Freitag, 27. November 2009
Per Saldo: McDonald's - Grün? Supergrün!
von Markus Mechnich
McDonald's macht auf Grün. Das Firmenlogo wird künftig einen grünen Hintergrund haben - für ein umweltfreundlicheres Image. Genialer Marketing-Streich oder Rohrkrepierer? Den Kunden ist es egal.Werbemenschen ticken manchmal ganz einfach. Sie wollen ein grünes Image? Kein Problem, wir machen Ihr Logo grün und schon wird man Ihr Unternehmen in der Öko-Ecke verorten? So ähnlich könnte man sich das Gespräch zwischen der Fast-Food-Kette McDonald's und ihrer Werbeagentur vorstellen. Im Ergebnis hat es dazu geführt, dass das goldene M der Marke in Kürze auf grünem Hintergrund zu sehen ist. Wow!
Bei solchen Marketing-Aktionen stellt sich manchmal die Frage, für wie einfältig solche Werber eigentlich die Kundschaft halten. Dieser Farbwechsel sei auch "als Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt" zu werten, sagte der stellvertretende Deutschlandchef Holger Beeck der "Financial Times Deutschland". Offensichtlich glaubt man in der Firmenzentrale, dass sich mit dem Farbwechsel tatsächlich das Image ändert.
Tonnen von Müll
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Wer sich einmal in der Umgebung der Schnellrestaurants umgesehen hat, der findet überall Plastikverpackungen, Kunststoffbecher und Speisereste. Erst Mitte Oktober beklagten Anwohner in der Umgebung eines Standorts in Syke über die Reste der alltäglichen Fast-Food-Schlacht in ihren Vorgärten und neben jeder Parkbank. Hinzu kommen die Methangase der Millionen von Rindern, die Ressourcen für die Herstellung der Verpackungen und nicht zuletzt der Strom für die gigantischen Werbemasten, die überall in Deutschland Vorstädte und Autobahnen überstrahlen.
Schon seit längerem versuchen die Fast-Food-Strategen McDonald's aus der Fetttrief-Ecke herauszuholen. McCafé war der letzte Versuch. Supermodel Heidi Klum sollte den Kunden die neuen, kalorienärmeren Produkte Salat und Wraps nahe bringen. Schwer zu glauben, dass jemand mit den Gardemaßen von Deutschlands oberster Top-Model-Beauftragten jemals ein McDonalds-Restaurant von innen gesehen hat. So richtig funktioniert hat das übrigens auch nicht, denn der überwiegende Teil der Ware, die Tag und Nacht über metallenen Tresen wandert, ist nach wie vor der Burger. Tendenz steigend.
Mehr Armut bedeutet mehr Fast-Food
Eine US-Studie hat im Sommer gar herausgefunden, dass gerade in Krisenzeiten der Umsatz von McDonald's und anderen Fast-Food-Ketten sogar steigt. Die Menschen versuchen zu sparen und tragen ihr Geld lieber in Schnellrestaurants als sich im sonstigen Konsum zu beschränken. Das schlägt sich direkt auf die Gesundheit nieder. Eine weitere Studie findet heraus, dass mit einem zehnprozentigen Anstieg der Armut ein sechsprozentiger Anstieg der Fettsucht einhergeht.
Und das ist erst der Anfang. Künftige Generationen wachsen mit dem goldenen M auf. Geradezu alarmierend ist eine Umfrage in Deutschland vor wenigen Tagen: McDonald's ist mit 83 Prozent die mit Abstand beliebteste Marke unter Jugendlichen. Weit vor Nintendo, Coca-Cola und Playstation. Kinder erkennen das Logo des Burger-Riesen noch vor Buchstaben und Zahlen.
Unternehmen mit Teflon-Effekt
Stellt sich die Frage, warum man das Logo überhaupt antastet. Als Marke gibt es weltweit nichts Erfolgreicheres als McDonald's. Sie ist mit Abstand das wertvollste Firmenzeichen überhaupt. Es gibt kein Land der Welt, in dem man den Burger-Produzenten nicht kennt. Warum also ändern, was offensichtlich funktioniert? Die Gründe dafür werden wohl vorerst das Geheimnis des obersten Managements bleiben.
