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Mediziner überprüfen Einwohner des Dorfes Otama, das in der Nähe des AKW Fukusdhima 1 liegt, auf erhöhte Strahlenwerte.
Mediziner überprüfen Einwohner des Dorfes Otama, das in der Nähe des AKW Fukusdhima 1 liegt, auf erhöhte Strahlenwerte.(Foto: dpa)

Tschernobyl 7, Harrisburg 5: Was bedeutet Fukushima 4?

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat den Vorfall in dem japanischen Reaktor Fukushima mit "4" auf ihrer INES-Skala bewertet. Das liegt derzeit deutlich unter dem Tschernobyl-Unglück (7) und auch noch unter dem Zwischenfall von 1979 in Harrisburg (5) in den USA.

Die Strahlendosis am japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 hat den zulässigen Grenzwert überschritten. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA stufte den Vorfall auf die Stufe 4 der siebenstufigen INES-Skala für die Beschreibung der Tragweite von Atomzwischenfällen ein. INES steht für International Nuclear Event Scale.

Nach der Definition ist das ein "Atomunfall mit lokalen Konsequenzen". Das heißt nach der IAEA-Beschreibung beispielsweise, dass geringfügig Radioaktivität an die Umwelt abgegeben wurde, was zur lokalen Kontrolle von Lebensmitteln führen könnte. Auch eine Kernschmelze oder mindestens ein Strahlentoter könnten zu der Einstufung eines Unfalls in INES-4 führen. Ebenfalls möglich ist die Freisetzung von beträchtlichen Mengen radioaktiven Materials innerhalb einer Anlage, was mit großer Wahrscheinlichkeit weiter in die Umwelt dringen könnte.

Der Atomunfall von Tschernobyl 1986 rangiert bisher als größte Nuklearkatastrophe auf der INES-Stufe 7. Der atomare Zwischenfall von 1979 im AKW Three Mile Island bei Harrisburg in den USA wurde unter Stufe 5 eingeordnet.

Stufen der Skala

Sie reichen von 0 bis 7 und wurden Anfang der 90er Jahre erstmals angewendet. Sie sollen der Öffentlichkeit eine Orientierung zur Bedeutung eines Zwischenfalls geben. Man kann sie analog zur Richter-Skala bei Erdbeben verstehen.

Aspekte

Bei der Einstufung werden drei Aspekte berücksichtigt: Radiologische Auswirkungen außerhalb der Anlage, innerhalb der Anlage und Beeinträchtigungen der Sicherheitsvorkehrungen.

Die erste Einstufung auf der Skala nimmt der Anlagenbetreiber vor, diese wird dann von einem IAEA-Beamten überprüft.

INES 0

Vorfälle an deutschen AKW hatten in den vergangenen Jahren immer die Stufe 0. Das galt etwa auch für den Brand eines Trafo des AKW Krümmel, bei dem Rauch in die Schaltwarte geriet. INES 0 bedeutet: "Keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung". In diese Kategorie fällt etwa auch ein Loch im Kühlsystem.

Störung, Unfall, Katastrophe

Als Störung wertet die Skala INES 1, als Störfall "2" und "3". Zwischen "4" und "6" wird von einem Unfall gesprochen. Bei "4", der Einstufung von Fukushima, ist die Rede von geringen Freisetzungen von Strahlung, aber auch von tödlichen Strahlen für das Reaktorpersonal. Bei "6" ist der volle Einsatz des Katastrophenschutzes erforderlich.

INES 7

Dies gilt als "Katastrophaler Unfall" und wurde bislang nur bei Tschernobyl verhängt.

Kritik

Kritisiert wird an der Skala gerade von Atomkraftgegnern, dass Zwischenfälle erst spät überhaupt auf der Skala über "0" auftauchen.

Quelle: n-tv.de