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Wegen ihres Schielens ist Opossum Heidi aus dem Leipziger Zoo ein Weltstar geworden.
Wegen ihres Schielens ist Opossum Heidi aus dem Leipziger Zoo ein Weltstar geworden.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 161: Ist Schielen schlecht für die Augen?

von Fabian Maysenhölder

Ist langes oder häufiges Schielen schädlich für die Augen? Stimmt es, dass die Augen so "stehenbleiben" können? (fragt Guido P. aus Kerpen)

Spätestens wenn Kinder begeistert entdecken, dass sie mit ihren Augen bewusst in verschiedene Richtungen schauen können, kommen die Warnungen der Eltern: "Hör auf damit, das ist nicht gut für die Augen!" oder es wird die radikale Schublade aufgemacht: "Wenn dich jemand erschrickt, während du schielst, bleibt das so!" Doch was ist da wirklich dran?

Beim absichtlichen Schielen werden die Muskeln an den Augen aktiviert.
Beim absichtlichen Schielen werden die Muskeln an den Augen aktiviert.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Das ist nichts als Angstmache", sagt Professor Nicole Eter, Direktorin der Augenklinik am Universitätsklinikum Münster. "Es ist zwar wichtig, dass man in der Regel mit beiden Augen Dinge fixiert, aber wenn mal jemand seine Augen verdreht, dann schadet das nicht. Auch nicht bei Kindern." Und die Mär vom bleibenden Augenstand, wenn man erschrickt? Die bleibt, was sie ist: eine Mär. "Absichtliches Schielen ist nur anstrengend für die Augenmuskulatur, aber nicht gefährlich", sagt die Medizinerin.

Doch was kann man tun, wenn das Kind unter Strabismus - das ist der medizinische Fachbegriff für "Schielen" - leidet? Nicht immer hilft da eine Brille. Es gibt verschiedene Ursachen für Strabismus, eine davon kann Weitsichtigkeit sein. "Diese kann man mithilfe einer Brille korrigieren - dann stehen die Augen auch wieder gerade", weiß Professor Eter. Bei anderen Formen, die zum Beispiel mit Augenmuskelschwächen zu tun hätten, biete auch eine Brille keine Aussicht auf Besserung.

Sehen Schielende die Umgebung anders?

Eine Frage haben wir noch an die Expertin: Sehen von Strabismus betroffene Menschen die Welt anders? "Das lässt sich nicht so pauschal beantworten. Wenn etwa ein erwachsener Mensch durch einen Unfall eine Orbitabodenfraktur erleidet, wenn also der knöcherne Umbau um das Auge bricht, könnte sich bei ihm ein Schielen entwickeln. In diesem Fall wäre es tatsächlich so, dass der Betroffene permanent Doppelbilder sehen würde - jeweils versetzte Bilder auf beiden Augen", sagt Eter. "Da müsste man dann mit einer Operation versuchen, das wieder zu beheben."

Professor Nicole Eter ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Münster.
Professor Nicole Eter ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Münster.

Bei Kindern sei dies jedoch anders. "Kinder, die unter Strabismus leiden, sehen die Welt nicht anders. Bei ihnen treten keine Doppelbilder auf, da eines der beiden Augen einfach vom Gehirn abgeschaltet wird." Die Expertin warnt: "Dieses Auge lernt dann nicht, richtig zu sehen. Die Weiterleitung ans Hirn etwa wird nicht vollständig erlernt." Dabei gebe es eine kritische Phase, die mit dem achten Lebensjahr ende. "Wenn sich das Sehen dann nicht richtig ausgebildet hat, wird es das auch nicht mehr tun", sagt Eter weiter. Deshalb sei es wichtig, auch die kleinsten Schielwinkel, die man als Laie nicht erkennt, früh zu korrigieren - damit das Gehirn nicht ein Auge unterdrückt. Denn dadurch entstehen dauerhafte Sehschäden.

Übrigens: In Deutschland sind rund fünf Prozent der Einwohner von Strabismus betroffen, das sind etwa vier Millionen Menschen. Auch genetische Faktoren spielen dabei eine Rolle, denn die Anlage zum Schielen ist vererbbar.

Quelle: n-tv.de

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