Deutsche Bank auf der SucheWo ist der neue Ackermann?
Mit Zahlen und Worten kann die Deutsche Bank umgehen - allen voran Chef Ackermann: 2010 war "ein Jahr des Säens. In diesem und in den nächsten Jahren wollen wir die Ernte einfahren", sagt er vor den Aktionären, die eigentlich den Namen seines Nachfolgers hören wollen. Die Enttäuschung sitzt tief.
Den Aktionären der Deutschen Bank reißt in der Debatte um die Nachfolge von Josef Ackermann der Geduldsfaden. Sie drängten auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main auf eine rasche Entscheidung über den nächsten Bankchef, weil die Spekulationen der Bank und den Kandidaten schadeten.
"Der Nachfolger hat es verflixt schwer - vielleicht nehmen sie gleich ein Duo", sagte Hans-Martin Buhlmann vom Verein institutioneller Privatanleger. Anwalt Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW forderte von Aufsichtsratschef Clemens Börsig "endlich eine offene Kommunikation".
Von Weber bis Jain
Ackermanns Vertrag läuft in zwei Jahren aus, die Debatte, wer ihm an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus folgen könnte, ist aber längst entbrannt. Als Nachfolger gehandelt werden der aus Indien stammende Investmentbanking-Chef Anshu Jain, Risikovorstand Hugo Bänziger und der zurückgetretene Bundesbank-Chef Axel Weber gehandelt. "Könnten wir uns einen Kandidaten backen, hätte er von jedem von ihnen etwas", sagte Nieding.
Aufsichtsratschef Börsig versuchte vergeblich, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Er betonte, die Suche sei "klar strukturiert", die Entscheidung werde "zu gegebener Zeit" fallen. Ackermann, der sich mehrfach an der Diskussion beteiligt hat, sei "natürlich voll mit einbezogen", die Entscheidung liege aber beim Aufsichtsrat. Dieser hatte schon vor drei Jahren einen neuen Vorstandschef gesucht - am Ende verschob Ackermann seinen Ruhestand auf das Jahr 2013.
Ackermann hat noch Großes vor
Vorstandschef Ackermann macht dem neuen Mann ehrgeizige Vorgaben: 2010 "war ein Jahr des Säens. In diesem und in den nächsten Jahren wollen wir die Ernte einfahren." Der für 2011 anvisierte operative Rekordgewinn von 10 Mrd. Euro sei nur der Anfang. "Damit wollen wir das Fundament für ein nachhaltiges höheres Ertragsniveau unserer Bank in der Zukunft legen. Und das auf einer deutlich stabileren Plattform", sagte er. Finanzvorstand Stefan Krause hatte kürzlich bereits Gewinne von 11 Mrd. bis 12 Mrd. Euro binnen zwei bis drei
Expandieren will die Deutsche Bank vor allem in Asien. Mit der Übernahme der Postbank hat das Filialgeschäft in Deutschland und im europäischen Ausland ein stärkeres Gewicht bekommen. "Wir wollen im Privatkundengeschäft in den kommenden Jahren eine Erfolgsgeschichte schreiben, wie wir sie in unserem Investmentbanking in den vergangenen zehn Jahren geschrieben haben", sagte Ackermann. Für die rund 900.000 Kunden aus dem deutschen Mittelstand stünden 20 Mrd. Euro an Krediten zusätzlich bereit.
Keine Kapitalsorgen
Frisches Kapital brauche die Deutsche Bank nicht. Der von den Aktionären neu zu schaffende Kapitalrahmen sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme", sagte Ackermann. "Wir haben keine konkreten Pläne, wollen aber gerüstet sein, auch in Zukunft jederzeit auf Wachstums- und Akquisitionsmöglichkeiten flexibel reagieren zu können." Bei der Dividende müssen die Anteilseigner sich auf absehbare Zeit bescheiden. Die Stärkung der Kapitalbasis habe weiter Vorrang, sagte der Bankchef. Für 2010 zahlt die Bank 75 Cent je Aktie.
Der Bankchef versprach eine rasche Lösung für die BHF-Bank, deren Verkauf an die liechtensteinische LGT am Widerstand der Finanzaufsicht BaFin gescheitert war. "Wir sind nahe dran, das zu kommunizieren." Noch würden alle Optionen geprüft.
Dissonanzen im Raum
Ackermann kritisierte ein schlagzeilenträchtiges Urteil des Bundesgerichtshofs, das einem Mittelständler aus Hessen Recht gegeben hatte, der sich von der Bank mit einem komplexen, für ihn letztlich verlustreichen Finanzprodukt in die Irre geführt gefühlt hatte. "So lange es ein Gewinn war, haben es die Leute sehr wohl verstanden gehabt", sagte Ackermann. DSW-Vertreter Nieding sagte, die Bank hätte sich besser auf einen Vergleich eingelassen. Die "schallende Ohrfeige" des Gerichts sei "die richtige Quittung für so viel Sturheit".
Die Begleitmusik zur Hauptversammlung in der altehrwürdigen Festhalle spielten wie in den vergangenen Jahren Aktivisten, die sich vom Podium aus oder auf Flugblättern und Plakaten etwa gegen die Kosten der Finanzkrise oder einen Hersteller von Streubomben wandten, der Kunde der Deutschen Bank ist.