Wirtschaft
Schwarzer Tag für den Rubel
Schwarzer Tag für den Rubel(Foto: dpa)

25 Prozent Verlust: Russlands Zins-Attacke schlägt fehl

Russlands Notenbank stemmt sich mit aller Macht gegen den Rubel-Verfall und erhöht die Zinsen auf gigantische 17 Prozent. Doch selbst diese Verzweiflungstat nützt nichts: Der Rubel bleibt auf Talfahrt, langsam bricht Panik aus.

Auch die deutliche Zinserhöhung der russischen Zentralbank kann den Rubel nicht dauerhaft stützen. Um den Verfall der russischen Währung zu stoppen, hatten die Notenbanker den Zinssatz in der Nacht drastisch erhöht – von 10,5 Prozent auf 17 Prozent. Der Rubel ging zunächst auf Erholungskurs, der Dollar verlor in der Spitze 9,8 Prozent auf 58,15 Rubel. Doch inzwischen hat der Rubel seine Gewinne wieder komplett abgegeben - und geht in den freien Fall über: Die russische Währung verlor zeitweise um 25 Prozent an Wert, erstmals mussten 80 Rubel für einen Dollar und 100 Rubel für einen Euro gezahlt werden - mehr als vor der verzweifelten Zins-Attacke.

In Wechselstuben kam es Medien zufolge teilweise zu Panikkäufen von Westgeld, weil viele Bürger einen totalen Wertverfall wie in den 1990ern Jahren befürchteten. Wie Bilder auf Twitter zeigten, überforderte der Verfall des Rubels zudem die Digitalanzeigen einiger Wechselstuben: Der Euro-Rubel-Kurs blieb einfach bei 99,99 Euro stehen.

In Moskau brach der Leitindex um fast 20 Prozent ein, das ist der größte Tagesverlust der Geschichte. An den Märkten grassierte die Furcht vor einer Staatspleite Russlands.Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 109.000 auf 656.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

"Für die Zentralbank wird es schwierig, den Rubel zu stabilisieren, solange der Ölpreis weiter fällt", sagt Wladimir Miklaschewsky, Volkswirt bei der Danske Bank. Die Zentralbank versucht seit Tagen vergeblich, mit einem Mix aus Leitzinsanhebungen und Devisen-Verkäufen den Rubel zu stabilisieren. Seit Anfang Dezember hat die Bank bisher knapp sechs Milliarden US-Dollar verkauft, um den Kurs zu stützen. Als Grund für die Rubel-Talfahrt nennen die Behörden neben Währungsspekulationen den niedrigen Ölpreis und das schlechte Investitionsklima wegen der Sanktionen des Westens gegen Russland im Ukraine-Konflikt. Die Zeit drängt: Seit Jahresbeginn hat der Rubel rund 70 Prozent seines Wertes zum Dollar und Euro verloren.

Wenn der jüngste Zinsschritt die Märkte nicht beeindrucke, bleibe noch die Möglichkeit, die heimische Währung mit Interventionen im Volumen von zehn Milliarden Dollar pro Tag zu stützen, sagt Natalia Orlova von der Alfa Bank.

Erst die Zentralbank, dann die Regierung

Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina sagte, dass der Zinsschritt vor allem gegen Währungsspekulanten gerichtet sei. Sie meinte, dass sich der unlängst dem freien Markt übergebene Rubel bald stabilisieren werde. Der Leitzins sei auch angehoben worden, um die Inflation zu zügeln.

Die Entscheidung der Zentralbank sei "richtig" gewesen, meinte der frühere Finanzminister Alexej Kudrin. Der Rubel sei aber derzeit so schwach, weil insgesamt das Vertrauen in die russische Wirtschaft fehle. "Nach diesem Schritt müssen nun Entscheidungen der Regierung folgen, das Vertrauen der Investoren in die russische Ökonomie zu stärken", sagte Kudrin.

Unternehmer kritisierten, dass der hohe Leitzins die Konkurrenzfähigkeit der russischen Wirtschaft gefährde. Für die ohnehin angeschlagene Konjunktur Russlands ist der Zinssprung ein Schlag, weil höhere Zinsen den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen zusätzlich belasten dürften.

Die Konjunktur ist eingebrochen, Investoren zogen zuletzt Milliarden Dollar ab. Auch der fallende Ölpreis hat ein Loch in den Haushalt des rohstoffreichen Landes gerissen. Die russische Wirtschaft könnte der Moskauer Zentralbank zufolge im kommenden Jahr um rund 4,5 Prozent schrumpfen, sollte sich der Ölpreis bei 60 Dollar je Barrel einpendeln. Am Dienstag lag der Preis für Brent bei 60,40 Dollar je Fass.

Quelle: n-tv.de

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