Wirtschaft
Der Leitzins bleibt unverändert, der Euro-Kurs tanzt.
Der Leitzins bleibt unverändert, der Euro-Kurs tanzt.(Foto: dpa)

Draghi drückt auf den Kurs: Euro sinkt scharf zurück

An den Devisenmärkten ruft das Ereignis des Tages starke Reaktionen hervor: Mit dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank beginnen die Notierungen zu zittern. Draghi deutet dauerhaft niedrige Zinsen an - und hält den Euro offenbar für überbewertet.

Der Euro hat sich mit zunehmenden Konjunktursorgen in der Nähe seines Neunmonatstiefs gehalten. Am späten Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,3345 Dollar gehandelt. Der Kurs stand damit nur knapp über dem tiefsten Stand seit vergangenen November, der zur Wochenmitte bei 1,3333 Dollar erreicht worden war. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3368 (Mittwoch: 1,3345) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7481 (0,7493) Euro.

Erneut sorgten überraschend schwache Konjunkturdaten aus Deutschland für Abwärtsdruck beim Euro. Im Juni hatte sich die Industrieproduktion in der größten Euro-Volkswirtschaft deutlich schwächer als erwartet entwickelt. Am Vortag hatten bereits die Auftragsdaten aus der deutschen Industrie enttäuscht.

"Der deutsche Konjunkturmotor fängt zur Jahresmitte gehörig an zu stottern", kommentierte Experte Christian Lips von der NordLB. Auch nach Einschätzung von EZB-Chef Mario Draghi läuft die Erholung der Wirtschaft in der Eurozone derzeit holprig. In den vergangenen Wochen seien die Risiken durch zahlreiche politische Krisenherde gestiegen.

Fundamentaldaten für schwächeren Euro

Vor allem die Lage in der Ukraine und Russland sei für die Eurozone ein Problem, sagte Draghi auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung. Der Notenbankchef versicherte erneut, dass die EZB zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bereit sei. Zuvor hatte Draghi gemeinsam mit den übrigen Währungshütern den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent belassen. Auf der Pressekonferenz wies der EZB-Chef ausdrücklich daraufhin, dass das Zinsniveau im Euroraum noch "für längere so niedrig" bleiben dürften wie derzeit.

Im Handelsverlauf war der Euro zeitweilig deutlich unter Druck geraten: Beobachter verwiesen auf Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi auf der traditionellen Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid. Für die Abwärtsbewegung des Euro waren nach Meinung von Michael Woolfolk von BNY Mellon zwei Punkte verantwortlich: Draghi berichtete, dass die negativen Einlagenzinsen Erfolge zeigten, und sagte, dass die konjunkturellen Fundamentaldaten für einen schwächeren Euro sprächen.

Keine Angst vor dem Preisverfall

Draghi äußerte sich in diesem Zusammenhang auch zu den Risiken einer Deflation. Der magere Preisanstieg von 0,4 Prozent im Juli sei, so Draghi, keine Überraschung gewesen und nur auf hohe Energiepreise zurückzuführen. Im Euroraum lag die Teuerung zuletzt bei nur noch 0,4 Prozent.

Die EZB strebt knapp zwei Prozent an und will auf jeden Fall verhindern, dass eine deflationäre Spirale aus sinkenden Preisen und Löhnen den Aufschwung abwürgt. Die aktuelle Niedrigzinspolitik halten die Währungshüter weiter für angemessen. Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen sei weiter niedrig, erklärte Draghi.

Bank of England hält Kurs

Einen stabilen Zinsentscheid gab es auch in London: Die Bank of England (BoE) hält die geldpolitischen Zügel vorerst locker. Wie die Zentralbank in London mitteilte, werden sowohl der Leitzins als auch das Anleihekaufprogramm nicht angetastet. Der Leitzins liegt damit wie bisher auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, das Volumen der Wertpapierkäufe beträgt unverändert 375 Milliarden Pfund.

Das Programm ist seit Herbst 2012 ausgeschöpft. Seither werden keine zusätzlichen Anleihen gekauft, fällige Papiere aber reinvestiert. Genauso wie Bankvolkswirte mit den jüngsten Entscheidungen gerechnet hatten, gehen sie fest von einem baldigen Kurswechsel auf der Insel aus. Darauf deuten sowohl das starke Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft Europas als auch Äußerungen ranghoher Notenbanker hin.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79400 (0,79285) britische Pfund, 136,76 (136,58) japanische Yen und 1,2150 (1,2152) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 1305,25 (1306,50) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.800,00 (30.490,00) Euro.

Quelle: n-tv.de

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