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Dienstag, 15. März 2011

Skandalkonzern: Affären prägen Tepco

von Jan Gänger

Der Betreiber des japanischen Atomkraftwerks Tokyo Electric Power ist ein Symbol des japanischen Aufstiegs nach dem zweiten Weltkrieg. Der Konzern blickt aber auch auf zahlreiche Affären und Störfälle zurück.

(Foto: REUTERS)

Die Tokyo Electric Power Corporation (Tepco) ist der größte Energiekonzern Japans. Er betreibt drei Kernkraftwerkkomplexe mit 17 Reaktoren, wurde 1951 gegründet und ist ein Symbol des japanischen Wirtschaftsaufschwungs nach dem zweiten Weltkrieg. Denn Tepco sorgte für die nötige Energie. Zunächst mit Kohle und Öl, dann mit Atomkraft. 1971 ging der erste Reaktor ans Netz: Fukushima 1. Das ist der Reaktor, der beim Beben am schwersten beschädigt wurde.

Tepco ist in der Vergangenheit häufig durch diverse Affären aufgefallen. So mussten im Jahre 2002 der Konzernchef und vier weitere hochrangige Manager ihren Hut nehmen, weil das Management seit Mitte der 70er Jahre immer wieder Wartungsdokumente gefälscht und Schäden an den Meilern verschwiegen hatte.

Der Skandal erschütterte das Vertrauen Japans in die Atomenergie, allerdings nicht nachhaltig. Alle 17 Tepco-Heißwasserreaktoren wurden zwar heruntergefahren, doch sie gingen 2005 wieder ans Netz.

Zahlreiche Störfälle

Immer wieder kam es zu Pannen. So trat 2006 in Fukushima radioaktiver Dampf aus einem Rohr aus, 2002 wurden Risse in Wasserrohren entdeckt. Im Jahr 2000 musste ein Reaktor wegen eines Lochs in einem Brennstab abgeschaltet werden.

2007 wurde ein weiterer Störfall öffentlich. Wegen eines Bebens brach im Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa ein Brand aus. Zunächst beteuerte Tepco, alles sei in Ordnung. Doch dann musste das Unternehmen einräumen, dass radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gelangt war. Es war offenbar aus einem Tank für verbrauchte Brennstäbe ausgetreten.

Die Erschütterungen in der Anlage waren erheblich stärker als beim Bau des Kraftwerks einkalkuliert worden war. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass ein so starkes Beben auftreten könnte", hieß es bei Tepco.

Damit nicht genug: Eine interne Untersuchung entdeckte, dass wesentlich mehr Störfälle nicht gemeldet worden waren als 2002 angegeben. Darunter fand sich ein als "kritisch" eingestufter Fall im Jahre 1978. Außerdem brachte die Untersuchung weitere gefälschte Prüfberichte ans Licht.

Mit der Untersuchung wollte die Tepco-Führung das Vertrauen in den Konzern wiederherstellen. Doch dieser Versuch scheiterte. Vor dem Hintergrund weiterer Affären und Skandale in anderen japanischen Energiekonzernen nahm die öffentliche Kritik an den Atomkraftwerkbetreibern in Japan zu. Der Tepco-Chef trat zurück. Ihm folgte Masataka Shimizu, der derzeit den Skandal-Konzern führt.

Die Reihe von Problemen mit Tepco-Meilern ging weiter. So brach in dem abgeschalteten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa acht Mal Feuer aus. Dennoch wurden Teile der Anlage seit 2009 nach und nach wieder in Betrieb genommen.

Störfälle, Vertuschungen, Skandale und Affären hat Tepco bislang überstanden. Doch die drohende Nuklearkatastrophe bringt selbst diesen Konzern ins Wanken. Auf der Firmen-Website spricht Konzernchef Shimizu zwar noch immer von der Vision Tepcos, zu Wohlstand und angenehmer Zukunft einen Beitrag zu leisten. Das ist allerdings gründlich misslungen.

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Quelle: n-tv.de