Wirtschaft

Die Stunde der FeuerlöscherInterims-Manager gefragt

27.12.2009, 14:45 Uhr

In der Krise werden viele Chefsessel zu Schleudersitzen. Wenn es brennt, schlägt die Stunde der "Feuerlöscher": Die Interimsmanager helfen kurzfristig und kompetent.

boni
Interims-Manager packen kurzfristig an. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Viele Firmen hoffen auf ein Anspringen der Konjunktur und wollen sich auch mit Sanierungsschritten für den ersehnten Aufschwung rüsten. Dafür setzen sie auf den Rat der Chefs auf Zeit, sagt der Inhaber und Geschäftsführer der Firma Zeitmanager München GmbH, Anselm Görres. Sein Telefon steht zurzeit selten still, die Zahl der Anfragen habe zum Jahresende kräftig angezogen, berichtet Görres.

Der Job der Interimsmanager hat in den vergangenen Jahren großen Zulauf bekommen. Seit Mitte der 90er Jahre wuchs ihre Zahl von rund 1.000 auf 20.000, sagt Görres. In den 1990-er Jahren brauchte die Treuhand für die Umstrukturierung ostdeutscher Betriebe externen Sachverstand. Das habe der Branche einen ersten Schub gegeben, sagt der 57-Jährige. Das Bild vom Interimsmanager als knallhartem Sanierer, der nur Personalkosten senke, sei aber häufig zu Unrecht entstanden.

Öl, Trompeten und Spielautomaten

Im Konferenzraum von Görres' Firma in München zeigt sich die ganze Vielfalt der Einsatzgebiete von Interimsmanagern: In einem Regal hat er Geschenke dankbarer Kunden gesammelt, denen er Experten vermittelte - von der Ölpipeline-Stahlschraube eines Energiekonzerns über eine Trompete eines Instrumentenherstellers bis hin zu einem Spielautomaten.

Knapp ein Drittel der Tagespauschalen für die Freiberufler kassiert Görres für seine Vermittlungstätigkeit. 3.000 Spezialisten führt er in seiner Personalkartei, das mache ZMM zu einem der führenden Dienstleister in diesem Bereich in Deutschland, sagt er. Neben der ZMM gibt es rund 50 größere Interimsmanager- Vermittler, darunter sind die Münchner Brainforce GmbH und die Management Angels GmbH in Hamburg.

Im Unterschied zum Unternehmensberater muss der Interimsmanager weniger beraten, sondern mit Firmenmitarbeitern unter sich operativ handeln. Durch die zeitliche Befristung bleibe er im Unternehmen allerdings "ein Außenseiter und Einzelkämpfer", sagt Görres.

Kurzfristige Kompetenz

Lob für die Chefs auf Zeit gibt es vom Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. "Betriebswirtschaftlich sind die Interimsmanager überaus sinnvoll", sagt er. "Firmen kaufen sich durch die Interimsmanager kurzfristig Kompetenz ein, die sie sich auf lange Sicht nicht leisten können." Besonders Jüngere sähen nach jahrelanger Angestellten-Tätigkeit die Selbstständigkeit als Chance und Freiheit.

Das scheint sich allerdings zu ändern. Gerade in Krisenzeiten sehnten sich viele Freiberufler nach einer sicheren Festanstellung zurück, sagt ZMM-Chef Görres. Immer häufiger nähmen die von ihm vermittelten Interimsmanager nach Ende des Projekts Firmenangebote zur Festanstellung an. "Die Zeiten von John Wayne, als die Cowboys nach getaner Arbeit wieder in die Ungewissheit aufbrachen und in den Sonnenuntergang ritten, sind vorbei." Auf durchschnittlich 140 Arbeitstage im Jahr komme ein Interimsmanager - auf bezahlten Urlaub und gesicherte Monatseinkünfte müsse er natürlich verzichten.

Die Kritik mancher Wirtschaftskollegen, die Interimsmanager seien als festangestellte Führungskräfte gescheitert und hätten sich als "Spreu vom Weizen" getrennt, empört ihn. Zwar sei der Lebenslauf eines typischen Interimsmanagers "an einer Stelle in eine Sackgasse geraten", etwa durch Übernahme seines Unternehmens durch einen ausländischen Konkurrenten und Austausch des Managements. Doch durch die neuen Aufgabenfelder als Freiberufler könne er sich umorientieren und seine Stärken wiederentdecken.

Quelle: Wolf von Dewitz, dpa