Von Brunsbüttel bis Tschernobyl: Störfälle und der GAU
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Der jüngste Störfall in Südfrankreich macht es deutlich:Bild 1 von 55 Trotz aller Beteuerungen von Befürwortern ist die Kernenergie nicht zu 100 Prozent sicher.Bild 2 von 55 Aus der Atomanlage Tricastin treten am 7. Juli 2008 ...Bild 3 von 55 ... tausende Liter radioaktives, mit Uran verseuchtes Wasser aus.Bild 4 von 55 Erst mit einiger Verspätung meldet die Betreiberfirma Socatri, eine Tochter des marktführenden Nuklearkonzerns Areva, den Vorfall.Bild 5 von 55 Das Baden und Fischen wird in den Flüssen verboten, Trinkwasser nicht mehr aus den Gewässern der Region entnommen.Bild 6 von 55 Dennoch erklärt die Kommunalverwaltung das Risiko für die Bevölkerung für gering.Bild 7 von 55 Forscher und Umweltverbände schätzen dies anders ein. Sie befürchten ein erhöhtes Krebsrisiko für die Bevölkerung. Karsten Smid von der Umweltschutzorganisation Greenpeace nennt den Störfall "in hohem Maße bedenklich".Bild 8 von 55 "Es besteht vor allen Dingen die Gefahr, dass die Krebsanfälligkeit der Bevölkerung deutlich steigen wird", sagte Smid bei n-tv.Bild 9 von 55 Der Vorfall in Tricastin ist nur einer von zahlreichen Störfällen weltweit.Bild 10 von 55 Als Störfall gilt dabei ein Ereignis, das die Abschaltung einer Nuklearanlage aus sicherheitstechnischen Gründen erforderlich macht.Bild 11 von 55 Gemäß internationaler Vereinbarung werden Störfälle in verschiedene Stufen unterteilt.Bild 12 von 55 Ein ernster Störfall oder "Beinahe-Unfall" wird gemeldet, wenn beispielsweise Auswirkungen außerhalb einer Nuklearanlage gemessen werden wie 2005 im englischen Sellafield, ...Bild 13 von 55 ... wo damals etwa 83.000 Liter einer radioaktiven, uranhaltigen Flüssigkeit durch ein Leck austraten.Bild 14 von 55 Während man als Störfälle Probleme bezeichnet, die sich wieder unter Kontrolle bringen lassen, sieht das bei einem Unfall oder gar einem so genannten GAU anders aus.Bild 15 von 55 Ein GAU, ein "größter anzunehmender Unfall", ereignete sich am 26. April 1986 in Tschernobyl.Bild 16 von 55 Damals zerstörte eine schwere Explosion den Reaktorblock IV des ukrainischen Kernkraftwerks und erschütterte nachhaltig ...Bild 17 von 55 ... den Glauben in die Sicherheit der Nutzung von Kernenergie.Bild 18 von 55 Ausgelöst wurde der Super-GAU durch eine Verkettung von Umständen: Eine Systemschwäche traf auf menschliche Unwissenheit und Ignoranz.Bild 19 von 55 Die sowjetischen Behörden schickten Tausende schlecht ausgerüsteter Männer zu Bergungs- und Aufräumarbeiten in die radioaktiven Trümmer des Reaktors. Sie arbeiteten dort, wo Maschinen aufgrund der hohen Strahlenbelastung versagten.Bild 20 von 55 Die so genannten Liquidatoren, von denen viele später an Krebs erkrankten und starben, warfen rund 5000 Tonnen Sand, Lehm, Blei und Bor auf die strahlende Reaktoranlage.Bild 21 von 55 Erst zehn Tage nach dem Unfall war die Freisetzung von Kernbrennstoffen und Spaltprodukten gestoppt. Einige Monate später begann man, die Ruine des Reaktorblocks einzubetonieren.Bild 22 von 55 Im November 1986 war der "Sarkophag" fertiggestellt. Aber die Entsorgung radioaktiver Abfälle aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl ist noch nicht abgeschlossen.Bild 23 von 55 Jahrzehnte nach dem Unfall arbeiten noch immer Menschen auf dem Gelände und entfernen unter anderem die rund 2800 nuklearen Brennstäbe aus den stillgelegten Reaktoren.Bild 24 von 55 Mittlerweile ist der Betonmantel um den Reaktorblock rissig, undicht und akut einsturzgefährdet.Bild 25 von 55 Die Gegend um Tschernobyl gleicht seit der Katastrophe einer Geisterlandschaft. Nur noch wenige Menschen leben hier, viele von ihnen an Krebs erkrankt.Bild 26 von 55 Tschernobyl ist zum Symbol für die Gefährdung durch Atomkraft geworden. Doch ist es in vielen Atomkraftwerken, auch in technisch weiterentwickelten des Westens, in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Störfällen und Beinahe-Unfällen gekommen.Bild 27 von 55 Am 10. Oktober 1957 wird im britischen Atomreaktor in Windscale - seit 1983 Sellafield genannt - nach einem Brand eine radioaktive Wolke freigesetzt, die sich über Europa verteilt.Bild 28 von 55 Im Juli 1973 kommt es in Windscale zu einer schweren Explosion, bei der ein großer Teil der Anlage verseucht wird.Bild 29 von 55 28. März 1979: Maschinen- und Bedienungsfehler führen im US-Kernkraftwerk Three Miles Island bei Harrisburg zum Ausfall der Reaktorkühlung, ...Bild 30 von 55 ... die eine partielle Kernschmelze und die Freisetzung von radioaktiven Gasen zur Folge hat.Bild 31 von 55 3. April 1991: Arbeiter entdecken am Druckwasserreaktor von Shearon Harris in New