Wirtschaft
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Wall Street mit Kursgewinnen: Dax-Schnäppchenjäger treiben's zu wild

Zum Start in die verkürzte Weihnachtswoche bestimmt erneut der Ölpreisverfall das Handeln der Anleger. Zunächst klettern die Kurse, die 10.800er Marke im Dax winkt. Am Ende steht ein deutliches Minus. Experten wissen warum.

Die Jagdsaison zum Jahresende am deutschen Aktienmarkt ist eröffnet. Am ersten von drei Handelstagen in dieser verkürzten Weihnachtswoche lag die Handelsspane bei rund 300 Punkten. "Auch die Börsianer scheinen dem Weihnachtskaufrausch zu verfallen", schätzte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil ein. Sie sprach von "Schnäppchenjägern". Insgesamt belastete aber der Ölpreis. Er sei der Unsicherheitsfaktor, so Wohlfeil. Positive Nachrichten aus China stützten zwischenzeitlich.

Nach leichten Schwierigkeiten zum Handelsstart baute der Dax seine Gewinne kontinuierlich aus bis zum Tageshoch von 10.796 Punkten. Danach gab er ab, schloss 1,0 Prozent im Minus auf dem Tagestief von 10.498 Zählern. Am Freitag war der deutsche Börsenleitindex 130 Punkte oder 1,2 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Der MDax verabschiedete sich 1,3 Prozent schwächer bei 20.377 Punkten. Der TecDax büßte 1,0 Prozent auf 1796 Stellen ein.

"Die Weihnachtsrally kommt fast immer", kommentierte dennoch Chartexperte Franz-Georg Wenner. "Für die ansonsten eher uninteressante Zeit zwischen den Jahren bietet sich dadurch eine letzte Chance auf einen schnellen Profit." Laut n-tv Börsenexpertin Sabrina Marggraf ist der Dezember mit einem Dax-Verlust von bisher rund 800 Punkten schlecht ausgefallen. Alles in allem sei 2015 aber ein "positives Börsenjahr" gewesen, zog Marggraf eine erste Bilanz: "Der Dax hat rund 8 Prozent zugelegt."

Rohstoffe: Ölpreis fällt weiter

Der Ölpreisverfall setzte sich auch in der neuen Handelswoche fort. Der Preis für die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee fiel im Tagestief bis auf 36,04 Dollar. Es war der niedrigste Stand seit Juli 2004. Am Abend notierte er bei 36,25 Dollar je Barrel. Der WTI-Ölpreis schloss bei 34,74 Dollar.

Neben einem zwischenzeitlich stärkeren Dollar lag der Grund für den immer weiter nachgebenden Ölpreis in einem deutlichen Angebotsüberhang. Die Opec behält nach wie vor ihre Fördermenge bei. Dahinter steckt ein politisches Kalkül, sie will so andere Wettbewerber, wie beispielsweise Russland oder die Förderunternehmen von US-Fracking-Öl, unter Druck setzen.

Dax: VW fahren vor

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Bei den Einzelwerten präsentierten sich die Autowerte stark. Sie reagierten auf Presseberichte über geplante Subventionen für Elektroautos. Wie der "Spiegel" berichtete, plant die Bundesregierung Subventionen von bis zu 5000 Euro pro Wagen. "Weil damit das sonst noch kaum erreichbare Klimaziel bis 2020 von einer Million E-Cars erreicht werden soll, könnte auch noch auf eine Aufstockung spekuliert werden", sagte ein Händler. VW sprangen mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent an. Daimler drehten am Ende 0,7 Prozent ins Minus, BMW 0,2 Prozent.

Für die Lufthansa ging es rund 2,8 Prozent nach oben - die Titel profitierten von der anhaltenden Talfahrt der Ölpreise, die auf neue Mehrjahrestiefs sanken. Zu den schwächsten Werten gehörten hingegen Finanzaktien: Die Papiere von Commerzbank und Deutsche Bank bleiben mit ihren Gewinnen hinter dem Dax zurück. Deutsche Börse gaben rund 2 Prozent ab. Allerdings waren die Anteilsscheine am Freitag mit einem Aufschlag von mehr als 2 Prozent der Top-Gewinner im Leitindex gewesen. Diese Position nahmen nun die Versorger Eon und RWE ein, die jeweils um 2,5 Prozent zulegten. "Gekauft werden die Werte, die jüngst unter die Räder gekommen sind", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Wohlfeil.

