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FührungskriseLidl stellt Hoffmann kalt

04.05.2005, 11:05 Uhr

Der bisherige Lidl-Chef Hoffmann ist einem Pressebericht zufolge unvermittelt in Frühpension verbannt worden. Über den Anlass wird in der Neckarsulmer Zentrale gerätselt - auch ein schwerer Autounfall vor zwei Jahren könnte eine Rolle spielen.

Der bisherige Lidl-Chef Werner Hoffmann ist einem Pressebericht zufolge unvermittelt in Frühpension verbannt worden. Über den Anlass wird in der Neckarsulmer Zentrale gerätselt - auch ein schwerer Autounfall vor zwei Jahren könnte eine Rolle spielen.

Werner Hoffmann werde das Unternehmen nicht mehr führen, habe der Chef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, am vergangenen Freitag nach firmenintern mitgeteilt, berichtete die "Financial Times Deutschland" (FTD). Mitarbeitern gegenüber habe Gehrig gesagt, dass es "mit Hoffmann nicht mehr geht".

Offiziell lasse Gehrig auf Anfrage mitteilen, dass "Herr Hoffmann bis 2007 für Lidl tätig ist und dann in Ruhestand geht". Aus Unternehmenskreisen heiße es allerdings, Hoffmann sei bereits im Ruhestand. Auch wenn sein Vertrag noch bis 2007 laufe, sei es unwahrscheinlich, dass er zurückkomme. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest.

Gute Chancen habe der Lidl-Manager Walter Pötter. Bis die Personalie entschieden ist, dürfte Gehrig dem Bericht zufolge selbst die Lidl-Leitung interimistisch übernehmen. Der Hintergrund der Abberufung sei noch unklar. Gehrig und Hoffmann hätten in der Schwarz-Gruppe lange Zeit als ideales Gespann gegolten. Beide Manager waren vom schärfsten Konkurrenten Aldi zu Lidl gestoßen. Dort stiegen sie bis an die Spitze auf.

Die letzte Beförderung sei Hoffmann schließlich aber versagt geblieben, schreibt die "FTD" weiter. Zwar sei er zum Aufsichtsrat der Lidl-Stiftung berufen worden. Seinen Weggefährten Gehrig habe Firmengründer Dieter Schwarz aber zum Chef der gesamten Schwarz-Gruppe gemacht, zu der neben Lidl noch die Kaufland-Märkte gehören.

Hoffmanns Abberufung habe daher in der Lidl-Zentrale im schwäbischen Neckarsulm für viel Irritationen gesorgt, so die "FTD". Die Mitarbeiter rätselten darüber, wodurch das ehemalige Spitzenduo auseinander getrieben worden sein könnte. Der Abgang Hoffmanns könne aber auch einen ganz einfachen Grund haben: Wie es aus den Kreisen heiße, könne er damit zusammenhängen, dass Hoffmann vor rund zwei Jahren einen schweren Verkehrsunfall verursacht habe.

Der Lidl-Chef habe mit seinem Audi A8 in einer unübersichtlichen Kurve überholt. Bei dem Unfall seien vier Menschen gestorben. Jetzt müsse sich Hoffmann für den Unfall vor Gericht verantworten. Ihm drohten bis zu 18 Monate Haft.