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Stand von 1999 unterschritten: Euro fällt unter Einführungswert

Der Euro rutscht immer weiter ab und liegt mit 1,1763 Dollar unter dem ersten Referenzkurs, den die EZB 1999 für die Gemeinschaftswährung festgesetzt hatte. Schuld sind eine Reihe schlechter Nachrichten für den Euro.

Der Euro hat seine Talfahrt noch beschleunigt. Am Donnerstag fiel der Kurs der Gemeinschaftswährung nach überraschend schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland unter 1,18 US-Dollar und erreichte bei 1,1763 Dollar zeitweise den tiefsten Stand seit über neun Jahren.

Der Euro rutschte damit sogar unter das Niveau seiner Einführung Anfang 1999. Damals hatte die EZB den ersten Referenzkurs der neuen Währung am 4. Januar auf 1,1789 Dollar festgesetzt. Kurz darauf rutschte er allerdings unter einen Dollar.

Seit vergangenem Mai hat die Gemeinschaftswährung rund 16 Prozent an Wert verloren. Damals kratzte der Euro an der 1,40- Dollar-Marke. Vermutlich wolle der Markt die psychologisch wichtige Marke von 1,17 Dollar testen, sagte ein Händler. Danach könnte die Währung rasch auf das Tief von 2005 von 1,1638 Dollar fallen. "Und dann wären Kurse von 1,15 oder 1,12 Dollar schnell möglich."

Den jüngsten Kursrutsch erklärten Börsianer unter anderem mit enttäuschenden Konjunkturdaten aus der Eurozone. Im November war der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Vergleich zum Vormonat stärker als erwartet gesunken. Außerdem war laut einer Umfrage der EU-Kommission die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im Dezember überraschend schwach ausgefallen. Für Verkaufsdruck sorgte aber auch die Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen in der Eurozone. Die US-Notenbank steuert dagegen auf die erste Zinserhöhung seit 2009 zu, was dem Dollar Auftrieb gibt.

Außerdem sorgt die starke Konjunktur in den USA für positive Impulse beim Dollar. "Es besteht inzwischen kein Zweifel mehr, dass sich der US-Arbeitsmarkt bombig entwickelt", beschrieb Expertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank die Lage. Wenn der Euro an Wert verliert, können Exportfirmen ihre Waren außerhalb der Eurozone günstiger anbieten. Sie verfügen damit über einen wesentlichen Vorteil im harten internationalen Konkurrenzkampf.

Laut Händlern hat zudem die Unsicherheit rund um die anstehende Wahl in Griechenland viele Anleger zum Ausstieg aus Euro-Positionen bewegt. Die Griechen wählen am 25. Januar ein neues Parlament. Umfragen zufolge könnten sie den Parteien einen Denkzettel verpassen, die den von der EU verordneten Reformkurs mittragen. Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Währungsunion hatten zuletzt wieder die Runde gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Mittwochabend in London, die Bundesregierung habe sich stets dafür eingesetzt, dass Griechenland den Euro behalten könne.

Quelle: n-tv.de

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