Indexänderungen in Kraft

Im Fokus standen zudem diverse Einzelaktien im Zuge der Umsetzung von Index-Änderungen. In den MDax stiegen Covestro und Ströer auf, dafür gingen MAN und Kabel Deutschland. Neu im TecDax sind Siltronic, die die Manz-Aktie ersetzten. Mit Scout24, Schaeffler, WCM und Hypoport stiegen gleich vier Aktien in den SDax auf. Dafür verlassen Ströer, Tom Tailor, Gesco und SHW den Index. Ströer gaben anfängliche Gewinne wieder ab, schlossen aber 0,4 Prozent im Plus. Siltronic büßten dagegen etwa 3,5 Prozent ein.

Endgültige Hornbach-Zahlen

Hornbach-Holding-Papiere gewannen mehr als 3 Prozent, Händler sahen keine neuen negativen Nachrichten hinter den endgültigen Zahlen von Hornbach. Die Baumarktkette hatte bereits vor knapp zwei Wochen eine deutliche Gewinnwarnung veröffentlicht und einen Rückgang im Ebit von bis zu 15 Prozent für das Gesamtjahr angekündigt.

Stada verteuerten sich um mehr als 1 Prozent - wohl wegen positiver Aussagen zum Wachstum in Russland. Dort soll es im kommenden Jahr etwas dynamischer zugehen, sagte Finanzvorstand Helmut Kraft der "Börsen-Zeitung". Da der schwache Rubel weiter die Marge belaste, rechne er für das laufende Jahr aber mit einem erneuten Rückgang des bereinigten Konzerngewinns. "Wichtig ist, dass er gesagt hat, dass die Dividende mindestens stabil bleiben soll", so ein Händler.

"Falschmeldung" pusht Aixtron

Nach einem verhältnismäßig ruhigen Handel schossen die Aktien von Aixtron am Nachmittag kurzfristig knapp 6 Prozent nach oben. Der Auslöser: Aixtron warnte in einer DGAP-Nachricht vor einer Falschmeldung, in der wohl eine Prognoseänderung angekündigt wurde. Aixtron hat die Bafin über den Vorgang informiert. Der Vorgang werde überprüft, hieß es. Am Handelsende wiesen die Aktien einen Aufschlag von rund 2,5 Prozent auf. 

Der Kurs von Nordex stieg 0,4 Prozent, nachdem der Windanlagenbauer eine neue Kreditlinie mit Laufzeit von fünf Jahren vereinbart hatte.

Wall Street erholt sich leicht

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Die US-Börsen beendeten den Handel mit Aufschlägen. Für gute Stimmung sorgte etwa die Nachricht, dass China seine Konjunktur im kommenden Jahr mit einem Mix aus Steuersenkungen, Mehrausgaben und lockerer Geldpolitik anschieben will. Der Dow-Jones-Index lag 0,7 Prozent im Plus bei 17.252 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,8 Prozent auf 2021 Zähler. Der Nasdaq100 kletterte 0,9 Prozent auf 4968 Stellen.

Zu den Gewinnern im frühen Geschäft gehörten die Papiere des Unterhaltungskonzerns Disney, der mit dem neuen Star-Wars-Film einen Kassenschlager produziert hat. In den ersten Tagen nach dem Filmstart spülte das Epos mehr als eine halbe Milliarde Dollar in die Kassen. Der Aktienkurs kletterte zwischenzeitlich 1,3 Prozent, schloss jedoch ein Prozent im Minus. "Investoren sind über die anderen Geschäftsbereiche von Disney besorgt. Es dreht sich nicht alles um Star Wars", sagte Adam Sarhan, Chef der Investment- und Beratungsgesellschaft Sarhan Capital in New York. Apple-Papiere verteuerten sich um 1,2 Prozent. Der iPhone-Hersteller hatte mit dem schwedischen Telekomausrüster Ericsson einen langjährigen Streit um Patentrechte beigelegt.

