Dienstag, 20. Januar 2009
Keine Obama-Party: Wall Street stürzt ab
Die US-Börsen haben zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Barack Obama am Dienstag mit herben Kursverlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Minus von vier Prozent auf 7.949 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 5,3 Prozent auf 805 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq brach um 5,8 Prozent auf 1.440 Punkte ein.
Börsianer zeigten sich enttäuscht, dass Obama in seiner Antrittsrede keine weitere Einzelheiten im Kampf gegen die Wirtschaftskrise genannt hatte. Zudem begründeten Händler die heftigen Kursverluste mit einem Ausverkauf bei Finanztiteln.
"Ich denke, dass die Leute auf neue Pläne oder Hoffnungen gewartet haben", sagte Joe Saluzzi vom Handelshaus Themis Trading. "So glücklich wir über den Regierungswechsel sind (...), so realistisch schauen wir leider auf die Quartalszahlen der US-Konzerne", sagte Arthur Hogan von Jefferies & Co. Es werde aber keine attraktive Berichtssaison geben.
Vor allem Bankentitel gerieten unter Druck, nachdem am Montag die Royal Bank of Scotland den größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Wirtschaftsgeschichte bekanntgegeben und die Sorgen um den Zustand der Welt-Finanzbranche verstärkt hatte.
Die Papiere der Bank of America rauschten um 29 Prozent in den Keller, Citigroup-Aktien büßten 20 Prozent ein. Die Aktien des Finanzdienstleisters State Street Corp verloren in wenigen Minuten über die Hälfte ihres Wertes, nachdem der Konzern unerwartet hohe Verluste im Wertpapiergeschäft und im Investment- Portfolio sowie einen insgesamt geringeren Quartalsgewinn bekanntgegeben hatte.
Auch die Aktien des Pharmakonzerns Johnson & Johnson fielen um 1,2 Prozent. Das Unternehmen teilte vor Börseneröffnung mit, im vierten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs von fünf Prozent einen höheren Gewinn eingefahren zu haben. Nach Handelsschluss stehen die Quartalszahlen von IBM an.
Auch Energiekonzerne gerieten erneut unter Druck. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl fiel am Dienstag unter die Marke von 35 Dollar, nachdem Russland und die Ukraine die Gaslieferungen nach Europa wieder aufgenommen haben. Die Anteilsscheine von Exxon verloren 2,6 Prozent, die von Chevron 4,8 Prozent.
Im Automobil-Sektor sorgte die Allianz zwischen dem drittgrößten US-Autobauer Chrysler mit dem italienischen Automobilkonzern Fiat für etwas Zuversicht. Angesichts der dramatischen Talfahrt auf dem Automarkt steigen die Italiener bei dem notleidenden US-Hersteller ein. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an Chrysler übernehmen. Beide Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende vorläufige Vereinbarung, wie Chrysler am Dienstag am Sitz in Auburn Hills im US-Bundesstaat Michigan mitteilte. Beide Hersteller leiden stark unter der weltweiten Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise. Das strategische Bündnis soll Fiat und Chrysler gegen die Konkurrenz globaler Wettbewerber wie etwa Toyota und Volkswagen stärken und somit das Überleben sichern.
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