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Wall Street schließt fester: Dax-Anleger haben Angst vor Yellen

China als Taktgeber? Nein, die Blicke der deutschen Anleger richten sich nach Washington und zur US-Notenbank. Klare Signale der Fed zur Zinserhöhung bleiben letztendlich aus. Auf die US-Börsen hat dies keine Auswirkungen - diese lassen sich eher von China anspornen.

Der Mittwoch am deutschen Aktienmarkt war "kein Tag für schwache Nerven" gewesen. Dieses Resümee zog n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Die Handelsspanne von knapp 130 Punkten beim Dax (Tageshoch: 11.254 Punkte, Tagestief: 11.123 Zähler) spiegelte das zwar nicht wieder, die Berg- und Talfahrt des deutschen Leitindex über den Tag gesehen dann aber doch: erst im Plus, dann im Minus, dann wieder im Plus, kaum verändert, wieder runter, rauf.

Ähnlich turbulent ging es bei so manchem Einzelwert zu. Die Hauptthemen am deutschen Aktienmarkt waren aber die Äußerungen von Seiten der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zur weiteren Geld- und vor allem Zinspolitik in den USA. Zu einer Überraschung kam es jedoch nicht: Wie die Notenbank am Abend mitteleuropäischer Zeit mitteilte, bleibt der Leitzins unverändert bei 0,00 bis 0,25 Prozent. Auch gab es noch keine konkrete Hinweise, wann die Zinsen erhöht werden könnten. Das Thema China-Crash nahm dagegen bei den deutschen Anlegern zur Wochenmitte keine große Rolle mehr ein.

Der Dax verabschiedete sich 0,3 Prozent fester mit 11.212 Punkten aus dem Handel. Er setzte damit den am Dienstag eingeschlagenen Erholungskurs fort. Der MDax schloss 0,8 Prozent fester bei 20.546 Punkten. Der TecDax blieb unverändert bei 1769  Stellen.

USA: Wall Street profitiert von Erholung in China

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Die Wall Street hat an ihre Vortagesgewinne angeknüpft. Unterstützung erfuhr der Aktienmarkt aus China, wo die jüngste Talfahrt an der Leitbörse in Schanghai zumindest für den Moment gestoppt ist. Die mit Spannung erwarteten Aussagen der US-Notenbank machten die Börsianer kaum schlauer, wann die Zinswende nun kommt - ob im September oder im Dezember. Einerseits ist die Fed zufrieden mit dem Arbeitsmarkt, andererseits zeigt sie sich noch immer wegen der niedrigen Inflation besorgt.

David Donabedian von Atlantic Trust Private Wealth Management sagte indes, der Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung sei nicht so wichtig: "Wenn es jemals Zeit gab, etwas einzupreisen, dann bei diesem Ereignis." In jedem Fall vermochten die Fed-Aussagen den Aktienmarkt nicht zu bremsen.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,7 Prozent auf 17.751 Punkte. Der S&P-500 stieg um 0,7 Prozent, der Nasdaq-Composite legte um 0,4 Prozent zu. Das Umsatzvolumen fiel auf 881 (Dienstag: 931) Millionen Aktien.

Die Bilanzsaison setzte sich fort, unter anderem mit Zahlenausweisen von Praxair und Humana. Der Industriegase-Hersteller Praxair hat bei der Vorlage seiner Zahlen - ebenso wie sein deutscher Konkurrent Linde - eine enttäuschende Ertragsprognose gegeben. Die Aktie stieg dennoch um 0,5 Prozent. Die Humana-Aktie tendierte kaum verändert, obwohl der Krankenversicherer im Quartal die eigenen Erwartungen übertroffen und seine Jahresziele bekräftigt hat.

Überraschend gut hat Pharmahersteller Hospira abgeschnitten. Die Aktie des Unternehmens, das voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte von Pfizer übernommen wird, lag 0,2 Prozent im Plus.

