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Udo SchindlerImmobilien: Lange Zinsbindung sichern

14.06.2010, 10:44 Uhr

Immobilienkäufer sollten die aktuellen Konditionen möglichst lange festschreiben lassen. Denn langfristige Zinsen werden bald steigen – und die Finanzierung von Immobilien verteuern, so Udo Schindler.

Related contentDie Schuldenkrise Griechenlands wie auch anderer südeuropäischer Länder brachte es an Tag: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nicht unabhängig, sondern im Ernstfall an Weisungen der Politik gebunden. Kein Wunder, dass die Märkte die Hetzjagd auf den Euro nach kurzer Entspannung wieder eröffnet haben. Auch auf die Kapitalmarktzinsen und damit auf die Immobilienkredite hat die neue EZB-Politik Auswirkungen.

Generell gilt: Die langfristigen Zinsen werden von Inflationserwartungen, Bonitätsbeurteilungen sowie von Angebot und Nachfrage beeinflusst. Bei allen drei Faktoren zeichnen sich Verschlechterungen ab. So ist Inflation nach Auffassung der meisten Volkswirte angesichts geringer Kapazitätsauslastung und fehlenden Lohndrucks derzeit zwar kein Thema. Doch steigende Rohstoffpreise und eine schwächere Währung bieten die besten Voraussetzungen, um Inflation zu importieren.

Auch die Bonität der Eurokernländer wird derzeit noch als gut beurteilt. Allerdings könnte sie sich im Rahmen der milliardenschweren Bürgschaften und Hilfspakete deutlich verschlechtern. Zudem deutet sich auch bei Angebot und Nachfrage ein Wechsel an: So ist die Nachfrage nach Staatsanleihen mangels Anlagealternativen und angesichts der Liquiditätsschwemme noch riesig, doch der Refinanzierungsbedarf der Staaten und damit das Angebot von Staatsanleihen wachsen exponentiell. Zudem konkurrieren die Staaten mit Unternehmen, die von den Banken nicht mehr ausreichend mit Finanzierungsmitteln versorgt werden (können), um das Geld der Anleger.

All das wird die Konditionen der Hypothekenbanken nach oben treiben – zumal auch die Marge der Banken steigen dürfte. Diese Marge enthält nicht nur den Gewinn, sondern wird durch die Risikokalkulation und die Kapitalkosten beeinflusst. Die nicht aufzuhaltende Verschärfung der Regulierung wird die Kapitalkosten wachsen lassen. Und die Risikokosten werden nicht nur bei den Anschlussfinanzierungen für europäische Gewerbeimmobilien neue Dimensionen erreichen.

Fazit: Der Kauf einer Immobilie als des Deutschen liebstes Kind wird sich signifikant verteuern. Speziell die fremdgenutzte Immobilie ist die einzige Anlageklasse, bei der eine Fremdfinanzierung als „normal“ angesehen wird. Wer jetzt als Anleger in eine Immobilie investiert oder mit einer Zinsanpassung befasst ist, sollte die Finanzierung daher möglichst lange festschreiben. Auf diese Weise sichert man sich ein historisches Zins-Tief und wird durch die voraussichtliche Inflationierung der Schulden sogar noch zum Krisengewinner.

Der Autor Udo Schindler ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei der KSW Vermögensverwaltung und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.