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Jetzt ein Nachtisch. Für die meisten gehört ein Dessert zum Essen dazu. Warum eigentlich?
Jetzt ein Nachtisch. Für die meisten gehört ein Dessert zum Essen dazu. Warum eigentlich?

Frage & Antwort Nr. 189: Woher kommt die süße Lust?

von Anna Kusserow

Nach dem Essen habe ich immer Lust auf was Süßes zum Nachtisch, auch, wenn ich eigentlich schon satt bin. Außerdem gibt es im Restaurant oder beim gemeinsamen Kochen immer ein Dessert. Woher kommt dieses Verlangen? Gibt es einen biologischen Grund oder ist es einfach nur Gewohnheit? Was kann man gegen den Heißhunger tun? fragt Linda aus Schwäbisch Hall

Warum wir uns unnötig nach Schokolade und Co. sehnen, hat mehrere Gründe. "Wir haben uns einerseits kulturell an eine Speiseabfolge gewöhnt, bei der zum Schluss das Dessert kommt, aber es gibt auch ernährungsphysiologische Ursachen, warum wir das tun", erklärt Professor Guido Ritter von der Fachhochschule Münster.

Insulin verursacht falsches Hungergefühl

Schuld am Verlangen nach Zucker ist der Blutzuckerspiegel.
Schuld am Verlangen nach Zucker ist der Blutzuckerspiegel.

Die biologische Erklärung hängt mit dem Blutzuckerspiegel zusammen. Ist dieser niedrig, meldet der Körper, dass er Nährstoffe braucht. Wir bekommen Hunger. Das normale Hungergefühl kann aber auch entstehen, wenn wir eigentlich schon satt sind. Nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel an. Weil Zucker im Blut aber schädlich ist, transportiert Insulin ihn in die Zellen. Sind die Nährstoffe im Blut angekommen, wird in kurzer Zeit viel Insulin produziert, das sie aus dem Blut filtert und in die Zellen einbaut. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel wieder schnell ab und es entsteht ein Hungergefühl. "Insulin hat eine Halbwertzeit von fünf Minuten und genau in dieser Zeit, in der das Insulin arbeitet und der Zuckerspiegel ein bisschen zu niedrig ist, kommt der Heißhunger", erklärt Ökotrophologin Dr. Gaby Kresser von der Universität Hannover. Besonders bei Speisen mit vielen Kohlenhydraten stellt sich hinterher eine große Lust auf Süßes ein. Kohlenhydrate werden schon im Mund gespalten und schnell verdaut, wodurch der Teufelskreis des falschen Hungers in Gang kommt. Wenn wir dann süß essen, fühlen wir uns befriedigt, weil das Auf und Ab des Blutzuckerspiegels ausgeglichen wird. Ritter erklärt: "Wenn wir erst deftig und dann süß essen, fällt dieser Pingpong-Effekt nicht ganz so stark aus."

Abwarten und Tee trinken

Vollkorn- hält länger satt als Weißmehl.
Vollkorn- hält länger satt als Weißmehl.

Nach zehn Minuten sollte der Zuckerspiegel sich von alleine wieder auf Normalstufe eingependelt haben und das Hungergefühl verschwunden sein. Also: Abwarten und Tee trinken. "Man sollte sich Zeit nehmen, damit die Hormone und Enzyme arbeiten und verdauen können. Dann kann man den Hunger auch einfach abwarten", sagt Gaby Kresser. Überhaupt sollte man es schon bei der Mahlzeit geduldig angehen. Ritter sagt: "Es kommt nicht nur darauf an, was wir essen, sondern auch, wie wir essen." Oft essen wir schneller, als der Magen dem Gehirn melden kann, dass er schon voll ist. Intensives Kauen und erhöhter Speichelfluss helfen bei der Verdauung. Auch die Wahl der Speisen hat einen Einfluss auf das Sättigungsgefühl. "Vollwertkost hat durchaus Sinn gegen den Heißhunger", sagt Kresser. Wenn man viele komplexe Kohlenhydrate wie Ballaststoffe esse, steige der Insulinspiegel auch nicht so schnell an. Ein Vollkornbrötchen macht im Gegensatz zum Weißmehlbrötchen länger satt.

Käse als Ersatz für Schokolade

Genuss muss auch sein.
Genuss muss auch sein.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Es ist natürlich auch Tradition, dass es einen Nachtisch gibt, weil die Menschen nun mal Lust auf Süßes haben", sagt Kresser. In Frankreich gibt es zum Beispiel Käse als Nachtisch. "Käse schließt den Magen" heißt es und so ist es auch. Mit Käse lässt sich der Körper austricksen. "Der Körper sagt dem Gehirn, dass er Süßes will, man gibt ihm aber etwas Fettiges, sodass das Bedürfnis gestillt ist, aber kein Zucker mehr verlangt wird". Käse enthält Fett und Eiweiß, aber keine Kohlenhydrate. Deshalb verweilt er länger im Magen und macht auf Dauer satt.

Genuss gehört zum Essen

Käse statt Schokolade oder einfach warten, das sind die Strategien, um dem süßen Nachtisch aus dem Weg zu gehen. Doch wollen wir das wirklich? Genuss gehört zum Essen dazu, meint Professor Ritter. "Essen hat auch eine psychologische Komponente. Wir könnten auch mit Infusionen überleben, aber mit Genuss hat das nichts zu tun." Dass wir Süßes mögen, ist eine Schutzfunktion der Natur aus der Zeit unserer Vorfahren. Was süß schmeckt, ist in der Regel nicht giftig und enthält Kohlenhydrate und damit Energie. Daher haben wir noch heute dieses besondere Verhältnis zu Zucker, erklärt Ritter. Mit Süßem können wir das Glücksgefühl, das wir durch Essen empfinden, noch steigern.

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Quelle: n-tv.de

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