Per SaldoSchweden in Tränen

Saab ist am Ende. GM wickelt die Schweden ab, und Auto-Fans in aller Welt trauern. Doch im Grunde ist es nur die logische Konsequenz. Und Teil einer Bereinigung im Automarkt, die noch ganz Andere treffen könnte.
Das wünscht man wirklich niemand: Sechs Tage vor Weihnachten kommt für Saab die Hiobsbotschaft, dass der Autobauer abgewickelt wird. Na dann, frohes Fest, kann man da nur sagen. Eine mehr als siebzigjährige Tradition im innovativen Automobilbau geht zu Ende, Schweden weint.
Es hatte sich allerdings schon Mitte der Woche abgezeichnet, dass der Konzern wohl nicht zu retten ist. Mit dem Verkauf der Technik der Modelle 9-3 und 9-5 hat General Motors das Tafelsilber des Unternehmens verscherbelt. Das wirkte wie Ausschlachten. Und es war sehr merkwürdig wie unbefangen die Amerikaner Technologie an die asiatische Konkurrenz abgegeben haben. Bei Opel hatte man sich noch große Sorgen vor dem Technologietransfer nach Russland gemacht. Obwohl es da eigentlich keine nennenswerte Autoindustrie gibt. Gaz hat die Wirtschaftskrise arg gebeutelt und selbst mit Opel wäre da kein neuer Auto-Gigant entstanden.
Bei BAIC hat sich GM weniger geziert. Die Chinesen haben auch mit zwei Milliarden Dollar gewunken. Sicher, Cash ist in der Detroiter Firmenzentrale immer noch so selten wie ein Vierzylinder-Motor in einem Hummer. Daher war das Angebot aus Fernost wohl sehr verlockend. Doch gerade General Motors will mit seiner Billigmarke Chevrolet in China durchstarten. Das man da einen Konkurrenten technisch aufrüstet, verwundert schon.
Gigantomanie der Kleinen
Den Schweden wird es egal sein. Die blicken mit Saab in den Abgrund. Und nach dem Schreck wird man sich auch in Trollhättan fragen, ob es denn keine andere Lösung gegeben hätte. Diese Frage freilich ist schwer zu beantworten. Schließlich wissen das wohl nur die an den Verhandlungen Beteiligten. Ein Herr Christian von Koenigsegg, der lange mit GM um Saab gerungen hat, könnte wohl mehr dazu sagen. Aber das wird er wohl erst in ein paar Wochen oder vielleicht auch nie tun.
Als die Verhandlungen mit Koenigsegg Ende November platzten, sah es im Grunde schon zappenduster aus. Das Interesse von Spyker konnte im Grunde nur als eine PR-Aktion verstanden werden. Woher sollte auch ein Unternehmen, das keine 100 Autos im Jahr produziert, die Kraft nehmen, einen Konzern wie Saab weiterzuführen? Das wäre so als wollte man mit einem Käfer einen 40-Tonnen-Lkw vom Fleck ziehen. Wahrscheinlich wären beide an der Aufgabe zerbrochen. Gleiches galt eigentlich von Beginn an auch für Koenigsegg.
Kritische Größe
Die Größe des Unternehmens markiert die Tragik von Saab. Zu klein, um es alleine zu schaffen, und zu groß, um in einer Nische weiter zu existieren. Das war seit der schrittweisen Übernahme von Saab Automobile, welche ab 1990 aus dem Saab-Scania-Konzern herausgelöst wurde, das Kernproblem des Autobauers. Ohne GM hätte Saab wohl nie auf eigenen Beinen stehen können. Das zeigt auch die wirtschaftliche Bilanz, wo es nur Mitte der neunziger Jahre mal Gewinne zu verbuchen gab. Ansonsten hat GM mit den Schweden immer draufgelegt.
Nun kann man viel über die krude Verrechnungsmechanismen innerhalb des GM-Konzerns schimpfen. Man kann damit hadern, dass die Amerikaner aufgrund einer fragwürdigen Kostensenkungspolitik Saab ausgehöhlt haben, ähnlich übrigens wie Opel. Man kann globale Produktionsplattformen in der Autoindustrie verdammen oder den Konformismus moderner Fahrzeuge verfluchen. Nur, das hilft alles nichts. Das Aus von Saab ist wohl endgültig, denn niemand hat in den letzten Wochen die Hand gehoben, der stark genug gewesen wäre, um Saab tatsächlich zu retten.
Grausamer Markt
Am Ende hat der Markt wohl entschieden. Auch wenn General Motors sicher einige Fehler gemacht hat. Auf den internationalen Märkten gab es keinen Platz für einen Konzern dieser Größe und mit der Ausrichtung ins Premium-Segment: weder eigenständig, noch unter dem Dach eines anderen Konzerns. Aber einige Konzerne dürften das Saab-Schicksal durchaus aufgeschrecken. Denn am Ende hat nicht einmal die eigentlich wertvolle Marke Saab die Schweden vor dem Untergang geschützt.
Das Aus für Saab könnte am Anfang einer weitergehenden Bereinigung in der Autobranche stehen. Manche Experten spekulieren schon, ob es in zehn oder zwanzig Jahren BMW oder Mercedes noch als eigenständige Marken geben wird. Der Trend geht zum Großkonzern, auch wenn das kein Allheilmittel ist, wie an GM gut festzumachen ist. Doch in Asien erwachsen gerade ganz neue Auto-Giganten, die riesige Märkte hinter sich wissen und die auf der Weltbühne bisher noch gar nicht mitgespielt haben.
Das dürfte in einigen Jahren ganz anders aussehen. Dann werden wohl sich Dinge in der Autobranche abspielen, die wir uns heute nicht mal im Entferntesten vorstellen können.