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Der Kühlschrank ist ein geeigneter Ort, um Schildkröten sicher über den Winter zu bringen.
Der Kühlschrank ist ein geeigneter Ort, um Schildkröten sicher über den Winter zu bringen.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 302: Überwintern Schildkröten im Kühlschrank?

Von Jana Zeh

Ich habe etwas gehört, das ich gar nicht glauben kann: Schildkröten sollen im Kühlschrank überwintern. Stimmt das wirklich? Ersticken die denn nicht darin? (fragt Bernd H. aus Ratingen)

Schildkröten werden hierzulande gern als exotische Haustiere gehalten. Die Panzertiere gehören zu den Reptilien und sind wechselwarm, das bedeutet, ihr Stoffwechsel ist von den umgebenden Temperaturen abhängig. Aus diesem Grund sollten alle Tiere, die von Natur aus in Gegenden leben, in denen es zu hohen Temperaturschwankungen kommt, auch die Möglichkeit bekommen, Winterschlaf zu halten. Doch streng genommen halten die Schildkröten gar keinen Winterschlaf, sondern fallen in eine Kältestarre. Damit Schildkröten, die als Haustiere gehalten werden, gut diese Ruhephase überstehen, müssen viele Dinge vorbereitet und erledigt werden.

Schildkröten können bei guter Haltung sehr alt werden.
Schildkröten können bei guter Haltung sehr alt werden.(Foto: picture alliance / dpa)

"Um günstige Bedingungen für die Überwinterung, die auch Hibernation genannt wird, zu schaffen, kann das Gemüsefach im Kühlschrank ein geeigneter Ort für die Tiere sein", betont Andreas Mendt, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). Keller, Garagen und Balkone sind dagegen für die Winterpause der Schildkröten nur bedingt geeignet, denn die Tiere benötigen konstant niedrige Temperaturen zwischen 3 und 9 Grad Celsius, um nicht vorzeitig aus der Kältestarre zu kommen. Frost dagegen kostet die Tiere das Leben. Zudem sollte der Ort der Winterstarre vor Ratten und anderen Nagern geschützt sein. Der Kühlschrank ist demzufolge für Schildkröten, die als Haustiere gehalten werden, eine sichere und gut zu überwachende Stelle, um zu überwintern.

Doch Achtung! Schildkröten können Krankheiten übertragen. Sie sind oftmals mit Salmonellen, Milben und anderen Parasiten besiedelt. Salmonellen können auch für den Menschen, vor allem aber für Kinder bei mangelhafter Hygiene gefährlich sein. Das Gemüsefach sollte also ausschließlich der Schildkröte vorbehalten sein. Ein separater Kühlschrank wäre sogar noch besser zum Überwintern für die Tiere geeignet. "Vor allem, wenn man mehrere Tiere hat", so Mendt weiter. "Dann haben die Tiere auch mehr Ruhe."

Wurmkur und warme Bäder

Zudem sollte die Schildkröte nicht einfach so ins Gemüsefach gesetzt werden, sondern auf ihre Kältestarre vorbereitet werden. Nur gesunde, nicht trächtige Tiere dürfen in Kältestarre versetzt werden. Die Untersuchung beim Tierarzt ist deshalb ein Muss. Die letzte Wurmkur sollte sechs Wochen vor dem Überwinterungstermin liegen. Die Tiere dürfen zwei bis drei Wochen vor dem Beginn der Kühlschrankzeit kein Futter mehr bekommen. Zudem sollte die Schildkröte in der Vorbereitungsphase mindestens zwei Mal die Woche im lauwarmen Wasser gebadet werden. Das hilft dem Tier, seinen Darm vollständig zu entleeren.  

Als Behälter für die Schildkröte sollte man eine Box aus Kunststoff oder Holz, die mindestens die dreifache Panzerlänge des Tieres hat, herrichten. Das bedeutet, die Box sollte mit genügend Luftlöchern versehen und mit einem Substrat gefüllt werden, das locker, grabfähig und luftdurchlässig ist und gleichzeitig feucht bleibt. Staunässe dagegen sollte dringend verhindert werden. Ein Gemisch aus Kokosfaser, Gartenerde oder Torfmoos ist dafür hervorragend geeignet. Aber auch Zeitungspapier und zerrissener Zellstoff können benutzt werden. Für jedes Tier sollte eine extra Box bereitstehen.

Die Kältestarre sollte mindestens acht Wochen dauern, besser jedoch sind drei bis fünf Monate. In dieser Zeit sollte die Kühlschranktür mindestens einmal in der Woche geöffnet werden, damit das Tier genügend Sauerstoff bekommt. Die Vorbereitung zum Überwintern kann zwischen vier und sechs Wochen dauern, denn auch die Bedingungen im Terrarium sollten nach und nach verändert werden. So sollten beispielsweise Dauer der Beleuchtung und Temperaturen allmählich verringert werden.

Aus Angst um das Leben der Tiere oder aus Bequemlichkeit bekommen nicht alle Schildkröten, die als Haustiere gehalten werden, die Möglichkeit von ihren Haltern, im Winter in Kältestarre zu fallen. "Das ist dann keine artgerechte Haltung mehr und schadet der Gesundheit der Tiere", betont Mendt. Denn für die Tiere ist die Kältestarre eine natürliche Pause.

Übrigens: Wer keinen Kühlschrank für seine Tiere zur Verfügung hat und auf Nummer sicher gehen will, der kann bei seinem Tierarzt nachfragen. In einigen Praxen stehen Kühlschränke für die kontrollierte Überwinterung von Reptilien bereit.

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Quelle: n-tv.de

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