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Die schon am Vortag nach US-Börsenschluss veröffentlichten Quartalszahlen von Twitter kamen bei den Anlegern nicht gut an. Zwar hat der Kurznachrichtendienst den Umsatz deutlich gesteigert, und auch das Werbegeschäft entwickelte sich gut, doch schreibt das Unternehmen weiter tiefrote Zahlen. Die Aktie brach um 14,5 Prozent ein.

Die Yelp-Aktie sauste um 25 Prozent nach unten und damit auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren. Das Internet-Empfehlungsportal hat die Umsatzprognose gesenkt und die Furcht geweckt, dass dem Unternehmen kein Wachstum gelingt.

Nach Börsenschluss wird Facebook über den Verlauf des zweiten Quartals berichten. Hier achten Anleger vor allem auf etwaige Zuwächse im lukrativen Geschäft mit Video-Anzeigen und mobilen Anwendungen. Die Aktie legte um 1,8 Prozent zu.

Dax: Bayer überrascht, Linde enttäuscht

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Neben der US-Notenbank hieß es für die deutschen Anleger: Bilanzen satt. Das Augenmerk wanderte dabei aus dem MDax (Gerresheimer überzeugte dabei am meisten) in Richtung Leitindex: Bayer übertraf dabei mit einem Ergebnisanstieg dabei die Analystenerwartungen. Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn (Ebitda) erhöhte sich binnen Jahresfrist um gut ein Drittel auf 2,89 Milliarden Euro. Gleichzeitig bekräftigte der Chemieriese die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Bei den Anlegern kam das an, Bayer-Titel legten rund 4 Prozent zu und waren damit Top-Gewinner im Dax.

Dagegen gaben Linde 2 Prozent ab. Wegen eines schwächeren Geschäfts im Anlagenbau senkte der Gasespezialist seine Erwartungen für das Gesamtjahr leicht und rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 17,9 und 18,5 Milliarden Euro statt mit 18,2 bis 19 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ohne Sondereffekte soll weiterhin auf 4,1 bis 4,3 Milliarden Euro steigen.

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Die Titel von Volkswagen zogen zunächst an, drehten dann aber ins Minus: etwa 2,5 Prozent. Marktteilnehmer sprachen dabei auch von Gewinnmitnahmen. Als Problem erwies  sich darüberhinaus der gesunkene Überschuss. Hier schlugen die Probleme am US-Markt und die Flaute bei den Verkäufen in China zu Buche. Der Umsatz kletterte um 10,1 Prozent auf 108,8 Milliarde n Euro. Mit dem Ergebnis übertraf VW die Experten-Erwartungen beim Umsatz und Ebit. Der Überschuss enttäuschte.

Größter Verlierer im Leitindex waren die Anteilsscheine von HeidelbergCement, deren Kurs um etwa 6 Prozent absackte. Der Baustoffkonzern gab eine milliardenschwere Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi bekannt. Heino Ruland von Ruland Research merkte an, das ein Kaufpreis von umgerechnet 10,60 Euro je Aktie für die Anteile der Eigentümerfamilie Presenti "hoch" sei. Das entspricht einem Aufschlag von rund 60 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Ein Händler wies zudem darauf hin, dass HeidelbergCement für die Übernahme voraussichtlich das Kapital erhöhen müsse.

MDax: Gerresheimer weiter top

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Osram profitierte im dritten Quartal von positiven Wechselkurseffekten, einer Übernahme sowie Einsparungen. Umsatz und Gewinn legten deutlich zu. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigte der Konzern. Etwa 1 Prozent ging es für die Titel nach oben.

Dagegen fielen Gea etwa 2,5 Prozent. Der Anlagenbauer profitierte im zweiten Quartal bei Umsatz und operativem Ergebnis zwar von Sparmaßnahmen und der weiterhin soliden Nachfrage. Das laufende Restrukturierungsprogramm verursachte aber auch Kosten, die den Konzern unterm Strich in die Verlustzone rutschen lassen.

Seinen Aufwärtstrend vom Dienstag, als die Titel mehr als 10 Prozent zulegen konnten, konnte Gerresheimer fortsetzen. Die Titel des Verpackungsspezialisten sprangen weitere 6 Prozent an.

Rohstoffe: Ölpreise klettern wieder etwas nach oben

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Der Ölpreis legte zu, nachdem gleich zwei Ereignisse stützten. Zum einen waren Rohöl-Lagerbestandsdaten in Amerika deutlich geschrumpft. Zum zweiten gehen informierte Kreise davon aus, dass Saudi-Arabien die eigene Produktion im Herbst drosseln dürfte, was allerdings mit der nachlassenden heimischen Nachfrage in dieser Jahreszeit zusammenhängt. Das Barrel der US-Sorte WTI stieg um 87 Cent auf 48,85 Dollar. Die Nordsee-Sorte Brent legte um 59 Cent pro Barrel auf 53,61 Dollar zu.

Dennoch dürfte sich so rasch nichts an dem Überangebot ändern, zumal Iran nach der Aufhebung des Embargos seine Pläne zur Rückkehr auf den internationalen Ölmarkt konkretisiert. Ab Mitte Dezember will das Land in London auf einer Konferenz neue Verträge für internationale Öl- und Gaskonzerne präsentieren, die Interesse an einem Engagement in dem Land haben.

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Der Goldpreis zeigte sich unterdessen wenig verändert. Die Aussagen der US-Notenbank sorgten nur für einen kurzen Ausflug über die 1100-Dollar-Marke. Am Ende stand der Preis wieder bei 1096 Dollar je Feinunze. "Die Goldnachfrage ist enttäuschend niedrig", merkte Rohstoffanalyst Carsten Menke von Julius Bär an. Daran dürfte sich seiner Meinung nach so bald nichts ändern. Die Aussichten auf ein solides Wirtschaftswachstum, höhere Zinsen und eine geringe Inflation dürften dazu führen, dass Anleger vorerst die Finger von Gold lassen, prognostiziert der Analyst. Er bleibt "bearish" gestimmt. China könnte allerdings dem Goldmarkt positive Impulse geben, fügt er hinzu.

Asien: China-Anleger atmen durch

Nach mehr als 10 Prozent Abgaben an zwei Tagen konnte der chinesische Leitindex Shanghai-Composite zur Wochenmitte 3,4 Prozent zulegen. Das zeigt, dass die staatlichen Eingriffe zur Beruhigung der Märkte erste Erfolge zeigen. Allerdings blieben Marktteilnehmer skeptisch ob der Nachhaltigkeit, denn im Schlussgeschäft nahmen die Kursschwankungen stärker zu. Der Index der kleineren Börse in Shenzhen erholte sich um 4,1 Prozent. In Hongkong legte das Marktbarometer HSI ebenfalls zu, aber nur leicht.

In Tokio gab der Nikkei-Index um 0,1 Prozent nach auf 20.302 Punkte. Gebremst wurde er von enttäuschten Quartalsberichten prominenter Unternehmen wie Fanuc, Tokyo Electron und Advantest.

Eine kleine Kursexplosion verzeichneten Toho Titanium. Nach besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen und einem angehobenen Ausblick schoss der Kurs um über 17 Prozent nach oben.

Devisen: Euro kommt zurück

Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed verlor der Euro zum Dollar wieder an Boden. Die Gemeinschaftswährung notierte am Abend bei 1,1038 Dollar. Am Dienstag war die Gemeinschaftswährung erst um den Wert von 1,11 Dollar gependelt, den sie am Montag überwunden hatte. Danach war sie aber auf Tauchstation gegangen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1030 Dollar fest nach 1,1025 Dollar am Dienstag.

Quelle: n-tv.de

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