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Frisch aus dem Ofen schmeckt Brot am besten.
Frisch aus dem Ofen schmeckt Brot am besten.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 279: Macht frisches Brot Bauchschmerzen?

Von Jana Zeh

"Du bekommst einen Blähbauch und Bauschmerzen, wenn du so viel frisches Brot isst", warnte meine Oma mich immer. Ich war damals der Meinung, sie wolle nur Brot sparen. Heute frage ich mich: Hatte sie wohl doch recht? (fragt Armin P. aus Hettstedt)

"Wer keine Probleme mit seiner Verdauung hat, dem machen im Normalfall weder frisches Brot noch warmer Kuchen etwas aus", erklärt der Ernährungswissenschaftler und Autor Uwe Knop. Menschen mit angeschlagenem Verdauungssystem dagegen sollten generell, also auch bei sehr frischem Brot und warmem Gebäck, bewusst langsam essen oder aber auf den Genuss verzichten, um Bauchschmerzen zu vermeiden.

"Was in Einzelfällen zu Völlegefühl oder Blähungen führen kann, ist nicht, wie irrtümlicherweise immer wieder geglaubt wird, die Hefe im Teig, die im Körper weiter aufgeht, sondern eher das schnelle und übermäßige Essen von frischen, sehr leckeren Backwaren", sagt Knop. Denn weil frische Backwaren appetitlich duften, weich und locker sind und besonders gut schmecken, neigen manche Menschen dazu, diese schneller zu essen und wenig zerkaut zu schlucken. So gelangen viele große Brocken, die kaum vorverdaut sind, in den Magen. Der muss dann Schwerstarbeit leisten. Zudem wird bei hastigem Essen wesentlich mehr Luft verschluckt, die in Einzelfällen zum Problem werden kann. Da Frischgebackenes den Appetit anregt, kann also eher die Menge als die Frische zum Verdauungsproblem werden.

Verdauung beginnt im Mund

Nicht nur altes, sondern auch Vollkornbrot muss besser und länger gekaut werden.
Nicht nur altes, sondern auch Vollkornbrot muss besser und länger gekaut werden.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Altbackenes Brot dagegen muss wesentlich gründlicher gekaut werden als frisches, bevor es geschluckt werden kann. Da die Verdauung bereits im Mund beginnt – der Speichel spaltet die Nahrung schon auf -, ist das Risiko, davon Bauchschmerzen zu bekommen, wesentlich geringer. Längeres Kauen führt auch zu langsamerem Essen, so ist der Hunger schneller gestillt.

Die Warnung vor frischem Brot, die tatsächlich viele Großmütter ausgesprochen haben, war wohl in erster Linie zur Einschüchterung der Kinder gedacht und hatte eher mit dem Wert und der sinnvollen Rationierung von Brot zu tun als mit dem Schutz der kindlichen Verdauung.

In Deutschland gab es noch bis in die 1950er Jahre hinein Brotkästen, die abschließbar waren. Sie zeugten von Zeiten, in denen Lebensmittel knapp waren. Auch sehr hartes Brot wurde damals noch gegessen, beispielsweise als Brotsuppe oder als bei Kindern beliebtes Eingebrocktes. Weggeworfen wurde Brot nur, wenn es verschimmelt und damit ungenießbar war.

Übrigens: Wer häufig Bauchschmerzen oder andere Beschwerden nach dem Genuss von Backwaren bekommt, sollte sich auf eine Glutenunverträglichkeit untersuchen lassen. Die Zöliakie führt zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut und kann in verschiedenen Schweregraden auftreten.

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Quelle: n-tv.de

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