Mittwoch, 28. Oktober 2009
Arcandor-Insolvenzverwalter Görg: Zu viel Geld, zu wenig Plan
Das Millionengehalt des Arcandor- Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg wird zum Politikum. CDU-Wirtschaftsfachmann Laurenz Meyer fordert eine grundsätzliche Änderung des Insolvenzrechts. Gewerkschafter äußern derweil massive Kritik an der Abwicklung von Quelle.
Klaus Hubert Görg
(Foto: dpa)
Der "Bild"-Zeitung sagte Meyer: "Der Gesetzgeber ist gefordert, die Anreizsysteme im Bereich der Konkursverwalter neu zu ordnen. Der Erhalt von Arbeitsplätzen muss bei der Festsetzung der Vergütung eine entscheidende Rolle spielen." Andernfalls droht laut Meyer "der Berufsstand des Insolvenzverwalters endgültig in Misskredit zu geraten".
Nach bisheriger Rechtslage errechnet sich die Vergütung des Verwalters aus der Masse, die er für die Gläubiger durch Verkäufe und Sanierung noch aus dem Konkurs-Unternehmen herausbekommt. Allein durch den Verkauf des Touristik-Konzerns Thomas Cook, der zur Arcandor-Gruppe (ehemals Karstadt/Quelle) gehörte, dürfte Görg mit einer Vergütung von bis zu 15 Mio. Euro rechnen. In der vergangenen Woche hatte Görg das Ende des Versandhändlers Quelle und das voraussichtliche Wegfallen von 7000 Arbeitsplätzen verkündet.
Kein "Plan B"
Görg habe nach dem Scheitern der Investorengespräche keinen "Plan B" gehabt, kritisierte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch. Der Insolvenzverwalter habe keine Antwort darauf, wie der Abverkauf der Lagerbestände organisiert werden könne. So sei immer noch völlig unklar, wie viele Beschäftigte dafür gebraucht würden. "Es gibt viele offene, zermürbende Fragen", sagte Rösch. "Die Menschen sind verzweifelt." Görg müsse endlich Entscheidungen treffen.
Leidtragende der Hängepartie seien die Arbeitnehmer, die Unterlagen wie Arbeitsbescheinigungen und Kündigungsschreiben vom Insolvenzverwalter nicht bekämen. Diese Papiere bräuchten sie aber, um sich arbeitslos melden zu können. "Es besteht die Gefahr, dass sie kein Arbeitslosengeld erhalten", warnte Rösch.
Görg: Gespräche laufen
Görg weist die Kritik an der Abwicklung des Versandunternehmens zurück. "Der Insolvenzverwalter kann erst dann Klartext reden, wenn das Konzept mit allen Beteiligten abgestimmt ist", sagte sein Sprecher Thomas Schul. Dazu solle es ein Gespräch mit Betriebsräten und Gewerkschaft geben.
dpa
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