Wirtschaft
Video

Wall Street verweigert Impulse: Dax verliert zu Handelsschluss deutlich

Der Start in die neue Handelswoche geht am deutschen Aktienmarkt in die Hose. Analysten und Marktteilnehmer zeigen sich zwar zuversichtlich vor der anstehenden Berichtssaison, die Kurse sprechen indes eine andere Sprache.

Am Montagmorgen steht nur ein kleines Minus, am Ende des Handelstages sind die Verluste deutlich gewachsen. Neben enttäuschenden Daten zur deutschen Industrieproduktion fielen vor allem die positiven Signale von Seiten der Wall Street aus. Die hatte in der Vorwoche erst Rekordstände gefeiert, dann den Independence Day. Die Euphorie ist allerdings verlogen, wie es scheint - was auch die Ausweitung der Verluste hierzulande zum Ende der Handelssitzung beweist.

Der Dax schloss 1,0 Prozent im Minus bei 9906 Punkten. De erst am Donnerstag wieder überwundene 10.000er Marke wurde damit wieder unterschritten. Der MDax büßte 1,2 Prozent ein auf 16.688 Zähler. Der TecDax ging mit einem Abschlag von 0,8 Prozent aus dem Handel bei 1320 Stellen. Die Wall Street beendete vorerst ihren Höhenflug.

"Die Aufnahmebereitschaft an der Börse ist momentan sehr gering", so ein Händler. Der Dax hat die meiste Zeit des Tages bei sehr dünnen Umsätzen in einer engen Handelsspanne notiert. Gegen 14.00 Uhr kamen kleinere Verkaufsaufträge an den Terminmarkt, der die Kurse sofort nach unten gedrückt hätten. Zudem könnte die Berichtssaison einige Überraschungen parat halten, so dass im Vorfeld Gewinne mitgenommen worden seien.

Blicke in Richtung USA

Die deutsche Konjunkturagenda lieferte eine Enttäuschung: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Mai überraschend gedrosselt - und das gleich so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Industrie, Baubranche und Energie-Erzeuger senkten ihren Ausstoß insgesamt um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ökonomen haben mit einer Stagnation gerechnet, nach einem Minus von 0,3 Prozent im April.

Am Dienstag startet die US-Berichtssaison traditionell mit dem Ausweis des Alu-Konzerns Alcoa. Im Wochenverlauf werden dann auch noch die Fed-Protokolle für Impulse sorgen.

Luftfahrtbranche im Fokus

Positiv bewerteten Händler die China-Pläne der Lufthansa. Vorstandschef Carsten Spohr wolle anlässlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel in China Verträge über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Air China unterzeichnen, hieß es am Markt. "Das passt gut in die Kostensenkungsstrategie", sagte ein Händler. Auf den Fernoststrecken konkurriert die Lufthansa vor allem mit den Anbietern aus der Golfregion. Mit dem Joint-Venture könnten Lufthansa und Air China ihre Position am Markt verbessern. Die Papiere der Kranich-Airline schlossen unverändert. Im Handelsverlauf lag das Plus aber deutlich höher.

Im MDax spielte bei Airbus ein Auftrag aus China zwischenzeitlich eine Rolle. Es geht um 100 Helikopter. Marktbeobachter sehen in der Order durchaus einen Türöffner für den europäischen Konzern, denn der Heli-Markt im Reich der Mitte birgt enormes Potenzial, wie es hieß. Nach anfänglichen Gewinnen gaben die Titel 1,5 Prozent ab.

Abstufung drückt Sky

Auf der Verliererseite im MDax standen auch Sky Deutschland. Die Titel büßtem mehr fast 4 Prozent ein. Aktienhändler verwiesen bei Sky auf eine Herabstufung durch Nomura. Analyst Matthew Walker hat die Titel auf "Neutral" von "Buy" heruntergestuft und das Kursziel auf 7,00 von 8,50 Euro gesenkt. Steigende Marketingkosten und sinkende Durchschnittsumsätze je Kunde (ARPU) dürften auf den Gewinn drücken. Zudem sinke die Hoffnung auf eine Übernahme durch Rupert Murdochs BSkyB.

