Archiv

Bahn verliert MarktanteilePersonenverkehr stagniert

03.09.2007, 08:53 Uhr

Die Deutsche Bahn erwartet im Personenverkehr und damit anders als im Logistikgeschäft vorerst keine Wachstumssprünge. Im Fernverkehr kämen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts keinen neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken dazu, die für den Konzern stets wichtige Umsatztreiber seien, sagte Karl-Friedrich Rausch, als Bahnvorstand zuständig für den Personenverkehr.

Die Deutsche Bahn erwartet im Personenverkehr und damit anders als im Logistikgeschäft vorerst keine Wachstumssprünge. Im Fernverkehr kämen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts keinen neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken dazu, die für den Konzern stets wichtige Umsatztreiber seien, sagte Karl-Friedrich Rausch, als Bahnvorstand zuständig für den Personenverkehr der "Financial Times Deutschland". Im hoch lukrativen Regionalverkehr verliert das Unternehmen wegen des Wettbewerbs beständig Marktanteile. "Hier geht es um die Verteidigung unseres Kerngeschäftes", sagte Rausch weiter.

So verläuft beispielsweise die Expansion ins Ausland sehr zaghaft. "Im Personenverkehr sind interessante Märkte wie in Frankreich, Österreich oder der Schweiz noch nicht geöffnet", begründete Rausch. Die bislang einzige Übernahme im Ausland gelang in Dänemark, wo die Bahn ein Busunternehmen für einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag gekauft hat. Zum Vergleich: Der Logistik-Bereich hat in nur zwei Monaten zwei Güterbahnen in Spanien und Großbritannien sowie einen Spediteur übernommen und dafür knapp 700 Millionen Euro gezahlt

Stellschrauben für steigende Nettoerlöse bei den Fernverbindungen, so Rausch, seien ein besserer Service und Sonderpreise. Der Manager will so die Sitzauslastung in den Fernzügen weiter schrittweise erhöhen. Diese Quote stagnierte im ersten Halbjahr 2007 bei 43 Prozent. Nur aufgrund von Preiserhöhungen konnte hier der Umsatz im ersten Halbjahr steigen. Derzeit bereitet die Bahn mit einem Partner ein neues Aktionsangebot vor, wie einst mit Lidl und Tchibo. Das Kontingent an "Dauer-Spezial"-Fahrkarten von bislang monatlich 750.000 Tickets werde jetzt auf eine Million Tickets aufgestockt.

Um Marktanteile im lukrativen Regionalverkehr zu halten, macht die Bahn bei Streckenausschreibungen erhebliche Preiszugeständnisse. So hat DB Regio die Ausschreibung der Strecke München-Passau gewonnen - für 75 Cent je Kilometer. Vorher hatte die Bahn pro Kilometer 8,50 Euro erhalten, also mehr als das Zehnfache. "Wir haben hier die Kosten gesenkt und kalkulieren zudem mit höheren Fahrgelderlösen", begründete Rausch die Diskrepanz. "Wir wollen bei den Regionalzügen unsere Renditen stabil halten", versicherte er.