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Sinnloser Kampf gegen die Katastrophe in Fukushima: "Viele der 50 Arbeiter werden sterben"

Was im Inneren der Blöcke gerade passiert? Niemand weiß es. In den Kampf gegen die nukleare Katastrophe wurden 50 Männer geschickt. "Sinnlos", meint der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz. Und Strahlenbiologe Lengfelder sagt: Viele Arbeiter werden nicht überleben.

Fukushima liegt weitgehend in Trümmern. Wasserstoffexplosionen haben die Hüllen der einzelnen Blöcke des Atomkraftwerks weggefetzt. Die wenigen Bilder, die es noch von der Anlage gibt, zeigen kreuz und quer liegende Reste einer ehemaligen Hightech-Anlage, weißer Rauch, von dem niemand weiß, wo er genau herkommt und wie gefährlich er ist, steigt gleich an mehreren Stellen auf. Die Kontrollräume der Atomanlage, wenn sie denn überhaupt noch existieren, dürfen nicht mehr betreten werden - zu groß ist die Strahlenbelastung.

Fukushima am 15.03.2011.
Fukushima am 15.03.2011.(Foto: AP)

Aber immer noch versuchen rund 50 Techniker und Helfer, die Katastrophe zu bekämpfen. Sie sind weiter auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima tätig. Ihre Aufgabe: Brände löschen und ein weiteres Freisetzen von Radioaktivität in den Blöcken 1 bis 4 verhindern. Ein sinnloses Unterfangen, meint Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz. Sein Urteil ist eindeutig: Die Reaktoranlage Fukushima sollte aufgegeben werden.

Die Betreiberfirma hat das Kontrollzentrum in Fukushima aufgegeben. Offenbar war die Verstrahlung zu groß. Hilfe kann nur noch von außen kommen.
Die Betreiberfirma hat das Kontrollzentrum in Fukushima aufgegeben. Offenbar war die Verstrahlung zu groß. Hilfe kann nur noch von außen kommen.(Foto: AP)

"Die Anlage ist Schrott - ob die da noch Leute verheizen oder nicht. Und irgendwann wird sie auch die Phantasie verlassen, was man da noch machen kann", sagte Pflugbeil gegenüber n-tv.de. Der Physiker plädiert für ein Abziehen aller Arbeiter. Die Menschen, die vor Ort versuchen, das Schlimmste zu verhindern, seien "arme Schweine". Mit Sicherheit hätten sie jetzt schon erhebliche gesundheitliche Schäden, da sie der Strahlung quasi ungeschützt ausgeliefert seien, denn "Schutzanzüge helfen nicht gegen radioaktive Strahlung".

Wie im Krieg

Noch dramatischer beurteilt der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder die Situation. Er glaubt, dass die Strahlenbelastung für die Menschen am Atommeiler so hoch ist, dass viele von ihnen sterben werden. "Die Höhe der Strahlungsdosis, wie sie mit 400 Millisievert pro Stunde angegeben wurde, bedeutet, dass eine Person am Reaktor, sei es ein Feuerwehrmann, Bedienungspersonal oder Katastrophenhelfer, innerhalb von zwölf Stunden eine Dosis bekommt, wo 50 Prozent der so Belasteten innerhalb der nächsten Wochen sterben werden", sagte der Vorstand des Otto Hug Strahleninstituts in München.

Die Bedienungsmannschaften in Fukushima würden offenbar "geopfert", um einen unkontrollierten Austritt von Radioaktivität zu verhindern, solange es geht. Lengfelder verglich die Situation mit einem Kriegszustand, "wo auch Soldaten sterben, um ein höheres Ziel zu verteidigen".  

Blick ins Innere des Kühlbeckens am Reaktor 4 des AKW Fukushima (Archivaufnahme von 2004).
Blick ins Innere des Kühlbeckens am Reaktor 4 des AKW Fukushima (Archivaufnahme von 2004).(Foto: AP)

Lengfelder glaubt, dass die Sperrzone um Fukushima ausgeweitet werden muss. Auch für Tokio bestehe eine erhebliche Gefahr. Drehe der Wind, sei die Entfernung von 200 Kilometern von Fukushima bis zur 35-Millionen-Metropole für Staubpartikel kein Problem. "Dann steht Tokio in dieser Strahlenwolke." Auch Pflugbeil warnte davor, dass die Auswirkungen der Atomkatastrophe im schlimmsten Fall deutlich größer seien könnten als in Tschernobyl. Die Emissionen in Japan würden sich nicht über die ganze Nordhalbkugel verteilen, sondern "flacher" bleiben – das könnte verheerende Auswirkungen für Japan haben. Die Emissionen würden also "im Wesentlichen auf Japan beschränkt herunterkommen". Mit katastrophalen Folgen: Dort sei die Bevölkerungsdichte um ein Vielfaches höher als in der dünn besiedelten Region um Tschernobyl.

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Quelle: n-tv.de