Wirtschaft
Flüssiges Kupfer: Die Rohstoffmärkte sind ein empfindlicher Indikator für einen bevorstehenden Abschwung.
Flüssiges Kupfer: Die Rohstoffmärkte sind ein empfindlicher Indikator für einen bevorstehenden Abschwung.(Foto: picture alliance / dpa)

Alarm wegen China: Krisengeplagte Dax-Anleger fliehen

Anleger sehen fast nur rot: Schuld ist die Krim-Krise und vor allem die Furcht vor einem deutlichen Rücksetzer der chinesischen Wirtschaft. Ein Blick auf den Kupfermarkt lässt Böses ahnen. Krankt die Weltwirtschaft? Auch die Krim-Krise hat den Markt fest im Griff.

Nach der kurzen Erholung vom Vortag hat der deutsche Leitindex wieder an die negative Tendenz der vergangenen Woche angeknüpft. Mit einem Minus von bis zu 1,6 Prozent auf 9142 Punkten nahm das Börsenbarometer deutlich Kurs Richtung 9000 Punkte. Ende Februar war der Index noch fast bis zur Marke von 9700 Punkten geklettert. Auf den Kursen lastet die Krim-Krise und - noch einmal verschärft - die Furcht vor einem deutlichen Rücksetzer der Wirtschaft in China. Anleger fürchten eine Pleitewelle in China.

Zuletzt notierte der deutsche Leitindex Dax noch 1,2 Prozent niedriger auf 9188 Zähler. Der MDax büßte 1,3 Prozent ein auf 16.247 Zähler. Der TecDax gab 1,5 Prozent nach auf 1247 Punkte.

Die konjunkturelle Entwicklung in China mache die Anleger zunehmend nervös, schrieb Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler, in einem Kommentar. Zuletzt hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die Anleger mit ihren Exportdaten enttäuscht.   

Wegen der schwächelnden Konjunktur geraten immer mehr chinesische Firmen in finanzielle Schieflage. Vergangene Woche platzte erstmals eine Unternehmensanleihe. "Der Markt ist in Alarmbereitschaft wegen möglicher weiterer und größerer Pleiten", sagte Analyst Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. Entscheidend sei die Frage, ob die chinesische Konjunktur nun stärker abkühle als bislang gedacht. "So lange die Pleiten begrenzt werden können, sollten sie keinen längerfristigen Einfluss auf die Finanzmärkte haben."

Angst vor Kupfer-Crash

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"Es ist vielen Teilnehmern nicht ganz klar gewesen, welche Reichweite der Konjunkturrückgang in China hat", fügte ein Händler hinzu. Die Angst vor einem Platzen der Kreditblase durch die steigende Zahl von Firmenpleiten habe das geändert: "Die chinesische Notenbank steht zwar bereit, die Geldmarktsätze zu senken, dass wäre aber gerade das Eingeständnis, das die Konjunktur nicht läuft".

"China hat sich von einem Retter der Weltkonjunktur zu einem ihrer schwächsten Glieder entwickelt", sagte Matthew Sherwood, Chef-Stratege von Perpetual in Sydney. Da viele chinesische Unternehmen Verluste schreiben, befürchten Experten, dass weitere Zahlungsausfälle folgen werden. Diese Spekulationen schlagen auch auf den Rohstoff-Markt durch. Im Blick steht vor allem Kupfer: In Schanghai brachen die Preise  zwischenzeitlich um 5 Prozent ein. Seit einer Woche hat der Preis für das Industriemetall rund 10 Prozent verloren und notiert inzwischen auf dem tiefsten Stand seit Juli 2010. "Das rüttelt an den Fundamenten des Kupfermarktes", sagt ein Händler.

Ein Kofferfisch aus Kupfer in China. Wofür ist das ganze Kupfer gekauft worden?
Ein Kofferfisch aus Kupfer in China. Wofür ist das ganze Kupfer gekauft worden?(Foto: REUTERS)

Etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfer-Absatzes gehen nach China. Ein Großteil der Importe dient allerdings als Sicherheit für Kredite. Dieses Geld wird dann von sogenannten Schattenbanken an andere Unternehmen weiterverliehen. Börsianer befürchten nun, dass Gläubiger die als Sicherheiten hinterlegten Kupferbestände verkaufen, um an einen Teil ihres Geldes zu kommen. Es gebe Spekulationen, wonach 60 bis 80 Prozent der angeblichen Kupfernachfrage Chinas nur zu Finanzierungszwecken gekauft worden seien. Sollte Kupfer von Chinas Firmen tatsächlich überwiegend als Kreditsicherheit und nicht zu Produktionszwecken gekauft worden sein, sind sämtliche Nachfragestatistiken Makulatur.

