Rettung für ParmalatBerlusconi springt ein
Der italienische Ministerpräsident Berlusconi will den von der Pleite bedrohten größten italienischen Lebensmittelkonzern retten. Parmalat räumt zuvor ein Vier-Milliarden-Euro-Loch in seiner Bilanz ein und löst damit an den Finanzmärkten einen Schock aus.
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will den von der Pleite bedrohten größten italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat retten. Parmalat hatte zuvor ein Vier-Milliarden-Euro-Loch in seiner Bilanz eingeräumt und damit an den Finanzmärkten einen Schock ausgelöst, das Unternehmen steuere womöglich in die Pleite.
Die Regierung werde Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen an den Finanzmärkten zu stärken und einen zweiten Fall Parmalat zu verhindern, sagte Berlusconi. Die Mailänder Staatsanwaltschaft leitete nach Angaben aus Justizkreisen am Samstag ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugverdachts gegen den Lebensmittelkonzern ein.
Die Kurse von Aktien und Anleihen des Unternehmens gerieten weiter unter Druck.
Obwohl Parmalat seine liquiden Mittel mit 4,2 Milliarden Euro angab, konnte der Konzern in der vergangenen Woche eine 150-Millionen-Euro-Anleihe nur mit der Hilfe von Gläubigerbanken und der italienischen Regierung zurückzahlen. Die nun vermissten vier Milliarden Euro würden auch den Bilanzskandal bei dem niederländischen Einzelhändler Ahold in den Schatten stellen, bei dem es um eine Milliarde Euro ging. Die jüngste Pressemitteilung des italienischen Konzerns habe wie eine Bombe eingeschlagen, schrieben Commerzbank-Analysten in einer Kundenmitteilung.
Im Zuge der Finanzkrise des Konzerns war in dieser Woche bereits Unternehmsgründer Calisto Tanzi zurückgetreten. Er hatte 1961 in der Nähe von Parma seine erste Fabrik zum Pasteurisieren von Milch eröffnet und darauf aufbauend ein Imperium mit fast 35.000 Angestellten in 30 Ländern geschaffen.
Durch eine Vielzahl von Akquisitionen haben sich hohe Schulden aufgebaut. In der Bilanz per 30. September waren Schulden von sechs Milliarden Euro aufgeführt, Analysten haben sich aber besorgt gezeigt, die tatsächlichen Schulden könnten höher sein.
"Bank of America hat die Echtheit eines auf den 6. März 2003 datierten Dokuments bestritten, das die Existenz von Wertpapieren und Liquidität von insgesamt rund 3950 Millionen Euro zum 31. Dezember 2002 bestätigte", teilte Parmalat mit. Das Dokument sei für die Prüfung der Bücher 2002 der Tochter Bonlat Financing Corporation benutzt worden. Bonlat und der ebenfalls auf den Kaimaninseln ansässige Investmentfonds Epicurum sind Gegenstand einer
Eilprüfung durch PriceWaterhouseCoopers, die dazu in dieser Woche engagiert wurden. Parmalat-Aktien und Anleihen waren in den vergangenen Wochen insbesondere durch Mitteilungen des Konzerns unter Druck geraten, er habe rund 500 Millionen Euro in den relativ unbekannten Epicurum-Fonds investiert und könne die Anlage nicht auflösen.
Parmalat-Aktien fielen zum Handelsschluss an der Mailänder Börse um 66 Prozent auf 0,30 Euro. Zum 23. Dezember sollen die Aktien zudem aus dem Leitindex Mib30 der Mailänder Börse herausfallen, teilte die Börse mit. Grund sei die durch den Kurseinbruch gesunkene Marktkapitalisierung.
Ein institutioneller Investor sagte, Parmalat-Anleihen würden zurzeit mit 25 Prozent des Nennwertes gehandelt. "Bei dem Preis zu verkaufen ist eine Katastrophe", sagte er.