Wirtschaft
Blick auf die Wall Street: Die eigene Gewissensforschung fördert wenig schmeichelhaftes über die Finanzbranche zu Tage.
Blick auf die Wall Street: Die eigene Gewissensforschung fördert wenig schmeichelhaftes über die Finanzbranche zu Tage.(Foto: REUTERS)

Inside Wall Street: Betrug gehört zum Erfolg

Von Lars Halter, New York

Lügen und betrügen: Ganz normal finden das laut einer Studie ein Viertel aller Manager aus der Finanzbranche. Allein die Vergütungsmodelle würden solches Verhalten herausfordern. Überraschend ist das angesichts der ganzen Skandale nicht, ebenso wenig wie die prominenten Namen, die sich auch nichts beim Lügen für den Erfolg denken.

Von manchen Meldungen ist man nach zehn Jahren an der Wall Street nun wirklich nicht überrascht: Rund ein Viertel aller Manager im Finanzsektor, so geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor, hat mit unehrlichen Machenschaften im Beruf kein Problem oder sieht darin sogar den Schlüssel zum Erfolg – wer hätte das gedacht?

Die Untersuchung kommt von Labaton Sucharow, einer Anwaltskanzlei für Whistleblower – also die wenigen Aufrechten, die Skandale im eigenen Unternehmen aufdecken und damit in den letzten Jahren für Millionenschäden bei ihren Arbeitgebern, aber auch für etwas mehr Ordnung und Übersicht im Business gesorgt haben. Im Auftrag der Kanzlei wurden nun mehr als 500 Manager zu ihrem Charakter befragt und die Ergebnisse sind erschütternd.

Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, über Fehlverhalten oder illegale Geschehnisse am Arbeitsplatz Bescheid zu wissen und nichts zu tun. Und 30 Prozent sagten, dass geltende Verträge mit vergleichsweise niedrigen Basisgehältern und hohen Erfolgsboni geradezu dazu anstachelten, die Regeln zu brechen.

Das hat ja nicht zuletzt Mitt Romney seinen Mitarbeitern mitgegeben, als er noch nicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner war, sondern nur ein einfacher, millionenschwerer Boss bei der Riesen-Heuschrecke Bain & Co. Ein Mitarbeiter von damals erinnert sich noch daran, dass sich Bain-Mitarbeiter am Telefon regelmäßig als Harvard-Doktoranden tarnen mussten, um leichtgläubigen Unternehmenskunden etwa Informationen zu Umsatz und Gewinn zu entlocken. "Zu Studienzwecken" bräuchte man die - in Wahrheit brauchte Bain die Daten für seine eigenen Zwecke.

"Wir können Sie ja nicht zwingen, zu lügen", soll Mitt Romney damals gesagt haben, "aber das ist halt schon ein guter Weg, um an Informationen zu kommen." So steht es in einer aktuellen Geschichte in der "Vanity Fair", in der vor allem Romneys Auslandskonten in der Schweiz und in verschiedenen karibischen Steueroasen beleuchtet werden. Die Geschichte dürfte Romney großen Schaden zufügen, denn ein guter Charakter lässt sich dem Kandidaten nach der Lektüre nicht bescheinigen.

Vielleicht ist das der Grund, warum Romney im Finanzbusiness so erfolgreich war. Regeln brechen, lügen, sogar Insider-Geschäfte sind an der Wall Street völlig in Ordnung – letztere wären für 16 Prozent der befragten Manager okay, vor allem, wenn man nicht erwischt würde.

Die Studie platzt jetzt in eine Zeit, in der gerade ein Skandal um die Manipulation von Zinsen die Schlagzeilen dominiert und in der die internationalen Finanzhäuser mit ihren hochriskanten und oft unehrlichen Spekulationen die globale Wirtschaft an den Abgrund brachten.

Quelle: n-tv.de