Wirtschaft

SpotanalyseVolkswirte zum BIP-Wachstum

21.05.2010, 09:38 Uhr

Alles wird besser, auch das deutsche Wirtschaftswachstum - aber erst im zweiten Quartal. Das ist eine Analystenmeinung nach einem eher durchwachsenen Konjunkturentwicklung zu Jahresbeginn. Aber es gibt auch andere.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein schwacher Konsum und sinkende Bauinvestitionen haben die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, bestätigte das Statistische Bundesamt am Freitag eine frühere Schätzung. Am Jahresende 2009 hatte es ein Plus in gleicher Höhe gegeben. Analysten sagten in ersten Reaktionen:

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

"Auf dem ersten Blick sieht es besser aus als ursprünglich gedacht. Die Qualität ist aber immer noch schwach. Der Lageraufbau hat deutlich zum Wachstum beigetragen, diese Investitionen sind aber sehr volatil.

Das zweite Quartal wird deutlich besser werden. Dafür sprechen die guten Auftragseingänge. Auch ist die Kapazitätsauslastung wieder gestiegen. Die Ausrüstungsinvestitionen werden ebenfalls leicht anziehen."

Alexander Koch, Unicredit

"Das Wachstum wurde durch die gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen und den Lageraufbau gerettet. Die Wettereinflüsse haben gebremst, vor allem auf dem Bau. Hier sind aber Nachholeffekte für das zweite Quartal zu erwarten. Auch die jüngsten Industriedaten legen nahe, dass wir im Frühjahr ein kräftiges Wachstum sehen werden. Positive Nachrichten liefern auch die stark gestiegenen Importe: Diese fließen zu einem großen Maße wieder in die Produktion und die Exporte ein. Auch der private Konsum wird sich wieder bessern; die jüngste Schwäche hier hat mit dem Auslaufen der Abwrackprämie zu tun. Deswegen erwarten wir eine Verbesserung im Frühjahr, wir rechnen mit einem Wachstum von 0,9 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft profitiert noch von der Schuldenkrise in Griechenland, die den Euro drückt. Die schon eingeschlagenen Sparanstrengungen und weitere Kürzungen in anderen Ländern werden sich später aber dämpfend auswirken."

Jörg Lüschow, WestLB

"Das Wachstum ist überwiegend aus dem Lageraufbau gekommen. Ohne diesen Effekt hätte es ein dickes Minus gegeben. Vergleichsweise mild ist der Rückgang der Bauinvestitionen nach dem harten Winter ausgefallen. Wir können davon ausgehen, dass sich die Bauproduktion im Frühjahr erholt. Auch die Exporte werden deutlich zulegen. Beim privaten Konsum dürfte das Minus zumindest kleiner werden.

Die spannende Frage ist: Wie geht es in der zweiten Jahreshälfte weiter? Deutschland profitiert stärker als alle anderen europäischen Länder von der weltweiten Konjunkturerholung. Vor allem das Asien-Geschäft brummt, auch dank des schwachen Euro. Auf der anderen Seite dämpft der Sparzwang in den Euro-Ländern.

Related contentIm späteren Jahresverlauf dürfte sich das Wachstum deshalb abschwächen. Einen Rückfall in die Rezession befürchte ich aber nicht."

Quelle: rts