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Schönwetterwolken stehen für Leichtigkeit. Doch mit einem Elefanten können sie es gewichtsmäßig durchaus aufnehmen. Je nach Größe auch mit mehreren.
Schönwetterwolken stehen für Leichtigkeit. Doch mit einem Elefanten können sie es gewichtsmäßig durchaus aufnehmen. Je nach Größe auch mit mehreren.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 09. April 2013

Frage & Antwort, Nr. 269: Wie viel wiegen Wolken?

Von Andrea Schorsch

Letzte Woche saß ich im Flugzeug und habe aus dem Fenster auf eine dichte Wolkendecke geschaut. Wolken wirken immer so federleicht. Kann man herausfinden, ob sie das wirklich sind? Wie schwer ist eine Wolke? (fragt Gabriele P. aus Görlitz)

Das Gewicht einer Wolke lässt sich tatsächlich bestimmen. Allerdings müssen zwei Angaben dafür bekannt sein: Man muss die Größe der Wolke kennen und man muss wissen, wie viel Wasser sie enthält. Denn Wasser ist das, was eine Wolke ausmacht. Wolken bestehen zum größten Teil aus Wassertröpfchen.

Je nachdem, um welchen Wolkentypus es sich handelt – Meteorologen unterscheiden zehn verschiedene Gattungen –, sind die Wassertröpfchen winzig klein, kleiner als ein Hundertstel Millimeter, oder auch mal größer, wie es bei den Regenwolken der Fall ist. Bewegen sich die Wolken in höheren Luftschichten, können sie auch aus Eis- oder Schneekristallen bestehen. Enthaltene Hagelkörner sind dann auch mal mehrere Zentimeter groß.

Grau in Grau. Wo fängt die Wolke an? Wo hört sie auf? Exakte Berechnungen sind nicht möglich bei einem solchen Nimbostratus.
Grau in Grau. Wo fängt die Wolke an? Wo hört sie auf? Exakte Berechnungen sind nicht möglich bei einem solchen Nimbostratus.

"Wolken lassen sich nur bedingt standardisieren", sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Und sie sind auch nicht immer klar umrissen. Betrachtet man zum Beispiel Nimbostratus-Wolken, die den langanhaltenden Landregen bringen, gerät man allein bei der Bestimmung ihrer Größe in Schwierigkeiten. Alexander benennt das Problem: "Wo fängt die regenbringende Wolke an und wo hört sie auf? Wir haben da keinen fest umschriebenen Körper, den wir eindeutig berechnen können. Und das in drei Dimensionen. Exakt arbeiten können wir bei einer solchen Wolke dementsprechend nicht, denn die zwei Hauptfaktoren, Größe und Dichte, lassen sich für den Bereich einer Regenwolke nicht genau bestimmen."

Mal 1000 Kilo, mal Milliarden Tonnen

Doch zur Beantwortung der Leserfrage geht Alexander den Weg der Verallgemeinerung und schafft damit einen Standard. Er wählt die Schönwetterwolke zur Veranschaulichung, denn deren Form ist klar und deutlich erkennbar. "Nimmt man an", so Alexander, "dass diese Wolke eine Größe von einem Fußballfeld und eine Höhe von vielleicht 500 Metern hat, so ergibt sich ein Gewicht von ungefähr 1200 bis 3000 Kilogramm."

Das bedeutet, dass die Wolke etwa 1200 bis 3000 Liter Wasser enthält. Regenwolken sind da "in ganz anderen Dimensionen unterwegs", wie Alexander sagt. "Wenn wir unsere selbst geschaffene Standardwolke 'auswringen' und sie auf den Fußballplatz niederregnen lassen", so der Experte, "macht das verteilt auf die 5000 Quadratmeter nicht mal einen Liter pro Quadratmeter."

Bei einem gewittrigen Sommerregen aber fallen binnen kurzer Zeit zehn bis zwanzig Liter auf den Quadratmeter – und dann zieht die Wolke noch ein paar hundert Kilometer weiter und regnet sich dabei weiter ab. Eine durchschnittliche Gewitterwolke, wie man sie im Sommer häufiger sieht, kann daher "gut und gern über 1,5 Millionen Tonnen wiegen", resümiert Alexander. "Denken wir an Tropenstürme, dann bewegen wir uns eher bei Hunderten von Millionen Tonnen, selbst Milliarden von Tonnen sind da nicht auszuschließen." Federleicht? Weit gefehlt. Diese Wolken sind wahre meteorologische Monster.

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Quelle: n-tv.de

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