Es ist vermutlich am Ende auch egal, ob die Grünfärbung wirklich beim Kunden ankommt. Die Leute gehen zu den Burgerbrätern, egal ob sie die Umwelt verschmutzen, ungesundes Essen verkaufen, mangelnde Hygiene in ihren Restaurants dulden oder ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen und drangsalieren. Keiner diese Skandale hat dem Burger-Riesen wirklich geschadet. Nicht Günter Wallraffs Ausflug zu McDonald's in seinem Buch "Ganz unten" in den achtziger Jahren und auch nicht der durchaus eindrucksvolle Film "Super Size Me" von Morgan Spurlock von 2004. Der Kunde ist König, und am Ende zählt nur der wirtschaftliche Erfolg. Und der ist schließlich unbestreitbar.
Kolumnen
-
Per Saldo
Der Berlinale-Indikator
-
Dicke schwarze Zahlen
Die Deutschen und ihre Bank
-
Per Saldo
Obama & Co – Moderne Götter
-
Fataler Kurswechsel
Obama auf dem Irrweg
-
"Sternhagelgünstige" Zeit
Fantasie statt Raserei
-
Per Saldo
Ende der Illusionen
-
Per Saldo
Schuld sind die anderen
-
Per Saldo
Google poliert das Image
-
Per Saldo
Schweden in Tränen
-
Die Busch-Trommel
Scheinheilige Brandstifter
-
Die Busch-Trommel
Dubai ist überall
-
Per Saldo
Beim nächsten Mal wird alles schlimmer




Herzlichen Glückwunsch zu dieser gelungenen Kolumne, der ich nur aus vollstem Herzen zustimmen kann!
Nur eines haben Sie vergessen bei der Aufzählung der Umweltschädigungen:
McDonalds setzt auch in Deutschland auf Käse, der von Kühen stammt, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden. (Firma Hochland, siehe entsprechende Berichte von Greenpeace).
Dieser gentechnisch veränderte Käse muss als solcher nicht deklariert werden, daher ist es der breiten Masse leider nicht bekannt. Und selbst wenn: Dem McDonalds-Kunden wäre es wohl ohnehin egal... :-(
"Den Kunden ist es egal."
Und mir ganz besonders, denn dort war ich kein Kunde, bin keiner und werde nie einer sein. Das war übrigens auch so, als ich arbeitslos war und nur Hartz IV hatte.
Wie man so wenig zweifelhafte "Nahrung" mit soviel Müll verbinden kann, das ist rekordverdächtig. Grün ist das Gegenteil.
Hallo
Diese "Umlackierung" wird wohl ein richtig fettriefender Rohrkrepierer!
Man wird es wohl nie erfahren, aber McDonald's wird es in der Kasse spüren!
Eine ganz einfache Situation muß man sich zur Erklärung vorstellen:
Man ist in irgendeiner Innenstadt und begehrt etwas Schnelles zu essen. Kopf hoch und das große M gesucht. Ist unter normalen Umständen schon schwierig genug, da die ganzen Werbetafeln und Reklameschilder ja absichtlich Signalfarben verwenden! Das M mit grünem Hintergrund wird wohl noch lange nicht wahrgenommen! Zweite Situation: Man fährt Landstraße, Autobahn oder degleichen und versucht das bekannte Logo zu entdecken. Nun, vor dem grünen Hintergrund, den die Landschaft nun mal hoffentlich hergibt, fällt es wiederum weniger auf!
Überall wimmelt es von Burger-Kings aber nirgends springt einem das gelme M auf rotem Hintergrund ins Auge.
Mein Fazit: Zeit genau zu beobachten und MC-Aktien schnell zu verkaufen!
Gruß
AH
Interessante Argumentation: Den Bogen von der Änderung des Logos spannen bis hin zur Armut in der Welt und den armen Kindern, die das Logo schneller kennen als Buchstaben.
Nur zwei Gedanken: Den Müll in die Landschaft werfen, das machen sicher nicht die Mitarbeiter von McDonald's nach Dienstschluss, sondern wohl eher die Gäste ohne Manieren. Und man sollte anmerken, dass der Autor selbst sogar von Schachteln spricht - aus Pappe. Und nicht mehr aus Schaumstoff, wie noch in den 80ern.
Wie kommt eigentlich die Luft aus den fettigen Restaurantküchen wieder raus? Wenn ich recht informiert bin, nach einem ausgiebigen Filterprozess noch sauberer, als die Luft, die ins Restaurant reinkommt. Die Logistikflotte von McDonald's fährt mit Biodiesel.
Und die Gäste, die sich ach so problematisch von Burgern ernähren, werden ebensowenig mit Gummiknüppeln in die Restaurants getrieben wie die Mitarbeiter.
Letzten Endes frage ICH mich nur, warum eine so große Firma das nicht herauszustreichen versteht, und statt dessen den Weg "neues Logo" ausprobiert.
Es ist natürlich sehr interessant zu lesen, was für eine Meinung der hiesige Kolumnist hier hat, allerdings möchte ich unterstreichen, dass man diese nicht allzu sehr für voll nehmen sollte. Es ist selbstredend kein Geheimnis, dass Coca Cola oder Google eher als erfolgreichste Marken zu nennen sind, bevor man überhaupt an McDonald's denkt. Ebenso bedenklich sind seine Aussagen über Marketing-Maßnahmen. Wozu gibt es denn sonst neuronales Marketing, das Gehirnströme untersucht, um das Konsumentenverhalten zu ergründen? Zum Glück ignoriert der Autor diese Tatsachen wohlwollend.
McDonald's wird grün, damit man die rot-weißen Verpackungen dann in der Natur nicht mehr so einfach identifizieren kann!
Lob für Grünen Müll!
Anm.: "Tonnen von Müll
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Wer sich einmal in der Umgebung der Schnellrestaurants umgesehen hat, der findet überall Plastikverpackungen, Kunststoffbecher und Speisereste..."
Es gibt doch seit Jahren keine Plastikbecher mehr, nur die Deckelchen sind aus Kunststoff, der vermutlich abbaubar ist. Ebenso sind Kunststoffverpackungen nicht vorhanden, da alles in Papiertüten und Pappkästchen verpackt ist. Hier ist mal wieder tief in die Klischee-Kiste gegriffen worden, und ein unsachlicher und bewusst negativer Ton gewählt worden... Professionellen Journalismus findet man wohl nirgends mehr.
brauchen sie eh nicht veröffentlichen meinen Kommentar:
kein mensch tastet das Logo an in der Art wie es hier interpretiert ist, ein extrem schlecht recherchierter, viel zu emotionslastiger, mit allen Vorurteilen gespickter Artikel. bin ich hier noch bei n-tv oder schon im Boulevard?
Sicher hat man in den Chefetagen darüber simuliert, wie man am besten Millionen (für Umrüstung auf grün)verbrennen kann.Auf den Gedanken,den schwer schufftenden Mitarbeitern Löhne zu zahlen, die der Arbeit auch würdig sind,ist man nicht gekommen.
Anspruch? Ehre? Intelligenz? Gewissen? Bild dir deine Meinung !
@ Molliger Troller: Nahezu jeder Becher (außer Kaffeebecher) ist bei McDonalds aus Plastik, obwohl man dies nicht gleich erkennen kann, da diese aus einer Art Plastikfaser hergestellt sind. Alle Verpackungen haben einen Plastiküberzug einschließlich der "Papierumhüllung" der Cheesburger.
Peter Dieckmann hat da schon ganz Recht, wir reden beim Imagewechsel von einer Retuschierung um suboptimal denkende Kunden derart zu manipulieren, dass Sie der meinung sind, Grün sei gut - Grün passt zur Umwelt; Und schließlich wird wieder an den dummen Kunden appeliert.
Bei den Bechern bzw. Verpackungen hat dies ja schon geklappt, wie man bei einem Kommentar hier sieht.
Der Artikel und manche Kommentare strotzen nur so vor Naivität - und küren damit die Kampagne zu einem Treffer ins Schwarze. Denn während hier alle Besserwisser völlig überzeugt sind, dass so etwas "natürlich" nicht funktionieren kann, hat der Mechanismus schon längst gegriffen. Vielleicht sollte sich mancher hier mal mit mit der tiefenpsychologischen Funktionsweise von Werbung beschäftigen. Träumen Sie nur weiter, dass der Mensch nicht so "einfältig" ist, darauf hereinzufallen - er wird es trotzdem tun. Der Kosument ist nunmal leicht manipulierbar, und das ist nicht neu. Erschreckend finde ich jedoch, wie naiv und überheblich hier einige Schreiber eines der genialsten Markenunternehmen der Welt belächeln. Aber genau diese Reaktion ist von der Werbeagentur sicherlich geplant und erwartet. Willkommen in der Realität.
Ich kann es nicht verstehen, wie so eine Fettbude solch einen Erfolg haben kann. Aber wenn ich mir die Kundschaft in einem solchen Restaurant ansehe, wird mir schon klar, dass das Übergewicht oder gar die Fettleibigkeit hier eine echte Volkskrankheit ist. Wer ein Fan für Hüften ist, die über zu enge Hosen rüber hängen, wird hier fündig. Ich finde, alles schmeckt gleich schlecht und kann nicht verstehen, wie jemand der zu Hause gute Hausmannskost bekommt überhaupt zu MC Donalds gehen kann. Von den Müllmengen will ich gar nicht erst reden und die Mitarbeiter sehen auch nur selten motiviert und glücklich aus. Scheinbar kann der gemeine MC Donalds Gast auch nicht rechnen, denn wer richtig satt werden möchte, zahlt sicherlich auch mehr als in einem einfachen klassischem Restaurant und hat dort für weniger Geld noch Esskultur. Und die Hintergrundfarbe des Logos wird nichts ändern.
@Baiersdorf. Stimme voll zu.
Glaubt Ihr das wirklich was Ihr da schreibt?
Solch ein Gigant, wie es MC Donalds zweifelsfrei ist, wird es nicht einfach mal so ausprobieren ob das "Grün" zieht oder nicht. Sie arbeien mit Experten zusammen, die das Konsumverhalten, die Essgewohnheiten usw. genaustens kennen. Es werden noch mehr Menschen zum MC Donalds laufen, den "die bieten jetzt sogar gesundes (grünes) Essen" an.
Und das Goldene M wird weiterleuchten...
Euer Royal TS
Äusserst seltsam finde ich die Mitteilung, dass sich die Müllmengen der Klopsbraterei McDonald´s nur in der Umgebung dieser Dreckschleuder befinden.
Ich lebe auf dem Lande und muss bei meinen Wanderungen ca. 85% des Mülls am Wegesrande als Dreck aus dieser besagten Fettzubereitungsanlage identifizieren. Die nächste Schmuddelecke mit dem Namen McDonald´s liegt 12 km entfernt. Übrigens: Wer die heutzutage immer seltener anzutreffende Kulturtechnik des Kochens frischer Lebensmittel beherrscht, wird sich über die ach so "billigen" Pappmenüs dieser Umweltverschmutzungskette einen Ast lachen!!!
BPG
Man hört ja auch mehr und mehr, dass McDonalds Rohstoffe und Produkte aus Drittländern zur Margenoptimierung nach Europa importiert. Natürlich absolut im Sinne der Shareholder...
In der Lebensmittelindustrie spricht man gerne über "Food Miles" - was hat dies bitte mit "Öko" und "grünem Gedankengut" zu tun? Von den dadurch verlorenen Arbeitsplätzen und somit der sozialen Verantwortung gegenüber der diversen Systemproduzenten in Europa - insbesondere in der heutigen Zeit ja ganz zu schweigen...
@kiwatt: Dies kann ich nur bestätigen, ob dies nun Müll von McDoof ist oder BKing. Teilweise sieht man entsprechende Mülltüten (aus den DriveInns) mitten auf der Fahrbahn platziert, der wohl aus dem fahrenden Auto geworfen wurde... Voll cool. Und das 15-20 km entfernt.
Aber ich denke auch, alleine das grün angestrichene Image wird wieder neue Käuferschichten ansprechen... Wenn man Hunger hat, wird meist der Verstand ausgeschaltet. Das ist die Pyramide der Bedürfnisbefriedigung!
Wenn diese neue Einstellung auch dazu führt, daß man den Müll wieder einsammelt, den die Fastfood Kunden im Umkreis von 20 km um ein Drive In verteilen, kann man diese MC D Initiative nur begrüßen.
Es gibt keinen Strassengraben, kaum ein Park oder Parkplatz der nicht mit MC D Müll verunreinigt ist. Die Fastfood Kunden haben nachdem Sie Ihre Mahlzeit im Auto zu sich genommen haben, ein derart schlechtes Gefühl, daß Sie Ihren Müll direkt aus dem Fenster entsorgen, offensichtlich um das Erlebnis so schnell wie möglich zu vergessen.
Für diese gigantische Umweltverschmutzung trägt MC D die Verantwortung, da es Teil des Konzeptes ist Verpackungsmüll zu produzieren, den die Kunden nicht im Auto haben wollen, bis die nächste Mülltonne erreicht ist.
Da es heute im Radius von etwa 20 km immer das nächste MC D gibt, ist für eine flächendeckende MC D Vermüllung gesorgt.
Da andere Fastfood Ketten ähnliche Vertreibs-Konzepte einführen (Take Away, Drive Through, etc.) und allen Fastfood Kettten die Vermüllung egal ist (außer in direkter Umgebung der Verkaufsstelle) wird das Problem noch zunehmen.