Anleger in RaubkatzenlauneDax tigert ins Plus
Der deutsche Aktienmarkt steigt am Donnerstag nur mühsam aus der Verlustzone. Trotz zahlreicher Impulse aus der ersten und zweiten Reihe halten sich die Anleger zurück. Erst überraschend positive Daten aus den USA liefern das Signal zum Aufbruch.
Ermuntert von überraschend starken US-Konjunkturdaten sind die Anleger am Donnerstag wieder in den Aktienmarkt zurückgekehrt. Der Dax wechselte am Nachmittag in die Gewinnzone und ging am Abend mit einem Plus von 0,67 Prozent bei 5481 Punkten aus dem elektronischen Handel. Der Nebenwerte-Index MDax legte 0,96 Prozent zu auf 7017 Zähler. Der TecDax kletterte um 1,99 Prozent auf 750 Punkte.
Verhalten optimistische Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatten am frühen Nachmittag die Stimmung aufgehellt. Kurz zuvor noch hatten Beobachter darüber geklagt, dass dem Markt klare Richtungsvorgaben fehlten. Das umfangreiche Bündel an Unternehmensergebnissen vom Morgen hätten sowohl Licht als auch Schatten geliefert, hieß es.
Die am Nachmittag bekanntgegebene Produktivität der US-Wirtschaft war im dritten Quartal auf den höchsten Stand seit sechs Jahren hochgeschnellt. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe fiel niedriger aus als befürchtet. "Die US-Daten und die Aussagen Trichets sorgen für Erleichterung am Markt", sagte ein Börsianer. Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon betonte jedoch, dass der Markt voraussichtlich erst von den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag eindeutige Richtungsvorgaben erhalten werde.
"Der Dax korreliert derzeit sehr stark mit den US-Indizes", sagte Marktanalyst Patrick Pflüger vom Finanzdienstleister IG Markets. Er sieht allerdings die jüngste Korrektur noch nicht als beendet an. "Die Nervosität der Anleger ist weiterhin sehr hoch und die Schwankungsanfälligkeit bei Veröffentlichungen von Konjunkturdaten hat spürbar zugenommen."
Schlusslicht: Commerzbank
Die Deutsche Telekom erntete Lob für ihre Quartalsbilanz. "Die Zahlen lagen über den Erwartungen", stellten die Analysten der Citigroup fest und hoben ihre Einstufung von "Hold" auf "Buy" an. Die T-Aktie stieg daraufhin mit einem Plus von bis zu 3,3 Prozent zeitweise bis an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Am Abend kam das Papier wieder etwas zurück und lag zuletzt 2,3 Prozent höher bei 9,50 Euro.
Das Schlusslicht im Dax bildete die Commerzbank, deren Aktien sich um 4,7 Prozent auf 6,87 Euro verbilligten. Nach überraschend vorgelegten Eckzahlen am Montag legte die Bank nun den kompletten Geschäftsbericht für das dritte Quartal vor. Bemängelt wurde am Markt vor allem die erhöhte Risikovorsorge.
"Insgesamt zeigt der Quartalsbericht wenig Überraschungen und eine erwartet niedrige Ergebnisqualität", schrieb Analyst Matthias Dürr von der DZ Bank in einem Marktkommentar. Sein Kollege Olaf Kayser von der LBBW betonte, die hohe Risikovorsorge bei dem Finanzinstitut bereite ihm Sorgen.
Mit einem Abschlag von 1,10 Prozent auf 106,20 Euro zeigten sich auch die Aktien der Münchener Rück (Munich Re) nach Zahlen schwach. Der weltgrößte Rückversicherer dämpfte nach einem von hohen Steuern belasteten Quartal die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr.
Die Deutsche Post gab dagegen dank einer drastischen Kostenkur erfreuliche Quartalszahlen bekannt und stockte das Ergebnisziel für 2009 auf. Die Aktie legte dennoch nur unterdurchschnittlich 0,21 Prozent auf 11,800 Euro zu.
Spekulationen über eine Aktienplatzierung rückten gegen Mittag Metro ins Rampenlicht. "Angeblich sollen die Aktien zum Preis je 38 Euro platziert werden", sagten Börsianer. Metro wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern. Kurz darauf kamen Spekulationen auf, der britische Metro-Konkurrent Tesco wolle die niederländische Supermarkt-Kette Ahold übernehmen.
Metro schlossen daraufhin in Deutschland als Dax-Spitzenreiter 3,3 Prozent im Plus bei 40,93 Euro. Ahold legten 4,5 Prozent auf 9,10 Euro zu und Tesco 2,4 Prozent auf 416,66 Pence. Die Aktien des belgischen Einzelhändlers Delhaize verbuchten sogar ein Plus von 5,1 Prozent auf 49,40 Euro. Das Unternehmen hatte nach starken Quartalsergebnissen seine Gesamtjahresziele angehoben.
Um 9,37 Prozent auf 7,16 Euro brachen die Titel von Prosiebensat1 nach der Vorlage des Quartalsberichts ein und vernichteten damit ihren knapp neunprozentigen Vortagsgewinn wieder komplett. Nach schwachen Zahlen drückt der Fernsehkonzern nun noch mehr auf die Kostenbremse und blieb zudem einen Ausblick auf den Rest des Jahres schuldig.
Bei den Technologiewerten sprinteten die Titel von Rofin-Sinar am Nachmittag auf die Spitzenposition. Dank eines optimistischen Ausblicks verteuerten sich die Papiere des deutsch-amerikanischen Laser-Herstellers um 13,4 Prozent auf 16,55 Euro.
Der Eurostoxx50 ging mit plus 1,09 Prozent auf 2793 Zähler aus dem Handel. Auch der CAC-40-Index in Paris schloss fest. In London wurden dagegen nur leichte Gewinne verzeichnet. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf Kauf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte bei Börsenschluss in Deutschland 1,8 Prozent höher.
Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 3,08 (Vortag: 3,06) Prozent. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,03 Prozent auf 123,32 Punkte. Der Bund Futures gab um 0,15 Prozent auf 121,07 Punkte nach.
Der Referenzkurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,4867 (1,4761) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6726 (0,6775) Euro.
Signale aus Frankfurt und London
Die geldpolitischen Entscheidungen der EZB und der Bank of England (BoE) lagen im Rahmen der Erwartungen. Trichet zufolge deuten die jüngsten Daten auf eine Beschleunigung des Wachstums im zweiten Halbjahr hin.
Für 2010 sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, die den Leitzins bei einem Prozent belassen hat, eine schrittweise Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone voraus. "Die Kommentare klingen etwas optimistischer und bestätigen unsere Einschätzung, dass sich die Zentralbank dem Ende ihrer sehr expansiven Geldpolitik nähert", betonten die Analysten von Action Economics.