Asien: Reiseziel unbekannt

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Die Aktienmärkte in Asien entwickelten sich indes unterschiedlich: In Tokio fiel der Nikkei-Index 0,4 Prozent auf 18.916 Punkte. Der breiter gefasste Topix büßte ebenfalls 0,4 Prozent auf 1531 Zähler ein. Der japanische Leitindex ist damit auf dem besten Weg, zum Index mit der zweitschwächsten Kursentwicklung nach dem thailändischen SET im laufenden Monat zu mutieren.

Der Shanghai Composite dagegen legte 1,8 Prozent auf 3645 Zähler zu. Angefacht wurden die Zuwächse durch Übernahmefantasie vor allem im Immobiliensektor. Wang Shi, Chairman von China Vanke - der größten Immobiliengesellschaft in China, liefert sich eine harte Auseinandersetzung mit dem neuen Hauptaktionär - einer Gruppe von Investoren, die die Kontrolle übernehmen will. Die Vanke-Aktie selbst war vom Handel ausgesetzt. Das Unternehmen plant die Ausgabe neuer Anteile, um sich gegen die Übernahme zu wehren.

Gestützt wurde die Stimmung am Gesamtmarkt zudem von Plänen der Regulierungsbehörden, ein Registrierungsverfahren für Börsengänge zu implementieren. Marktteilnehmer schlossen daraus, dass die offiziellen Stellen von einer nachhaltigen Stabilisierung des Marktes ausgehen.

Devisen: Euro pirscht sich an 1,09 heran

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Der Euro legte ebenfalls zu. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0887 Dollar und damit deutlich mehr als noch in der Nacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0880 Dollar festgesetzt nach 1,0836 Dollar am Freitag und 1,0841 Dollar am Donnerstag.

Vom Ergebnis der Parlamentswahl in Spanien am Sonntag zeigte sich der Euro wenig beeindruckt. Trotz drastischer Stimmverluste seiner Partei will der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy die neue Regierung in Madrid bilden. Es ist aber bislang offen, wie er die dafür notwendige Mehrheit im Parlament zusammenbekommen kann.

Auch Zahlen zu den Erzeugerpreisen in Deutschland sorgten nicht für Bewegung. Die Preise waren im November so stark gesunken wie seit Februar 2010 nicht mehr. Der deutliche Rückgang im Vorjahresvergleich um 2,5 Prozent war aber von Ökonomen weitgehend erwartet worden und ist vor allem auf die niedrigen Energiepreise zurückzuführen.

Rohstoffe: Preise für Gold und Eisenerze klettern

Der Goldpreis notierte mit 1081 Dollar je Feinunze fester. Ein Plus von 1,5 Prozent.

Rückläufige chinesische Lagerbestände bei Baustahl trieben zudem die Preise für Eisenerz und Stahl an. Der chinesische Terminkontrakt auf Eisenerz notierte 4 Prozent fester bei 310 Yuan (46 Dollar) je Tonne. Der Shanghaier Stahl-Future kletterte um 3,1 Prozent auf 1749 Yuan (262 Dollar).

Dem Branchendienst SteelHome zufolge gingen die Baustahl-Bestände in 28 großen chinesischen Städten in der vergangenen Woche um 0,8 Prozent auf 3,647 Millionen Tonnen zurück. Grund hierfür seien die Produktionskürzungen bei unrentablen Hütten sowie die vorübergehende Schließung einiger Werke wegen der hohen Smog-Belastung im Großraum Peking gewesen, sagte Analystin Helen Lau vom Brokerhaus Argonaut. Wegen hoher Überkapazitäten waren die chinesischen Preise für Eisenerz und Stahl in den vergangenen Monaten von einem Rekordtief auf das nächste gefallen.

Quelle: n-tv.de

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