Wirtschaft
(Foto: AP)

Meine Wohnung, meine Frau, mein Klavier: Varoufakis, der Narziss

Ein Kommentar von Jan Gänger

Griechenland droht die Pleite. Das hält Finanzminister Varoufakis nicht davon ab, mit seiner Dachterrasse anzugeben. Damit begeht er einen großen Fehler.

Was macht ein griechischer Finanzminister, während sein Land vor der Pleite steht? Er lässt sich von der Illustrierten "Paris Match" für eine Home Story fotografieren und gibt mit seiner Luxus-Wohnung, seiner hübschen Frau und seinem kultivierten Lebensstil an. Das ist nicht nur instinktlos, sondern – freundlich ausgedrückt – sehr, sehr unklug.

Denn Yanis Varoufakis wird nicht müde, immer wieder auf die "humanitäre Krise" hinzuweisen, die sein Land heimgesucht hat. Wie der Rest der Regierung stellt er die Griechen als Opfer eines verheerenden Sparkurses dar. So schlimm die Folgen tatsächlich auch sind, die Fotos sprechen eine völlig andere Sprache. Sie bestätigen ein Vorurteil, das viele Menschen gegenüber den Griechen haben: Dass es ihnen viel besser geht, als sie behaupten.

Dachterrasse mit Blick auf die Akropolis, wunderbares Abendessen mit Gattin, Posieren am Klavier, Blättern im selbst geschriebenen Buch – so möchte Varoufakis also wahrgenommen werden. Dabei übersieht er in seiner Eitelkeit, dass er nicht nur in Deutschland das Gesicht der Krise seines Heimatlandes ist. Respekt gegenüber den Griechen verlangt der Finanzminister. Auch Solidarität fordert er ein. Recht hat er. Doch mit seinem Verhalten erreicht er das genaue Gegenteil.

Selbstverständlich darf sich ein Politiker inszenieren und der Welt zeigen, was für ein großartiges Leben er hat. Er darf seine tolle Wohnung, seinen exquisiten Geschmack, seinen Lebensstil zur Schau stellen. Er sollte es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn das eigene Land unter Massenarbeitslosigkeit und Rezession leidet – und man selbst bedingungslose Milliardenhilfen vom Rest der Eurozone einfordert.

Warum nimmt sich Varoufakis eigentlich die Zeit für so ein Foto-Shooting? Muss er nicht zumindest so tun, als würde er Tag und Nacht arbeiten, um sein Land vor dem finanziellen Zusammenbruch zu retten?

Selbstverliebt wirkt Varoufakis in der Öffentlichkeit, berauscht von seinem Einfluss, von seiner Macht. Für die Verhandlungen mit den Gläubigern bedeutet sein gewaltiges Ego nichts Gutes. Denn er macht es den Partnerregierungen damit noch schwerer, ihren Wählern weitere Griechenland-Hilfen zu verkaufen.

Auf einem der Fotos liest der Ökonom Varoufakis in seinem selbst verfassten Buch "Rational Conflict". Wie schade, dass er nicht zu Ovids "Metarmophosen" gegriffen hat. Die Geschichte von Narziss ist durchaus lesenswert.

Quelle: n-tv.de