Wirtschaft
(Foto: dpa)

Preise steigen noch nicht: Keine Trendwende beim Öl in Sicht

Der Preis für Öl ist sinkt auch zu Beginn des neuen Jahres und eine Änderung dieser Tendenz ist zunächst nicht in Sicht. Denn die Ursachen für den Preisverfall bestehen weiterhin. Im Laufe des Jahres könnte der Preis jedoch auch wieder steigen.

Auch zu Beginn des neuen Jahres scheint beim Ölpreis keine Trendwende in Sicht. Am Freitag setzt sich die Talfahrt des schwarzen Goldes fort. Die Gründe sind die gleichen wie im alten Jahr: Überversorgung und Angst vor einer konjunkturbedingt schwächeren Nachfrage. Dazu gesellt sich die Aufwertung des Dollar. Öl, das in der US-Währung bezahlt wird, wird dadurch für Käufer aus anderen Währungsgebieten teurer.

Im vergangenen Jahr haben sich die Preise für Rohöl nahezu halbiert. Einen derartigen Preisrutsch erlebten die Märkte zuletzt während der Rezession im Jahr 2008.

Am Freitag fiel der Preis für ein Barrel der europäischen Referenzsorte Brent um 2,4 Prozent und kam der Marke von 56 Dollar gefährlich nahe. Die US-Sorte WTI verbilligte sich zeitweise um 2 Prozent bis auf knapp über 52 Dollar.

Auf den Preisen lastete zum einen die Nachricht, dass Libyen bald wieder mehr Öl exportieren kann. In den vergangenen Tagen hatte ein Brand am größten libyschen Ölhafen die Exporte des Landes behindert. Das Feuer ist nach Angaben der örtlichen Behörden inzwischen aber gelöscht worden.

China schwächelt

Unterdessen trieben Erwartungen, dass die US-Notenbank in diesem Jahr die Zinsen erhöhen wird, den ICE-Dollar-Index am Freitag auf den höchsten Stand seit fast neun Jahren. Der Index bildet den Wert des Greenback gegen einen Korb anderer Währungen ab. Der starke Dollar begrenze ein etwaiges Erholungspotenzial im Ölmarkt, meinte Myorto Sokou, Analyst bei Sucden Financial.

Und schließlich zeugten neue Konjunkturdaten davon, dass die chinesische Wirtschaft schwächelt. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft und größter Ölimporteur der Welt. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China sank im Dezember auf 50,1 - den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Im November hatte der Index noch einen Stand von 50,3 erreicht.

"Der Umstand, dass schon zu viel Öl auf dem Markt ist, wird in Verbindung mit enttäuschenden chinesischen Konjunkturdaten den Verkaufsdruck auf Öl aufrechterhalten", prognostiziert Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst bei Avatrade.

Die weltweite Überversorgung mit Öl ist nicht zuletzt eine Folge der florierenden US-Schieferölindustrie. Diese hat im vergangenen Jahr so viel Öl gefördert wie seit 1986 nicht mehr.

Was die Ölförderung in den USA anging, schien sich zwar eine Stabilisierung anzudeuten, als die Energy Information Administration am Mittwoch einen überraschend deutlichen Rückgang der US-Rohölvorräte meldete. Am zentralen Rohöllager in Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma, dem Andienungsort für Nymex-Kontrakte, stiegen die Bestände aber um 2 Millionen Barrel auf den höchsten Stand seit zehn Monaten.

Erholung vielleicht im dritten Quartal

Mitverantwortlich für das Überangebot war ferner die Opec. Mit ihrer Entscheidung aus dem November, die Fördermenge nicht zu kürzen, setzte sie die Preise zusätzlich unter Druck.

Der Preis für Brent fiel im vergangenen Jahr um 48,26 Prozent, während sich WTI um 45,87 Prozent verbilligte. Sowohl absolut gesehen als auch prozentual verbuchten beide Ölsorten damit ihren stärksten Preisrückgang seit 2008.

Mit einer deutlichen Erholung der Preise ist indessen nicht vor der zweiten Hälfte des Jahres zu rechnen, denn es wird Monate dauern, bis der Markt sein Gleichgewicht wiedergefunden hat. Derzeit übersteigt das Angebot an Rohöl die Nachfrage um 2 Millionen Barrel pro Tag, rechnen Analysten vor.

Der Goldpreis fiel indes. Die Feinunze ermäßigt sich um gut 1 Prozent auf 1.170 Dollar. Der Preis für Silber markiert bei 15,82 Dollar und setzt damit seine Talfahrt fort.

Quelle: n-tv.de

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