Ähnlich wie in der Lehman-Krise könnten die Sicherheiten dann zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen werden, was auch die hochgehebelten Hedge Fonds zum Ausstieg zwingen könnte. Dies könne zu Panikverkäufen führen, heißt es weiter. Auch die Aussagekraft von "Dr. Copper" als Konjunkturbarometer werde dann zweifelhaft, warnte Chris Weston vom Broker IG.

Der Kupferpreis gilt traditionell als Wasserstandsmelder für die Verfassung der globalen Konjunktur. Er reagiert traditionell auf konjunkturelle Umschwünge. Krankt die globale Industrie, fällt auch der Kupferpreis. Hintergrund ist, dass das Industriemetall für eine Vielzahl von Produkten in der Elektroindustrie, dem Maschinenbau oder der Unterhaltungselektronik benötigt wird. Fahren Fabriken ihre Produktion zurück oder stornieren Aufträge, fallen naturgemäß auch die Kupferpreise.

Schwellenländer werden zur Belastung

Die Märkte sind eng miteinander verknüpft. "Das kann wieder für Schockwellen durch die Commodity- und die Emerging Markets sorgen", warnte ein Händler. Selbst bei europäischen Währungen wie dem Forint müsse dann mit kräftigen Kapitalabzügen gerechnet werden: "Das Thema Schwellenland-Exposure wird jetzt vom Wachstumstreiber zu einer Belastung". Deutlich werde dies an china-orientierten Auto-Aktien im Dax. BMW fielen um 1,1 und Daimler um 1,9 Prozent. ThyssenKrupp verloren mit den Rohstoffwerten 2,7 Prozent.

"Über kurz oder lang wird die Schwäche in China zu steigender Nervosität und Volatilität an den westlichen Märkten führen", warnte Michael Riesner, Marktanalyst der UBS. Für Gesprächsstoff sorgte auch der Elektrokonzern Boading. Dessen Aktien gerieten stark unter Druck, nachdem die Anleihen vom Handel suspendiert wurden.

Erschwerend kam die Situation in der Ukraine hinzu. Die Bewohner der ukrainischen Halbinsel Krim sollen in einem Referendum am Sonntag über einen Beitritt zu Russland abstimmen. Derzeit könnten nur ein ausgesetztes Referendum über den Anschluss an die Russische Föderation oder Gespräche zwischen der Ukraine und Russland den Fall der Kurse stoppen, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black. Auf der einen Seite sei der aktuelle Kursrutsch zwar ein wenig überzogen - aber viele werteten auch die möglichen wirtschaftlichen Effekte einer Eskalation der Krise noch bei weitem nicht voll eingepreist.

Post fährt nach Zahlen Achterbahn

Die Aktien von Eon zogen nach holprigem Verlauf an der Dax-Spitze mit einem Plus von gut drei Prozent einsam ihre Kreise. Beim Strom- und Gasversorger sorgten Rückgänge in der Stromerzeugung im abgelaufenen Jahr zwar für einen massiven Gewinneinbruch. Auch dieses Jahr erwartet die Konzernspitze wieder weniger. Einige Börsianer sahen den Ausblick aber recht positiv: Zuletzt sei noch schlimmeres befürchtet worden. Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner sagte, bei den Düsseldorfern scheine es einen Silberstreif am Horizont zu geben. Zuletzt notierte der Kurs noch 2,6 Prozent höher.

Auch bei den Papieren der Deutschen Post wussten die Anleger lange nicht, wohin die Reise geht. Die Titel schlossen 2,2 Prozent leichter. Die Bonner überraschten mit ihrem Bericht für das abgelaufene Jahr mit einem höheren Gewinn und schraubten die Dividende unerwartet hoch. Marktteilnehmer werteten den Ausblick auf das laufende Jahr aber etwas schwächer.

K+S-Papiere landeten nach überraschend vorgelegten Zahlen 2,1 Prozent tiefer. Der Salz- und Düngemittelhersteller meldete für 2013 ein deutlich geringeres operatives Ergebnis, negativ aufgenommen wurde vor allem die auf 0,25 Euro gekürzte Dividende. Besonders schwach im Leitindex waren Papiere von ThyssenKrupp mit rund dreieinhalb Prozent Abschlag. Die starken Preisrückgänge für Stahl und andere Rohstoffe infolge der Sorgen um Großverbraucher China belasteten die Papiere.

Quelle: n-tv.de

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