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Das Flugzeug-Cockpit: (noch) eine Männer-Domäne.
Das Flugzeug-Cockpit: (noch) eine Männer-Domäne.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 18. Januar 2011

Frage & Antwort, Nr. 156: Nur Männer als Piloten?

Von Fabian Maysenhölder

Ich fliege häufiger, und ich war bisher nur mit männlichen Flugkapitänen oder Piloten unterwegs. Warum gibt es so wenige Pilotinnen? (fragt Martin L. aus Dresden)

Das Bild ist fest in den Köpfen: Ein Flugzeug-Cockpit, in dem der Pilot mit einer Checkliste in der Hand und zwei dicken Kopfhörern auf den Ohren die letzten Startvorbereitungen trifft. Daneben der Co-Pilot, der scheinbar wahllos blinkende Knöpfchen drückt. In Details mag sich dieses Bild unterscheiden, doch eine Konstante gibt es ziemlich sicher: Die beiden Menschen im Cockpit sind Männer. Doch warum? Weshalb gibt es so wenige Frauen in diesem Berufsfeld? Gibt es sie überhaupt?

Susanne Hertneck ist eine der wenigen - sie ist "Senior First Officer" bei der Lufthansa.
Susanne Hertneck ist eine der wenigen - sie ist "Senior First Officer" bei der Lufthansa.(Foto: Ingrid Firedl/Lufthansa)

"Es gibt sie", sagt Michael Lamberty, Pressesprecher der Lufthansa. "Aber leider deutlich zu wenige." Der Anteil der Frauen in diesem Beruf liege bei fünf bis acht Prozent – nicht einmal jeder zehnte Platz im Cockpit wird also von einer Frau besetzt. Überhaupt seien Frauen erst seit knapp 25 Jahren in dem Beruf zugelassen. "1986 begannen die ersten Pilotinnen in der Lufthansa ihre Ausbildung, die sie zwei Jahre später abschlossen – es gibt also einen großen Nachholbedarf", konstatiert Lamberty. Darin sieht er einen Grund für die mangelnde Präsenz von Frauen in dem Berufsfeld.

Der Hauptgrund sei aber ein anderer - denn dass es so wenige Pilotinnen gibt, liegt schlicht daran, dass sich kaum Frauen um den Beruf bewerben. "Es fühlen sich offenbar zu wenige junge Frauen dazu berufen, diese Tätigkeit auszuführen", sagt der Experte.  "Spätestens, wenn sie in Gedanken damit spielen, eine Familie zu gründen oder Kinder zu bekommen, schrecken sie zurück." Das sei aber eine falsche Einstellung, die nichts mit der Realität zu tun habe. Der Beruf lasse sich – wie andere Berufe auch – sehr gut mit einer Familie und Kindern vereinbaren. Lamberty hält nüchtern fest: "Eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund, warum sich Frauen bei der Bewerbung zurückhalten sollten."

Michael Lamberty, Pressesprecher der Lufthansa.
Michael Lamberty, Pressesprecher der Lufthansa.(Foto: Ingrid Firedl/Lufthansa)

Es gibt jedoch leise Anzeichen dafür, dass sich die Situation in den nächsten Jahren – zumindest ein wenig – bessern wird. Aktuell liegt der Frauenanteil unter den Neuanfängern der Lufthansa bei 15 bis 20 Prozent; das ist zwar immer noch nicht viel, spricht aber für ein wachsendes Interesse weiblicher Bewerber an dem Beruf "Pilotin".

Übrigens: Unter den Flugbegleitern stagniert die Geschlechterverteilung schon lange, eine Veränderung ist hier nicht in Sicht. Lamberty meint: "Eine Quote von rund 80 Prozent zu 20 Prozent ist hier seit Jahrzehnten gängig." Und hier liegen die Frauen weit vorn.

Quelle: n-tv.de

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