Hill im US-amerikanischen North Carolina beschädigte Rohrleitungen. Im Unglücksfall hätte das Wasser nicht den Reaktorkern gekühlt, sondern wäre ausgelaufen. Noch harmlos.Bild 32 von 55 30. September 1999: In einem Brennelementewerk in der japanischen Stadt Tokaimura setzt nach einer unvorschriftsmäßigen Befüllung eines Vorbereitungstanks eine unkontrollierte Kettenreaktion ein. Starke radioaktive Strahlung tritt aus.Bild 33 von 55 27. Dezember 1999: An der Westküste Frankreichs wird das AKW Blayais bei heftigen Stürmen überschwemmt. Sicherheitssysteme, Notpumpen und Elektronik stehen unter Wasser. Jahre zuvor war das Kraftwerk bereits Schauplatz eines Sabotageaktes gewesen.Bild 34 von 55 12. Mai 1998: In Frankreich platzt ein Rohr im Druckwasserreaktor Civaux-1. Der Reaktorkern muss ununterbrochen gekühlt werden, doch stündlich strömen 30.000 Liter Kühlwasser aus dem Leck. Nach neun Stunden kann die Lage stabilisiert werden.Bild 35 von 55 9. Oktober 2000: Das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin geht ans Netz. Bis Anfang August 2006 werden von der Anlage regelmäßig Störfälle gemeldet.Bild 36 von 55 12. August 2001: Im AKW Philippsburg bei Karlsruhe werden erhebliche Abweichungen und Verletzungen von Vorschriften beim Wiederanfahren der nuklearen Reaktion festgestellt.Bild 37 von 55 Dezember 2001: Eine Wasserstoffexplosion verursacht im Atomkraftwerk Brunsbüttel einen Störfall. Der Reaktor wird erst auf Drängen der Kontrollbehörden im Februar 2002 zur Inspektion vom Netz genommen.Bild 38 von 55 2003: Das ganze Jahr über werden die Brennelemente des AKW Paks in Ungarn aufgrund eines fehlerhaft ausgelegten Reinigungssystems unzureichend gekühlt. Es kommt zu einem Unfall, Brennstäbe werden beschädigt, radioaktives Gas tritt aus.Bild 39 von 55 6. März 2006: Borsäure, ein Kühlmittel, frisst sich durch eine 15 cm dicke Kohlenstoffwand. Das Loch wird glücklicherweise gerade noch rechtzeitig entdeckt. Die Aufsichtsbehörde NRC schätzt das Kernschmelzrisiko verhältnismäßig hoch ein.Bild 40 von 55 25. Juli 2006: Im Vattenfall-Reaktor im schwedischen Forsmark springen nach einem Stromausfall die Notaggregate zur Reaktorkühlung nicht an, im Kontrollraum fallen die Computer aus. Die schwedische und finnische Strahlenschutzbehörden nehmen den Vorfall sehr ernst.Bild 41 von 55 In Februar 2007 wird bekannt, dass der 27 Jahre alte Siedewasserreaktor 150 Kilometer nördlich von Stockholm wegen Schlampereien sieben Monate mit einer defekten Gummidichtung gelaufen war. Der Reaktor wurde inzwischen stillgelegt.Bild 42 von 55 Die Kontrolle von 25 Forsmark-Mitarbeitern ergab drei positive Alkoholproben. Materialverschleiß und menschliches Versagen sind die häufigsten Ursachen für Störfälle in Atomkraftwerken.Bild 43 von 55 Im Juni 2007 werden die schleswig-Holsteinischen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel nach Zwischenfällen per Schnellabschaltung vom Netz genommen.Bild 44 von 55 In den folgenden Wochen gibt es immer wieder Pannen. Der Betreiber Vattenfall entlässt später den Geschäftsführer seiner Atomsparte, Bruno Thomauske.Bild 45 von 55 Allein 2007 wurden laut Bundesamt für Strahlenschutz aus deutschen Atomkraftwerken 118 meldepflichtige Ereignisse bekannt.Bild 46 von 55 Im Falle eines Unfalls müssen Betreiber von deutschen Atomkraftwerken für nicht einmal ein Prozent der real möglichen Kosten Haftpflichtversicherungen nachweisen. Das Risiko trägt die Allgemeinheit.Bild 47 von 55 In Deutschland sind gemäß dem Atomgesetz im Unglücksfall nur Schäden bis zur Höhe von 2,5 Milliarden Euro abgedeckt. Gesundheits-, Sach- und Vermögensschäden können diese Summe leicht überschreiten.Bild 48 von 55 Abgesehen von den unkalkulierbaren Risiken durch Störfälle oder Unfälle gibt es noch ein bislang weltweit ungelöstes Problem der Kernenergie:Bild 49 von 55 Den Atommüll, der uns um Generationen überdauern wird. Für die Lagerung ausgedienter radioaktiver Materialien und Elemente wurde bislang keine endgültig sichere Lösung gefunden.Bild 50 von 55 "Radioaktiver Abfall von Atomkraftwerken ist noch Millionen Jahre strahlungsaktiv", heißt es entsprechend auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums.Bild 51 von 55 "Die Bundesregierung hat deshalb den vollständigen Ausstieg aus der Atomstromproduktion beschlossen."Bild 52 von 55 Weltweit stößt dies allerdings auf Unverständnis.Bild 53 von 55 Im Kampf gegen den Klimawandel haben die führenden Industriestaaten (G8) gerade erst in Japan verkündet, weiterhin auf die Kernenergie zu setzen.Bild 54 von 55 Auch der jüngste Störfall in Südfrankreich ließ daran keine Zweifel aufkommen.Bild 55 von 55
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