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MegatrendRohstoff-Investments

20.02.2007, 10:38 Uhr

Rohstoffinvestments können nicht nur die Rendite steigern, gleichzeitig sorgen sie durch eine geringe Korrelation zu den Aktienmärkten für weniger Risiko im Depot.

Von Ralph Stemper, Derivate-Spezialist der Commerzbank

Rohstoffe fristeten über 20 Jahre lang, zumindest aus Investorensicht, ein Schattendasein. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an Anrufe dubioser Finanzberater (Ende der 70-er, Anfang der 80-er Jahre), die versprachen, das Geld an den Rohstoffmärkten in wenigen Wochen zu vervielfachen. Diese Anbieter schadeten nicht nur dem Ruf der Rohstoffe als Asset-Klasse, sondern vor allem dem Image der Derivate. Lange dauerte es, bis sich diese Produkte des Images der Geldvernichter entledigen konnten.

Inzwischen haben sich die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Derivaten bewährt und auch Rohstoffe gelangen immer stärker in den Fokus der Privatanleger. Die Entwicklung des Rohstoffsektors zu einem der zur Zeit spannendsten Anlagethemen hängt aber nicht nur mit der beeindruckenden Kursrallye von Rohöl-, Gold- oder auch Kupfer ab. Vor allem die Aufhebung der Marktzugangsproblematik hat den Weg für Rohstoffe in die Depots privater Anleger frei gemacht. Bis vor wenigen Jahren war der Handel weitgehend den Profis an den Warenterminbörsen vorbehalten. Mittlerweile stehen in Form von Zertifikaten verbriefte Wertpapiere zur Verfügung, die auf intelligente Weise von der Entwicklung der Rohstoffpreise profitieren und ebenso einfach wie Aktien über jedes herkömmliche Depot gekauft und wieder veräußert werden können. Hierbei ermöglichen die verschiedensten Zertifikate-Typen zum Beispiel die Abbildung ganzer Indizes in einem einzigen Wertpapier oder die Realisierung optimierter Investmentlösungen etwa mit Risikopuffer und Renditechancen im Seitwärtstrend.

Rohstoffe – eine andere Welt

Trotz der unbestrittenen Attraktivität dieser neuen Asset-Klasse fristen Rohstoffe in den Depots der Anleger noch ein Schattendasein. Während institutionelle Anleger diese Asset-Klasse bereits verstärkt nutzen, traut sich bisher nur ein geringer Anteil der Privatanleger – Umfragen zufolge ca. 1 Prozent - auf dieses weitgehend unbekannte Terrain. Das Direktinvestment in Rohstoffe setzt ein Umdenken und das Auseinandersetzen mit neuen Aspekten voraus. Rohstoffe haben kein KGV und auch kein EBITDA. Rohstoffe interessiert es auch nicht, wer Ben Bernanke ist, wie die Investmentlegende Jim Rogers in einem Interview witzelte. Hier sind es Ernteberichte, Hurricane-Warnungen und Attentate auf Pipelines, die die Preise bewegen. Es ist eine andere Welt, aber eine interessante Welt, die auch unser unmittelbares tägliches Leben beeinflusst. So führt ein steigender Ölpreis zu einem höheren Benzinpreis und Ernteausfälle auf den Kaffeeplantagen in Vietnam zu einer Verteuerung der Kaffee-Packung im Supermarkt.

Der wichtigste Grund für das Ignorieren dieser vielversprechenden Investmentchancen dürfte aber Unwissen sein. Während der Anleger bei Aktien weiß auf welche Kennzahlen zu achten ist, er vielleicht für die eine oder andere Aktie auch über die Jahre ein Gefühl entwickelt hat was den Kurs bewegt und was teuer oder billig ist, fehlt dieses Bauchgefühl bei Rohstoffen vollständig. Inzwischen bieten diverse Internetseiten, Newsletter aber auch die Zertifikateemittenten selbst Informationen zu allen Rohstoffen an. Ob Seminare, Broschüren oder gar Bücher, die von den Emittenten meist kostenlos zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien versuchen, diesen Missstand zu beseitigen.

Richtig investieren in Rohstoffe

Bei der Anlage in Rohstoffzertifikate sollten Anleger ein paar grundsätzliche Dinge beachten. Rohstoffe werden in aller Regel in US-Dollar notiert. Die Zertifikate hingegen notieren in Euro. Mit dem Erwerb eines Zertifikat geht der Anleger somit auch ein Währungs-Risiko ein. Mit sogenannten Quanto-Zertifikaten kann dies aber ausgeschaltet werden. Diese Zertifikate beinhalten eine Währungsabsicherung womit die Bewegung der US-Währung für den Zertifikatepreis keine Rolle mehr spielt. Rohstoffzertifikate haben in den meisten Fällen den Rohstoff-Future als Basiswert. Endlos laufende Zertifikat wie Tracker- oder auch Turbozertifikate beziehen sich meist auf den nächstfälligen Future und werden in regelmäßigen Abständen gerollt. Ist der zu kaufende Future teurer als der zu verkaufende, spricht man von Contango. In diesem Fall entstehen Rollkosten die im Preis des Zertifikats berücksichtigt werden müssen. Dies kann die Gesamtperformance schmälern. Liegt jedoch der umgekehrte Fall, also Backwardation, vor profitiert man doppelt. Zu guter letzt sollte sich der Anleger genau darüber informieren auf welchen Future sich das Zertifikat bezieht. Bei einem Zertifikat das z.B. eine Laufzeit von drei Jahren hat, wird der zugrundeliegende Future die gleiche Laufzeit haben. Der Preis dieses Kontrakts wird sich nicht so verhalten wie der Preis, der überall in den Medien publiziert wird. Hier wird entweder der aktuelle Spot-Price oder der nächstfällige Future gezeigt.

Weniger Schwankungen – mehr Rendite

Rohstoffpreise korrelieren nicht mit den Kursen von Aktien oder Anleihen. Dadurch führt schon eine geringe Beimischung dazu, die Volatilität, d.h. das Risiko des Gesamtportfolios zu verringern, womit dem Diversifikationsgedanken vor allem beim langfristigen Vermögensaufbau Rechnung getragen werden kann. In den vergangenen Jahren hätte ein Portfolio mit Rohstoffbeimischung nicht nur eine geringere Volatilität aufgewiesen, sondern auch einige Prozentpunkte mehr Rendite erwirtschaftet. Wer von weiter steigenden Rohstoffpreisen ausgeht, hat mit Zertifikaten sicherlich das probate Anlagevehikel gefunden.