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Erinnerungen an eine legendäre Whiskey-Werbung: "Das ist kein Jim Beam."
Erinnerungen an eine legendäre Whiskey-Werbung: "Das ist kein Jim Beam."(Foto: AP)

"Die Leute halten die Füße still": US-Börsen weichen zurück

Der erste Handelstag der neuen Woche mündet an der Wall Street im Minus: Bevor die Berichtssaison an Fahrt gewinnt, ziehen sich die Anleger auf sichere Positionen zurück. Einzelne Ausreißer-Aktien ziehen teils zweistellig an.

Die US-Börsen haben zu Wochenbeginn schwach geschlossen. Nach einem kaum veränderten, richtungslosen Start gaben sie im Handelsverlauf immer stärker nach. Der sehr schwache Arbeitsmarktbericht vom Freitag sei verarbeitet worden und zudem seien viele Anleger vor den in dieser Woche anstehenden Geschäftsberichten der US-Banken zunehmend skeptisch, hieß es am Markt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 1,09 Prozent auf 16.257,94 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen einem Tageshoch von 16.453 Zählern und einem Tief von 16.240 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 1,26 Prozent auf 1819,20 Zähler ein. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gab 1,47 Prozent auf 4113,30 Stellen nach.

"Die Leute halten die Füße still", sagte Douglas DePietro mit Blick auf die allgemein zurückhaltende Stimmung in New York. Die Masse der Anleger wartet offenbar die ersten wichtigen Bilanzen ab, um ein Gefühl für den Verlauf der aktuellen Saison zu bekommen. DePietro selbst hat neben JPMorgan und Wells Fargo im späteren Verlauf der Woche auch General Electric und Intel im Blick. Nach dem grandiosen Börsenjahr 2013 blieben die Investoren defensiv, bis sie Einblick in die aktuellen Zahlen bekommen hätten, sagte auch Michael O'Rourke, Aktienstratege bei Jones Trading. Der S&P hatte im vergangenen Jahr ein Plus von fast 30 Prozent verbucht.

Vor allem die US-Großbanken dürften im weiteren Wochenverlauf mit ihren Zahlen die Richtung vorgeben. Den Auftakt machen am Dienstag JPMorgan und Wells Fargo. Am Mittwoch folgt die Bank of America, am Donnerstag Goldman Sachs und Citigroup und am Freitag dann Morgan Stanley. All diese Titel gaben zwischen 0,8 und 2 Prozent nach.

Für Aufsehen sorgte zu Wochenbeginn vor allem die Übernahme des Jim-Beam-Produzenten Beam Inc durch Suntory aus Japan. Damit steigt Suntory zum drittgrößten Spirituosen-Anbieter auf. Die Beam-Aktie ging mit einem satten Aufschlag von 24,6 Prozent auf 83,42 Dollar aus dem Handel.

Celesio-Deal und Auto Show

Ein Lichtblick waren auch die Aktien von Merck & Co., die 6,5 Prozent zulegten. Damit war sie die einzige Aktie mit Gewinnen in dem 30 Werte umfassenden Leitindex. Merck wägt verschiedene Optionen für seine Sparten Tiergesundheit und Consumer Care ab und will entsprechende Schritte noch in diesem Jahr bekanntgeben. Zudem will das Unternehmen die jährlichen operativen Kosten - im Vergleich zum Jahr 2012 - bis Ende 2015 um 2,5 Milliarden Dollar senken. Außerdem will sich das Unternehmen bei einem Krebsmittel um eine frühe Zulassung bemühen. Zu Vorapaxar, einem Mittel zur Sekundärprävention von Herzinfarkt und Schlaganfall hatte sich die US-Gesundheitsbehörde FDA am Montag zudem positiv geäußert.

Die Autowerte General Motors (GM) und Ford standen wegen der Automobilmesse in Detroit im Blick. Die Messe ist läuft insgesamt zwei Wochen. Der US-Autobauer Ford baut die Neuauflage seines legendären Pick-up-Trucks F-150 zu großen Teilen aus Aluminium. Bei GM ist die neue Chefin der Star. Eigentlich übernimmt Mary Barra erst Mitte der Woche das Steuer. Doch spätestens seit Sonntag ist die Ingenieurin das Gesicht des größten US-Autokonzerns. Die Ford-Aktie konnte sich mit plus 0,25 Prozent gegen den negativen Gesamtmarkttrend stemmen. Das GM-Papier hingegen büßte 1,1 Prozent ein.

Die Anteilsscheine des im Gesundheitsbereich tätigen US-Unternehmens McKesson verloren nach der gescheiterten Übernahme des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio 4,7 Prozent. McKesson hatte weniger als 75 Prozent der Unternehmensanteile eingesammelt. Das Überschreiten dieser Schwelle hatten die Amerikaner aber zuvor zur Bedingung für den Vollzug der Übernahme gemacht worden.

Gegen den allgemeinen Trend konnten sich auch die Anteilsscheine der Fast-Food-Kette Wendy's stemmen. Nach der Erweiterung des Franchise-Systems zeigt sich die Firma für das künftige Geschäft optimistischer. Die Aktie verzeichnete ein Kursplus von 6,4 Prozent.

Besondere Gelassenheit mussten dagegen Anteilseigner von Lululemon Athletica üben. Die Aktien des Hersteller von Yoga-Sportbekleidung fielen bis zur Schlussglocke 16,6 Prozent zurück auf 49,70 Dollar. Nach schwachen Absatzzahlen senkte das Unternehmen seine Erwartungen an das vierte Quartal.

Auch für Aktionäre von SodaStream gab es keine guten Nachrichten: Der Hersteller von Sprudel-Systemen schraubte seine Erwartungen für 2013 nach einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft zurück. Der Aktienkurs stürzte fast 26 Prozent in die Tiefe.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 733 Millionen Aktien den Besitzer. 862 Werte legten zu, 2155 gaben nach, und 103 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,3 Milliarden Aktien 726 Titel im Plus, 1883 im Minus und 86 unverändert.

Der Euro machte im US-Handel seine Verluste wett und legte auf 1,3673 US-Dollar zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3654 (Freitag: 1,3587) Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stiegen richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen um 9/32 Punkte auf 99 11/32 Punkte und rentierten mit 2,83 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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