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Dank der Jahresringe im Holz konnte der aus Eichenholz gebaute Brunnen auf die Jahre 5206 und 5098 v. Chr. datiert werden.
Dank der Jahresringe im Holz konnte der aus Eichenholz gebaute Brunnen auf die Jahre 5206 und 5098 v. Chr. datiert werden.(Foto: dpa)

Fundsache, Nr. 1170: Älteste Brunnen Europas

Über 7000 Jahre alte Holzbrunnen versetzen Wissenschaftler ins Staunen. Die ausgefeilte Technik, mit der die wohl ersten Zimmerleute Europas die Struktur erbauten, zeigt, dass die Vorfahren aus der Jungsteinzeit technisch weitaus fortgeschrittener waren als bisher angenommen.

Kastenförmige Schächte bis zu sieben Meter Tiefe: Die bei Leipzig entdeckten Brunnen begeistern die Wissenschaft.
Kastenförmige Schächte bis zu sieben Meter Tiefe: Die bei Leipzig entdeckten Brunnen begeistern die Wissenschaft.(Foto: dpa)

Deutsche Archäologen präsentieren die ältesten datierten Brunnen Europas. Frühe Siedler haben sie vor mehr als 7000 Jahren aus Eichenholz gebaut, um sich mit Wasser zu versorgen. Für die Experten sind die Funde in der Nähe von Leipzig eine Überraschung. Denn nun sei klar, dass Menschen schon lange vor der Erfindung der ersten Metallwerkzeuge aufwendige Holzbauwerke errichten konnten.

Die ersten Bauern seien wohl zugleich auch die ersten Zimmerleute in Europa gewesen, schreibt das Team um den Archäologen Willy Tegel von der Universität Freiburg im Fachjournal "PlOS ONE". Das lasse vermuten, dass der Lebensstandard damals insgesamt höher war als bislang gedacht.

Komplexe Eckverbindungen

Die vier Brunnen waren in den vergangenen Jahren im Großraum Leipzig freigelegt worden. Bis zu sieben Meter tief hatten die Menschen in der frühen Jungsteinzeit den Schacht mit Holz ausgekleidet, wie Tegel berichtete. Sie spalteten die Stämme und fügten die Bretter dann mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammen. "Diese ausgefeilte Technik war eine große Überraschung."

Nach Angaben der Forscher gehören die Brunnen zu den ältesten erhaltenen hölzernen Bauwerken weltweit. Sie seien sogar die ältesten exakt datierten Holzbauten überhaupt, erläuterte Tegels Freiburger Kollege Dietrich Hakelberg.

Dass die Kultur in Mitteleuropa vor gut 7000 Jahren eine Blütezeit erlebte, wussten die Archäologen. Die Jäger und Sammler wurden allmählich sesshaft, die ersten Dörfer entstanden. Doch fast nie ist von den Holzhäusern jener Zeit etwas erhalten geblieben. Deshalb konnten Experten bislang nur Mutmaßungen anstellen, wie das Leben ausgesehen haben könnte.

Vom Wasser eingeschlossen

Umso wichtiger sei der Fund der vier Holzbrunnen, betonte Tegel. Weil die Holzbretter dort unterhalb des Grundwasserspiegels und abgeschlossen vom Sauerstoff lagen, haben sie die Jahrtausende überstanden. Anhand der Jahresringe im Holz konnten die Wissenschaftler nun auf das Jahr genau bestimmen, wann die Bäume gefällt wurden: Zwischen 5206 und 5098 v. Chr.

Letztlich müsse nun das Bild, das die Wissenschaft von unseren Vorfahren zu jener Zeit hatte, überdacht werden, betonte Tegel. "In sämtlichen Rekonstruktionen wurden Gebäuden aus dieser Zeit und die Infrastruktur wahrscheinlich unterschätzt. Wenn die Menschen in der Lage waren, solche komplexen Holztechniken anzuwenden, muss man frühere Rekonstruktionen von Gebäuden überdenken", sagte der Archäologe.

Quelle: n-tv.de

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