Wirtschaft
Im griechischen Dorf Ligiades erinnert ein Gedenkstein an die Menschen, die dort  1943 von der Wehrmacht umgebracht worden sind.
Im griechischen Dorf Ligiades erinnert ein Gedenkstein an die Menschen, die dort 1943 von der Wehrmacht umgebracht worden sind.(Foto: AP)

Verbrechen in Griechenland: Deutschland sollte keine Reparationen zahlen

Ein Kommentar von Andreas Theyssen

Auf rund 278 Milliarden Euro beziffert Griechenland die deutsche Reparationsschuld aus dem Zweiten Weltkrieg. Moralisch ist Berlin in jeder Hinsicht dazu verpflichtet. Doch juristische und politische Gründe sprechen dagegen.

Kann man Leid mit Geld wiedergutmachen? Wohl kaum, aber man kann es lindern. Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg Griechenland sehr viel angetan: die Ermordung von Zivilisten etwa auf Kreta oder im Athener Vorort Kesiariani, die Verschleppung und industrielle Tötung der griechischen Juden, die Zerstörungen durch den Krieg. 278,7 Milliarden Euro, so hat jetzt Athens Vizefinanzminister Dimitris Mardas ausrechnen lassen, schuldet Deutschland Griechenland, um dieses Leid zu lindern.

Deutschland steht moralisch in der Schuld. Doch falls Athen diese Milliarden-Forderung tatsächlich erheben sollte, muss sich Berlin den Reparationsforderungen verweigern. Und zwar aus juristischen wie auch politischen Gründen.

Reparationsfragen werden in Friedensverträgen geklärt. Völkerrechtlich ist dies 1990 im Zwei-plus-Vier-Vertrag geschehen, der unter anderem die Wiedervereinigung besiegelte. Spätestens damals hätte Griechenland seine Forderungen geltend machen müssen. Dass es ein Vierteljahrhundert lang jedoch geschwiegen hat, kann juristisch als Billigung und Verzicht auf Reparationen gewertet werden.

Die Regierungen in Athen hatten damals durchaus Gründe, zu schweigen. Denn sowohl bei seiner Aufnahme in die EU 1981 als auch bei seinem Eurobeitritt 2001 war das Land wegen seiner schlechten Finanzen ein Wackelkandidat. Es brauchte - und bekam - die Unterstützung Deutschlands. Seitdem hat Griechenland Milliarden an EU-Geldern aus Brüssel erhalten.

Hinzu kommt: Anfang der 1960er-Jahre überwies die Bundesrepublik Athen im Rahmen eines Globalentschädigungsabkommens 115 Millionen D-Mark, die vornehmlich jüdischen Gemeinden zugute kamen. Das war schon damals nicht viel, aber ein Signal, dass Deutschland zu seiner Verantwortung steht.

Neben dem juristischen gibt es aber auch einen politischen Grund, Reparationen zu verweigern. Athens Forderungen liegen ungefähr in gleicher Höhe wie die Staatsschulden, die Griechenland momentan hat. Die politische Botschaft, die die Syriza-Regierung damit an Gläubiger wie Griechen sendet: Ohne die Kriegsverbrechen der Deutschen wären wir schuldenfrei. Diese Botschaft ist indes hanebüchen, da sie komplett ausblendet, dass die Ursache für Griechenlands Schuldenkrise vor allem in der jahrzehntelangen Misswirtschaft früherer Regierungen liegt. Legendenbildung darf Berlin nicht auch noch unterstützen.

Auch wenn Reparationszahlungen nicht infrage kommen - in einem Punkt sollte die Bundesrepublik Griechenland entgegenkommen. 1942 hatten die Deutschen der griechischen Nationalbank einen Zwangskredit über 476 Millionen Reichsmark abgepresst; das Geld wurde nie zurückgezahlt. Diesen Kredit – heute rund acht Milliarden Euro wert - sollte Berlin Athen endlich zurückerstatten. Und zwar in Form eines Schuldenerlasses.

Quelle: n-tv.de