Wirtschaft
Morgen Kinder wird's was geben ... Die Anleger am deutschen Aktienmarkt beschenken sich schon heute, die Kurse steigen deutlich.
Morgen Kinder wird's was geben ... Die Anleger am deutschen Aktienmarkt beschenken sich schon heute, die Kurse steigen deutlich.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Mit Schwung in die Feiertage: Dax hat 240-Punkte-Kursplus im Sack

Der deutsche Aktienmarkt kriegt am letzten Tag der verkürzten Weihnachts-Handelswoche noch die Kurve: Nicht nur Schnäppchenjäger sind aktiv, die Kurse klettern auf breiter Front - und das hat einen Grund.

Mit einem satten Kursgewinn hat sich der deutsche Aktienmarkt in die Weihnachtsfeiertage verabschiedet. N-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil sprach von einem "schwungvollen Handel": Die Handelsspanne lag bei 250 Punkten. 220 Zähler waren es bereits am Dienstag gewesen, 300 Punkte am Montag. Alles andere also als ein "langweiliger Handelstag", konstatierte auch Wohlfeils Kollegin Sabrina Marggraf. Beide verwiesen auf die guten Vorgaben und die leichte Erholung beim Ölpreis.

Der Dax kletterte bis auf ein Tageshoch von 10.743 Punkten und verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent bei einem Stand von 10.728 Zählern aus der verkürzten Handelswoche. Am Dienstag hatte er bei 10.489 geschlossen. Der MDax verbesserte sich um 1,5 Prozent auf 20.709 Stellen. Der TecDax gewann 1,4 Prozent auf 1814 Punkte.

Rohstoffe: Ölpreis fängt sich

Als Hauptkurstreiber machten Marktexperten die Erholung beim Ölpreis aus. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 37,36 Dollar und damit 3,5 Prozent mehr als noch am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI kostete zum US-Settlement 37,50 Dollar. Ein Grund dafür waren die unerwartet deutlich gesunkenen US-Lagerbestände.

Unterdessen lagen erstmals seit vier Jahren die Preise für Brent und WTI zeitweise gleichauf. Analysten führten diesen Umstand, dass WTI zu Brent aufgeschlossen hat, auf die Aufhebung des seit 40 Jahren bestehenden Exportverbots für US-Öl zurück. Dass beide Sorten gleichviel kosten sehen Marktexperten auch als weiteren Beleg für eine globale Ausweitung der Ölflut. Denn den eigentlichen Ursprung der Ölschwemme lokalisieren Händler in den USA, wo der Boom der US-Frackingindustrie zu einer Überversorgung geführt hat. Die Opec andererseits sieht in diesem US-Öl einen starken Mitbewerber und versucht mit allen Mitteln dagegen vorzugehen. Trotz des anhaltenden Ölpreisverfalls hält das Kartell die Förderquoten deshalb hoch.

Indes sagt die Opec einen Anstieg ihres Korbpreises auf 70 Dollar bis zum Jahr 2020 voraus. Bis zum Jahr 2040 soll er auf 95 Dollar steigen. Das teilte das Kartell in seinem Jahresbericht mit. Der Korbpreis der Opec wird aus dem Durchschnittspreis für 13 wichtige Ölsorten der Opec gebildet. Am Montag lag er bei 30,74 Dollar. "Die steigenden Kosten der Ölförderung werden die Ölpreise langfristig die Höhe treiben", schrieb die Opec.

Dax: Von Adidas bis VW

Bei den Einzelwerten sahen Händler Aussagen von VW-Anwalt Ken Feinberg positiv, dass der Schaden durch manipulierte Abgaswerte in den USA gering gehalten werden könne. "Die Aussicht auf eine schnellere und kostengünstigere Lösung, wie Feinberg behauptet, könnte schon für weitere Hoffnung bei der Aktie sorgen", sagte ein Händler mit Verweis auf ein Interview im "Handelsblatt". Immerhin habe der Staranwalt bereits Erfolge vorzuweisen wie im Fall "Deepwater Horizon". VW stiegen 2,2 Prozent. BMW und Daimler konnten ebenfalls Gewinne verbuchen, ihre Anteilsscheine wiesen Aufschläge von 2,5 und 2 Prozent auf.

Adidas gewannen 2,3 Prozent. Die Quartalszahlen von Nike halfen zwar, groß kursbewegend sind sie Händlern zufolge aber nicht gewesen. "Außer, dass es im Sportsektor generell gut läuft, lässt sich daraus nichts ablesen", sagte ein Marktteilnehmer. Vor allem das China- und US-Geschäft bei Nike sei gut gelaufen und habe zu einem währungsbereinigten Umsatzplus von 12 Prozent geführt. Das hätten Analysten aber bereits erwartet. Der höher als erwartet ausgefallene Gewinnsprung gehe dagegen auf hauseigene Faktoren zurück wie eine verbesserte Bruttomarge und eine niedrigere Steuerquote.

