Archiv

Studie: "Null Bock" im JobDeutsche sind gefrustet

19.01.2004, 12:54 Uhr

Die einen haben keinen Job, und die, die einen haben, sind nicht mit ihm zufrieden. So ließe sich das Ergebnis einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Gallup überspitzt zusammenfassen. Als Hauptschuldige werden die Manager ausgemacht. Sie seien unfähig, ihre Mitarbeiter zu motivieren. In den USA sind der Studie zufolge gleich doppelt so viele Arbeitnehmer mit ihrem Job zufrieden. Im Süden Deutschlands sind die Arbeitnehmer tendenziell motivierter. Der gesamtwirtschaftliche Schaden, der durch das fehlende Engagement entsteht, entspricht den Berechnungen zufolge dem Bundeshaushalt für 2004.

Die einen haben keinen Job, und die, die einen haben, sind nicht mit ihm zufrieden. So ließe sich das Ergebnis einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft von Gallup überspitzt zusammenfassen. Hauptschuldige sind die Manager, heißt es zur Begründung. Sie seien unfähig, ihre Mitarbeiter zu motivieren.

Danach sind lediglich zwölf Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland engagiert bei der Arbeit und zufrieden mit ihrem Job. Dagegen machen 70 Prozent der Deutschen nur "Dienst nach Vorschrift", 18 Prozent haben bereits innerlich gekündigt.

Durch das fehlende Engagement - etwa in Form hoher Fehlzeiten und niedriger Produktivität - entsteht Deutschland nach Berechnungen von Gallup ein jährlicher gesamtwirtschaftlicher Schaden von 247 bis 260 Mrd. Euro, was in etwa dem Bundeshaushalt für 2004 (257,3 Mrd Euro) entspricht, der Ende November vom Bundestag verabschiedet wurde.

Deutschland auf dem absteigenden Ast

Im Jahr 2002 hatte der Anteil der Engagierten noch bei 15 Prozent gelegen. "Der Abwärtstrend erklärt sich auch durch die allgemeine Wirtschaftslage", sagte der Geschäftsführer von Gallup Deutschland, Gerald Wood.

In den USA gaben 30 Prozent der Arbeitnehmer an, eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Job zu haben. In der Spitzengruppe folgen Kanada (24 Prozent), Israel (20), Australien (18) und Großbritannien (17). Hinter Deutschland rangieren Japan (9 Prozent), Frankreich (6) und Singapur (4).

Innerhalb Deutschlands seien Arbeitnehmer im Süden tendenziell motivierter als im Rest des Landes. In Bayern und Baden-Württemberg empfinden der Umfrage zufolge 14 Prozent der Mitarbeiter ihre Arbeit als befriedigend.

In der Mitte und im Norden Deutschlands liegt der Anteil bei 12 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern durchgängig bei 10 Prozent. "Führungskräfte im Süden sind möglicherweise geübter, ihre Mitarbeiter zu motivieren", sagte Wood.

Managerversagen

Insgesamt nennt Gallup schlechtes Management als wichtigsten Grund für den Frust vieler Mitarbeiter. "Der Dialog zwischen Unternehmensführung und Arbeitskräften ist in Deutschland schlechter als etwa in den USA", sagte Wood. Langwierige Einstellungsverfahren und zu wenig Beförderungen seien weitere Ursachen für mangelnde Motivation.

In Deutschland befragte Gallup im Juni und Juli 2003 insgesamt 2001 mindestens 18 Jahre alte Frauen und Männer. Gallup mit Hauptsitz in Washington hat weltweit 56 Niederlassungen.