Ein Börsianer verwies zudem auf den möglicherweise wachsenden Wettbewerb in der für Sky wichtigen Fußball-Berichterstattung. Der Unternehmer und Aufsichtsratschef von Constantin Medien, Dieter Hahn, will mit seiner Gruppe für die Pay-TV-Rechte an der Bundesliga bieten. Er wolle sich um ein Paket für den Constantin Bezahlfernseh-Sender Sport 1 Plus bewerben, das "Live-Bundesliga und zeitnahe Bundesliga-Wochenendberichterstattung" beinhalte, sagte Hahn dem "Handelsblatt".

Ungarn bremst RTL

RTL gaben 1,5 Prozent ab. Der Kursabschlag spiegelte nach Aussagen eines Marktteilnehmers die Belastung durch die neue Werbesteuer in Ungarn wider. RTL rechnet mit einer Belastung des operativen Gewinns von 15 Millionen Euro und einer Wertberichtigung. "15 Millionen Euro entsprechen 1,5 Prozent des Unternehmenswerts", sagte der Marktteilnehmer. Damit sei die Belastung nun fast genau in den Kurs eingearbeitet.

Analysten nehmen Deutsche Börse aufs Korn

Im Dax fielen Deutsche Börse aus der Rolle und büßten rund 3 Prozent ein. Ein negativer Analystenkommentar belastete die Aktien. Die Analysten der Credit Suisse hatten die Titel auf "Underperform" von "Neutral" heruntergestuft und das Kursziel auf 51 von 59 Euro gesenkt. Der Konzern habe kurzfristig kaum Spielraum für Aktienrückkäufe oder Dividendenerhöhungen. Zudem werde das Volumen mit börsennotierten Derivaten schwächer bleiben als der Markt erwartet.

VW punkten mit China

Auf der Gewinnerseite lagen lange auch Volkswagen. VW zogen um mehr als 1 Prozent an, drehten dann aber doch ins Minus: 1,6 Prozent. Der Konzern will in China weitere zwei Fabriken errichten. China ist der wichtigste Markt für Europas Branchenprimus.

Allianz mit Capital Markets Day

Weiter aufwärts ging es dagegen mit den Aktien der Allianz. "Die Aussagen vom Capital Markets Day" stützen weiter die Stimmung", sagte ein Händler. Der Konzern wolle die Dividendenpolitik überdenken. Daneben nehmen die Zuflüsse bei Pimco laut Allianz wieder zu. Mit dem Ausbruch über das Juni-Hoch bei 125,75 Euro habe sich nun auch die technische Situation weiter aufgehellt. Ein nachhaltiges Überwinden des 2007er Hochs könnte den Weg Richtung 150 Euro ebnen. Der Kurs stieg gegen den Trend um 1,2 Prozent.

Schwächer tendierten dagegen RWE - die Titel verloren 2,0 Prozent. Im Handel wurde auf Gewinnmitnahmen verwiesen, nachdem die Aktie in der Vorwoche auf dem höchsten Stand seit November 2012 gehandelt hatte. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch 18 Prozent im Plus und nimmt damit Platz drei unter den besten Performern im Dax ein.

Spekulationen satt

Zudem brodelte die Gerüchteküche bei Orange: Die Marke der France Telecom steht offenbar vor einem Einstieg in Deutschland. Das würde allerdings gegen ein Stillhalteabkommen mit der Deutschen Telekom verstoßen, nicht auf den jeweiligen Markt aktiv zu werden. Deutsche Telekom schlossen 0,7 Prozent im Minus.

Gleichzeitig soll die HypoVereinsbank-Tochter DAB Bank vor einem Verkauf stehen. Interessent soll die Commerzbank-Tochter Comdirect sein. Das berichtee zumindest das "Handelsblatt".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen