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Prima KonsumklimaDeutsche optimistisch wie nie

25.05.2007, 08:45 Uhr

Die Konjunktureuphorie der Verbraucher hat das Konsumklima in Deutschland weiter aufgehellt und die Bereitschaft zu größeren Abschaffungen weiter wachsen lassen.

Der kräftige Aufschwung und die Aussicht auf steigende Löhne versetzt die Deutschen zunehmend in Kauflaune. Das GfK-Konsumklima für Juni kletterte überraschend deutlich auf 7,3 Punkte von 5,7 im Mai, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag mitteilte. Sie verdoppelte daraufhin ihre Prognose für das Wachstum des privaten Verbrauchs von 0,5 auf 1,0 Prozent. "Alle Zeichen stehen darauf, dass in Deutschland eine kleine Konsumparty beginnt, die bis 2008 anhält", sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst zu Reuters.

Die 2000 Befragten schätzten die Konjunkturaussichten so optimistisch ein wie noch nie seit Beginn der Umfrage 1980. Gleichzeitig schraubten sie ihre Einkommenserwartungen auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Die Kaufbereitschaft nahm zum dritten Mal in Folge zu.

"Die Konjunkturstimmung der Bundesdeutschen eilt momentan von einem Rekord zum nächsten", hieß es. Grund dafür seien positiv gestimmte Unternehmen und die stark sinkende Arbeitslosigkeit. Das Ifo-Geschäftsklima hält sich seit April nahe dem Wiedervereinigungs-Rekord. Die Zahl der Beschäftigten stieg im ersten Quartal so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die meisten Experten sagen deshalb voraus, dass die Wirtschaft bis 2008 ähnlich kräftig wächst wie im Boomjahr 2006.

Das schürt die Hoffnung der Konsumenten auf spürbar steigende Einkommen. "Die bislang vorliegenden Tarifabschlüsse bestärken sie darin", betonte die GfK. So erhalten die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ab Juni 4,1 Prozent mehr Geld plus Einmalzahlungen. Wegen der guten Konjunktur- und Einkommensaussichten sind die Verbraucher zunehmend zu größeren Ausgaben bereit. Die mehrwertsteuerbedingte Schwächephase sei damit überwunden, schrieben die Forscher. "Folglich werden die Verbraucher künftig wieder eher bereit und in der Lage sein, ihren Geldbeutel für den Konsum großzügiger zu öffnen."

Die Einzelhändler bleiben trotz des besseren Konsumklimas zurückhaltend. "Einen Kaufrausch können wir weit und breit nicht erkennen", sagte Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE. Grund sei die Mehrwertsteuererhöhung. "Ohne sie würde es die Konsumparty geben." Im ersten Quartal hatte die Zurückhaltung der Verbraucher den Aufschwung merklich gebremst. Ihre Konsumausgaben lagen preisbereinigt um 1,4 Prozent unter dem Niveau des Vorquartals.

Bei Verbrauchern wächst "Marke-ist-Geil-Mentalität"

Die verbesserte Einkommenssituation führt bei vielen Verbrauchern zu einem wachsenden Qualitätsbewusstsein beim Einkauf. "Inzwischen gibt es neben der "Geiz-ist-Geil"-Mentalität zunehmend die "Marke-ist-Geil"-Mentalität", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die GfK ermittelt monatlich die Verbraucherstimmung in Deutschland. Die jüngste Konsumklimastudie wird an diesem Freitag veröffentlicht.

Untersuchungen der GfK zeigten, dass immer mehr Verbraucher nicht mehr nur auf Preisrabatte, sondern auch auf die Güte von Produkten achteten. "Das gilt vielleicht nicht für Milch. Aber schon beim Einkauf von Wein fragten sich inzwischen viele Verbraucher, ob sie sich angesichts ihrer höheren Einkünfte vielleicht auch mal einen etwas teureren Tropfen leisten könnten", erläuterte Wübbenhorst.

Die gute Verbraucherstimmung basiert nach Wübbenhorsts Einschätzung nicht nur auf der verbesserten Einkommenssituation vieler Haushalte, sondern sei zu 50 Prozent Psychologie. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt habe vielen Menschen die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust genommen. "Die Menschen fühlen sich damit sicherer und haben das Gefühl, sich jetzt endlich einen neuen Kühlschrank leisten zu können", sagte der GfK-Chef.

Wübbenhorst räumte zugleich ein, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer am Jahresanfang kaum die Verbraucherstimmung gedämpft hat. Ein Grund dafür sei, dass viele Verbraucher die Anhebung subjektiv nicht als besondere Belastung empfänden. Zudem habe der Wettbewerb manche Firmen daran gehindert, die Erhöhung der Mehrwertsteuer komplett an die Kunden weiterzugeben. Auch hätten die Kunden gemerkt, dass von der Erhöhung der Abgabe gar nicht alle Produktgruppen betroffen seien.