Adidas hui, RWE pfui

Adidas ist zudem in diesem Jahr mit einem Kurszuwachs von bisher mehr als 55 Prozent der am besten performende Dax-Wert. Das Gegenstück sind RWE-Titel, die mehr als 50 Prozent seit Jahresanfang abgegeben haben. Am Mittwoch führten sie die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von rund 6 Prozent an. Auch Eon und ThyssenKrupp performten in diesem Bereich. "Hier sind Schnäppchenjäger unterwegs", sagte n-tv-Börsenexpertin Wohlfeil.

BASF-Titel zogen 3 Prozent an. Nur leicht belastend für BASF werteten Händler dabei den gescheiterten Verkauf von einigen Beteiligungen der Öl-Tochter Wintershall an die norwegische Tellus Petroleum. "Das wirft Wintershall etwas zurück, andererseits hat man überall im Ölsektor angesichts der Krise damit gerechnet, dass nicht alle geplanten Deals reibungslos über die Bühne gehen", so ein Händler.

USA: Konjunktur und Öl heben die Stimmung

Der höhere Ölpreis belebte auch den US-Aktienhandel. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 1,1 Prozent auf 17.603 Punkte. Der S&P-500 legte um 1,2 Prozent auf 2.064 Punkte zu. Der Nasdaq-Composite verbesserte sich um 0,9 Prozent auf 5.046 Punkte.

Für gute Stimmung sorgten auch Konjunkturdaten. So mehren sich die Anzeichen, dass die US-Wirtschaft im zu Ende gehenden vierten Quartal an Schwung gewinnt: Die Konsumausgaben legten im November zu, nachdem sie im Oktober noch stagnierten. Die Aufträge der Industrie blieben trotz Dollar-Stärke stabil. Die US-Notenbank hatte vergangene Woche erstmals seit einem Jahrzehnt die Zinsen wieder angehoben und weitere Zinsschritte in den kommenden Monaten signalisiert.

Bei den Einzelwerten gaben die Aktien des Chipherstellers Micron mehr als 6 Prozent nach. Das Unternehmen stimmte die Aktionäre auf einen Verlust im zweiten Quartal ein. Die Nike-Papiere legten dagegen angesichts guter Geschäftszahlen 3 Prozent zu.

Asien: Verluste in China

Während die Tokioter Börse wegen des kaiserlichen Geburtstages geschlossen blieb, brach der chinesische Aktienmarkt seine jüngst gezeigte Aufwärtstendenz ab. Der Leitindex Shanghai Composite büßte 0,4 Prozent auf 3636 Punkte ein. Deutliche Impulse für den Handel fehlten kurz vor den Feiertagen. Der Shenzhen-Composite verlor 1,2 Prozent, das Marktsegment ChiNext gar 2 Prozent. In Hongkong, wo mehr ausländische Investoren aktiv sind, sprachen Händler von einer kleinen Weihnachtsrally. Der HSI konnte zulegen.

In Sydney ging der Leitindex S&P/ASX200 mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent aus dem Handel. Damit verbuchte der australische Markt bereits den sechsten Tag in Folge Gewinne - die längste Gewinnstrecke seit Juli.

In Südkorea halfen vor allem ausländische Investoren dem Markt auf die Sprünge. Die direkten Auslandsinvestitionen kletterten auf ein Allzeithoch im laufenden Jahr. Vor allem chinesisches Geld floss immer stärker in das Land. Der Kospi zog an.

Devisen: 1,09er Marke gefallen

Der Euro gab einen großen Teil seiner Gewinne der vergangenen Handelstage wieder ab. Zeitweise fiel die Gemeinschaftswährung unter 1,09 Dollar und wurde am Abend um 1,09 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0916 nach 1,0952 Dollar am Dienstag festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,9161 (0,9131) Euro.

Ein wichtiger Impuls für den Handel am Devisenmarkt kam am Nachmittag mit der Veröffentlichung der neuen US-Konjunkturdaten. Die Daten hätten den Eurokurs zeitweise unter 1,09 Dollar gedrückt, hieß es aus dem Handel. Konjunkturdaten aus der Eurozone konnten am Vormittag hingegen kaum für Impulse sorgen.

Der Yen legte zum Dollar etwas zu. Der Greenback sank auf 121 Yen nach Wechselkursen um 121,25 Yen am Dienstag. Die Stabilisierung des chinesischen Renminbi nehme dem Dollar etwas Wind aus den Segeln, hieß es dazu im Devisenhandel. Die chinesische Notenbank hatte den Yuan in der laufenden Woche etwas fester gefixt, nachdem sie ihn zuvor mehrere Tage lang abgewertet hatte.

Quelle: n-tv.de

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