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Weg mit dem SpeckDax macht sich dünne

22.05.2006, 17:40 Uhr

Die deutschen Standardwerte haben kurz vor Handelsschluss am Montag noch einmal ihre Kursverluste ausgeweitet. Der Dax schloss 2,2 Prozent im Minus. Unter Druck gerieten vor allem die Aktien der Deutschen Börse. Die Nebenwerte beschleunigten ihre Talfahrt noch deutlicher. "Der MDax wird geschlachtet", sagte ein Marktteilnehmer. "Vor allem diejenigen Werte werden verkauft, an denen noch Speck dran ist."

Die deutschen Standardwerte haben am Montagnachmittag noch einmal ihre Kursverluste ausgeweitet. "Die Leute wollen kurz vor Schluss noch raus", sagte ein Händler. Unter Druck gerieten vor allem die Aktien der Deutschen Börse, nachdem die New Yorker Börse Nyse eine Übernahme-Offerte für die auch von den Frankfurtern umworbene Vierländerbörse Euronext vorgelegt hatte.

Der Dax sackte bis Handelsschluss auf 5.546 Punkte. Das entspricht einem Minus von 2,2 Prozent. Selbst der weiter fallende Ölpreis konnte die Anleger nicht zurück an den Aktienmarkt locken. Die Nebenwerte beschleunigten ebenfalls ihre Talfahrt. Der MDax brach um 5,9 Prozent ein. "Der MDax wird geschlachtet", sagte ein Händler. "Vor allem diejenigen Werte werden verkauft, an denen noch Speck dran ist." Der TecDax rutschte 4,5 Prozent. "Die Stimmung ist angeschlagen. Die Leute fragen sich: Warum soll ich ausgerechnet jetzt kaufen? Vielleicht geht es noch ein wenig weiter nach unten", sagte ein anderer Marktteilnehmer. Die Nervosität sei weiterhin sehr groß, hieß es übereinstimmend auf dem Parkett. Die Anleger durchforsteten ihre Bestände nach Aktien, die zuletzt gut gelaufen seien, und machten dann Kasse.

Die Rohstoffpreise sanken wegen anhaltender Sorgen über ein sich verlangsamendes globales Wirtschaftswachstum. Ein Barrel leichtes US-Rohöl verbilligte sich um 86 Cent auf 67,67 US-Dollar. Der Preis für die in Europa führende Nordseesorte Brent fiel um 78 Cent auf 67,90 US-Dollar. Händler führten die sinkenden preise auch auf jüngste Aussagen von Opec-Vertretern zurück, wonach auf dem Juni-Treffen höchstwahrscheinlich keine Verringerung der Erdölfördermenge beschlossen werde.

Aus Sorge, die Deutsche Börse könnte erneut bei einem Fusionsversuch mit einem Konkurrenten scheitern, trennten sich die Investoren von den Titeln des Frankfurter Börsenbetreibers. Mit einem Abschlag von 8,5 Prozent auf 101,30 Euro bildeten die Börse-Aktien das Schlusslicht im Dax. "Die Chance der Deutschen Börse auf eine Fusion mit der Euronext schmilzt nach dem Nyse-Angebot dahin", sagte ein Händler. Will sie nicht mit leeren Händen dastehen, kommt die Deutsche Börse nach Ansicht von Analysten wohl nicht umhin, weitere Zugeständnisse an die Euronext zu machen.

Auf der Verliererseite standen auch ThyssenKrupp, die 7,3 Prozent auf 23,98 Euro nachgaben. Verkauft wurden auch die Papiere des Stahl-Konkurrenten Salzgitter, die 14,4 Prozent auf 51,77 Euro an Wert verloren. Händler verwiesen auf die jüngsten Preisrückgänge an den Rohstoffmärkten, die die Stahlkonzerne belasteten.

Im MDax rauschten die Papiere der Immobiliengesellschaft Vivacon 21,2 Prozent in den Keller. "Die fetten Enten verlieren in diesen Tagen am meisten. Dazu zählt auch eine Vivacon", sagte ein Händler. Die Aktien des Holzverarbeiters Pfleiderer standen ebenso auf der Verkaufsliste ganz oben und verbuchten ein Minus von mehr als zehn Prozent.

Im TecDax stießen die Investoren vor allem die zuletzt noch heiß begehrten Solarwerte ab. Q-Cells und Solarworld fielen um 7,5 Prozent bzw. 13,5 Prozent, Conergy gaben 13,6 Prozent nach.

Im Kleinwerteindex SDax brachen WCM in der Spitze um 18 Prozent ein, erholten sich aber wieder bis auf ein Minus von zwölf Prozent bei 0,29 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft muss wegen des schwelenden Streits mit den Finanzbehörden um Steuernachforderungen Rückstellungen bilden, die zum Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals führen.