Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

"Cash is King" : Gold fällt unter 1600 Dollar

Die Preise für Edelmetalle geraten zum Wochenauftakt stark unter Druck. Der Goldpreis rutscht erstmals seit Juli zeitweise wieder unter die Marke von 1600 US-Dollar, der Silberpreis bricht zweistellig ein. Neben der immer weiter steigenden Unsicherheit wegen der Staatsschuldenkrise belasten auch höhere Sicherheitsanforderungen am Terminmarkt die Gewinnaussichten.

Angesichts wachsender Zweifel am Management der europäischen Schuldenkrise fliehen Anleger in hellen Scharen aus den Edelmetallmärkten. Dem Motto "Cash is King" folgend trennen sie sich von Investments und horten Bargeld.

Der Preis für eine Feinunze Gold fiel um bis zu 7,3 Prozent auf 1534,49 Dollar. Silber brach in der Spitze sogar um gut 16 Prozent auf 26,04 Dollar ein. Damit büßten die beiden Edelmetalle binnen drei Handelstagen 14 beziehungsweise 34 Prozent ihres Wertes ein. Dies ist der größte Preisverfall seit jeweils rund 30 Jahren. Im Verlauf kletterte der Goldpreis Preis allerdings wieder über die Marke von 1600 Dollar.

Im Handel wird zur Begründung der Abschläge darauf verwiesen, dass Anleger angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten Edelmetallbestände verkauften und es vorzögen, direkt im Dollar als sicherem Hafen investiert zu sein. Der steigende Dollar selbst sorge ebenfalls wieder für Druck auf die Edelmetallpreise.

"In Zeiten extremer Anspannung gibt es keinen Ersatz für Liquidität", sagte Analyst Tom Kendall von der Credit Suisse. "Gold ist zwar im Vergleich zu anderen Metallen liquide, bei einer Flucht ins Bargeld zählt aber Cash allein - und das bedeutet US-Dollar." Da keine schnelle Lösung für die europäische Schuldenkrise in Sicht sei, werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen.

Volkswirt Song Seng Wun von CIMB Research betonte zusätzlich, dass der Goldpreis angesichts der Rally in den vergangenen Jahren reif für eine Korrektur sei. Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt.

Börse will mehr Sicherheiten

Darüber hinaus spielt eine Rolle, dass Rohstoffinvestoren an der Warenterminbörse CME in Chicago wegen der starken Kursschwankungen mehr Geld als Sicherheit mitbringen müssen. Die CME erhöhte am Freitag wegen des starken Kursrutsches bei Gold, Silber und Kupfer die so genannten Margenanforderungen. Die Margin ist der Preisanteil an einem Spekulationsgeschäft, den ein Investor als Sicherheit hinterlegen muss. Steigen die Margins, müssen Investoren mehr Geld für das gleiche Geschäft mitbringen, was den erzielbaren Hebeleffekt verringert.

Für Gold erhöhte die Börse die Marge um 21 Prozent, für Silber um 16 Prozent und für Kupfer um 18 Prozent. Bereits im August war die Margenanforderung für Gold zweimal angehoben worden.

Wegen ihrer im Gegensatz zu Gold stärkeren industriellen Verwendung sehen Analysten unterdessen für Silber, Kupfer und Platin größeres Abwärtspotenzial als für den Goldpreis.

Ölpreis sucht Richtung

Auch die Ölpreise fielen zum Wochenstart. Am Rohöl-Markt rutschten die Preise für WTI und Brent in der Spitze um 3,4 Prozent auf 77,11 Dollar beziehungsweise um 2,2 Prozent auf 101,66 Dollar je Barrel ab.     

Im Fahrwasser kräftiger Kursgewinne der Aktienmärkte konnten sich beide Preise im Verlauf wieder ins Plus vorarbeiten und notierten bei 80,37 beziehungsweise 104,92 Dollar. "Der Markt ist schon stark gefallen und die meisten schlechten Nachrichten scheinen eingepreist", sagte Öl-Händler Christopher Bellew vom Brokerhaus Jefferies Bache. Die Talsohle sei durchschritten - zumindest vorläufig. Für Analyst Edward Meir von MF Global sind die Rohstoff-Märkte aber noch lange nicht über den Berg. "Vor uns liegen entscheidende Tage und Wochen. Sie erinnern stark an die kritische Zeit von 2008."

Aus Furcht vor einer weltweiten Rezession sanken auch die Preise für andere Rohstoffe. So verbilligte sich Kupfer um 3,2 Prozent auf 7123 Dollar je Tonne. Blei und Zinn brachen sogar um acht beziehungsweise neun Prozent ein. Analyst Du Xiaohua von Dongzheng Futures sagte ein Fortsetzung der Talfahrt voraus. "Investoren befürchten eine tiefe globale Rezession." Daher hätten sich viele chinesische Firmen in den vergangenen Tagen mit Bestellungen zurückgehalten.

Die Aussicht auf eine Rekordernte in der Elfenbeinküste setzte dem Kakao-Preis zu. Der US-Kontrakt fiel um bis zu 0,9 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 2654 Dollar je Tonne. Der in London gehandelte Future war mit 1755 Pfund Sterling je Tonne zeitweise so billig wie seit August 2009 nicht mehr. "Es wird sicher eine Rekordernte", sagte ein Börsianer. "Die Prognosen für die Exporte der Elfenbeinküste liegen bei knapp 1,5 Mio. Tonnen. Rechnet man die nach Togo und Ghana geschmuggelten 200.000 Tonnen hinzu, sprechen wir von einer Ernte von 1,7 Mio. Tonnen." Dem Kakao-Händler Olam International zufolge liegt die Ernte 2010/2011 um 450.000 Tonnen über dem Bedarf. Ein derart großer Überschuss sei bislang nicht eingepreist.

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Quelle: n-tv.de

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