6500 Punkte nur knapp verpasstDax spielt auf Sieg

Die Gipfeleuphorie am deutschen Aktienmarkt hält an. Trotz konjunktureller Dämpfer knüpfen die Kurse auf breiter Front an die starken Zugewinne des vergangenen Freitags an. Den Markt stützen dabei auch wachsende Erwartungen an die EZB, am Donnerstag die Zinsen zu senken. Für Kurssprünge nach unten sorgen dagegen geplante oder geplatzte Übernahmen.
Der deutsche Aktienmarkt ist mit Kursgewinnen ins zweite Börsenhalbjahr gestartet. Anleger hofften nach den Ergebnissen des EU-Gipfels vom Freitag auf eine nachhaltige Stabilisierung der Eurozone. "Die Anleger haben neue Hoffnung geschöpft, und das wirkt am Markt noch nach", sagte ein Händler.
Der Dax beendete den Handel mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 6496,08 Punkten. Für den MDax ging es um 1,1 Prozent rauf auf 10.454,46 Punkte. Der TecDax kletterte um 1,8 Prozent auf 757,04 Punkte.
Dass sich der Kursauftrieb fortsetzte, erklärten Börsianer unter anderem mit der Zinsphantasie vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Volkswirte rechnen damit, dass die europäischen Währungshüter den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte und damit auf das niedrigste Niveau seit Bestehen der Zentralbank senken werden. "Wenn man sieht, dass die Kurse im Wochenverlauf nicht herunterkommen, wird das einige zum Nachkaufen bewegen", gibt ein befragter Händler zu bedenken. Am Freitag hatte der Leitindex noch 4,3 Prozent fester bei 6416 Zählern geschlossen.
Für einen Schub am Morgen hatten teils positiv überraschende Konjunktursignale aus der verarbeitenden Industrie Europas gesorgt. Zwar lagen die Indizes durchweg unter der entscheidenden Schwelle von 50 Punkten, über der sie Wachstum signalisieren, allerdings konnten sich einige Staaten etwas besser schlagen als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone kletterte im Juni auf 45,1 Punkte, womit sich die Lage im Vergleich zum Vormonat stabil hielt. Volkswirte hatten dagegen im Schnitt einen leichten Rückgang erwartet. Der deutsche Einkaufsmanagerindex fällt zwar gegenüber Mai leicht auf 45,0 Punkte, auch hier hatten Experten einen stärkeren Rückgang befürchtet.
Ein überraschend kräftiger Dämpfer für die US-Industrie zog den deutschen Aktienmarkt am Nachmittag kurzzeitig nennenswert nach unten. Die Sorgen wurden am Markt jedoch schnell über Bord geworfen.
Milliardendeal drückt Linde
Der einzig große Verlierer im Dax war der Industriegasekonzern Linde, der mit einem Minus von 1,7 Prozent aus dem Handel ging. Linde will den US-Sauerstoffgeräte-Hersteller Lincare für 4,6 Mrd. Dollar übernehmen. Der Preis schien einigen Marktteilnehmern jedoch den Atem zu verschlagn. "Die 4,6 Mrd. Dollar wirken im Hinblick auf die Zahlen von Lincare relativ hoch", sagte ein Marktteilnehmer. Auch die Integration sei mit Fragezeichen verbunden, da Linde in einen neuen Bereich vorstoße.
Gefragt waren dagegen vor allem klassische Konjunkturtitel. Für den Stahlkonzern ThyssenKrupp ging es um 2,8 Prozent aufwärts, der Baustofflieferant HeidelbergCement schloss 2,7 Prozent fester, auch für den Chipkonzern Infineon ging es um 2,7 Prozent rauf.
Finanztitel konnten ebenfalls zulegen. Für die Commerzbank ging es um 2,5 Prozent aufwärts, die Deutsche Bank beendete den Handelstag mit einem Plus von 1,8 Prozent.
Kräftig durchgeschüttelt wurden die Aktien von Rhön-Klinikum. Nach der geplatzten Übernahme durch den Konkurrenten Fresenius waren die Papiere um bis zu 15,7 Prozent auf 15,92 Euro abgerutscht, den tiefsten Wert seit knapp zehn Wochen. Bis Handelsschluss grenzten die Papiere dann aber ihren Kursrutsch auf minus 8,9 Prozent ein, nachdem Rhön--Klinikum-Gründer Eugen Münch erklärt hatte, bald einen neuen Anlauf für den Verkauf an Fresenius zu nehmen. "Es ist aber gut möglich, dass man jetzt noch eine Einigung findet, indem man zum Beispiel Kliniken an Asklepios verkauft", sagte ein Händler. Die Papiere von Fresenius drehten nach zwischenzeitlichen Tagesverlusten ins Plus und schlossen 0,7 Prozent fester.
Im SDax legten Balda und Praktiker mit dicken Zugewinnen an der Spitze. Balda nahm mit dem Verkauf des Großteils der noch vorhandenen Anteile an dem taiwanischen Touchscreen-Hersteller TPK rund 150 Mio. Euro ein. Ein Teil der Einnahmen soll den Aktionären als Sonderdividende für das Rumpfgeschäftsjahr Januar bis Juni 2012 ausgeschüttet werden. Für Balda-Aktien ging es an der Gewinnerspitze im SDax um 9,2 Prozent aufwärts.
Bei Praktiker verzichten die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehalts. Damit sollen in Deutschland die Personalkosten der angeschlagenen Baumarktkette bis 2014 um jährlich 17,3 Millionen Euro gesenkt werden. Praktiker-Papiere gingen mit einem Kursplus von 8,5 Prozent aus dem Handel.