kräftig von 103.000 auf 121.000 korrigierten. Auch der Wert von November wurde nachträglich erhöht. Insgesamt wurden 2010 gut 900.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der rund 8,75 Millionen Jobs, die in der zurückliegenden Rezession verloren gingen.
Gut Ding will Weile haben
Nach Einschätzung von US-Notenbankchef Ben Bernanke wird es noch Jahre dauern, bis die Arbeitslosigkeit in den USA wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt. "Bis wir einen nachhaltige Phase mit stärkerem Arbeitsplatzaufbau sehen, können wir die Erholung nicht als wahrhaft fundiert betrachten", sagte er.