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"The Clash" 1981: Paul Simenon, Mick Jones, Joe Strummer, Topper Heyton (v.l.)
"The Clash" 1981: Paul Simenon, Mick Jones, Joe Strummer, Topper Heyton (v.l.)(Foto: AP)

The Clash: Aufstieg und Fall einer Punklegende

Von Matthias Bossaller

The Clash gehören zu den wichtigsten Vertretern des Punk. Ihrem rasanten Aufstieg folgte jedoch der schleichende Absturz. Die Doku "The Rise And Fall Of The Clash" betreibt Ursachenforschung anhand von Band-Mitgliedern und Zeitzeugen.

Die Vorgeschichte beginnt am 30. August 1976 im Londoner Stadtteil Notting Hill. Noch ahnt niemand, dass dieser geschichtsträchtige Tag den Werdegang einer der einflussreichsten Punkbands maßgeblich beeinflussen wird. Der von der afroamerikanischen Gemeinde der Stadt organisierte Straßenkarneval gilt seit Jahren als ein Zeichen gegen den alltäglichen Rassismus in Englands Hauptstadt. Dieses Mal kommt es nach der Festnahme eines dunkelhäutigen Jugendlichen zu schweren Ausschreitungen. Die Menschen schleudern Flaschen und Steine auf Polizisten, die ihrerseits mit Knüppeln in die Menge schlagen. Die als Notting Hill Riots in die britische Historie eingehenden Ausschreitungen dauern 48 Stunden lang an. Die Mitglieder der noch jungen Band The Clash, Joe Strummer und Paul Simonon, erleben die Krawalle hautnah mit. Danach ist für sie nichts mehr wie zuvor.

Sänger Strummer schreibt daraufhin den Song "White Riot", in dem er staatliche Willkür anprangert und den Aufruhr propagiert. Der Song und die gleichnamige Tour werden zum Ausgangspunkt eines großen Triumphzuges der Band. Doch The Clash werden von der kalten Wucht des Erfolgs hart getroffen. Wie so vielen anderen Bands vor und nach ihnen gelingt es den vier Briten nicht, diesen zu verkraften. Von der dynamischen Entwicklung der Gruppe hin zum Untergang erzählt die vor Kurzem veröffentlichte DVD "The Rise And Fall Of The Clash". Regisseur Danny Garcia macht sich auf die Spurensuche und lässt Mitglieder und frühere Weggefährten schildern, wie es aus ihrer Sicht zum rasanten Aufstieg und jähen Absturz der Band kommen konnte.

"Rastlose Version der Beatles"

Pearl Harbor, die Sängerin der gleichnamigen früheren New Wave Band, bezeichnet The Clash gleich zu Beginn der Dokumentation als "eine attraktive, rastlose Version der Beatles". Mit ihrem aggressivem Rock und kämpferischen Polit-Texten gehören The Clash schnell zur ersten Garde der neu entfachten jugendlichen Punk-Rebellion. Sie sind neben den nihilistisch-rüden Sex Pistols ideologische Wortführer der Punk-Revolte. Anders als die Pistols, die mit ihren pessimistischen Songs zur punktypischen "No Future"-Einstellung beitragen, rufen The Clash dazu auf, mit Kreativität gegen Faschismus, Gewalt und Rassismus anzukämpfen.

Vom Punk, der sie populär gemacht hat, verabschieden sich The Clash aber schon 1978. Sänger Joe Strummer, ein Diplomatensohn, ehemaliger Kunststudent und Bohemien, zeigt sich unzufrieden mit der Entwicklung der Punkbewegung: "Wir waren Teil einer Szene, aber die ist verschwunden. Sie war derart intensiv, dass sie sich so nicht halten konnte. Viele Leute ohne wirkliche Ideen hatten versucht, auf den Zug aufzuspringen."

So wie die Punk-Szene mit ihrer eigenen rasanten Entwicklung nicht Schritt halten kann, zeigt sich auch die Band von den schnell eintretenden Begleitumständen des Erfolges überfordert. Zu Beginn ihrer Karriere sind Strummer, Simonon, Topper Headon und Mick Jones noch hungrig, wild und zielstrebig. Noch liefert das Quartett, auf dessen Konto Hits wie "London Calling" oder "Sould I Stay Or Should I Go" gehen, reichlich Stoff zur Legendenbildung. So ist New York etwa im Mai und Juni 1981 der Schauplatz eines beeindruckenden Triumphzuges der Band:17 Abende nacheinander spielen The Clash vor ausverkauftem Haus im legendären Bonds International Casino am Times Square. Damals promoten sie gerade ihr Album "Sandinista!".

Erster Einschnitt: Headons Heroinsucht

Mit den Jahren entwickelt sich das Zusammensein aber immer schwieriger. Der erste große und bedeutende Einschnitt: Im Jahr 1982 muss Schlagzeuger Headon wegen seiner Heroinsucht die Band verlassen. Zu diesem Zeitpunkt vergiften bereits Eifersüchteleien und der fehlende Konsens über die musikalische Ausrichtung der Band das Binnenklima. Nur ein Jahr später folgt der zweite schwerwiegende Verlust, von dem sich The Clash nie wieder erholen. Nach Headon wird auch Gitarrist Jones gefeuert.

Gerade das schwierige Verhältnis zwischen Strummer und Jones nimmt einen großen Teil in dem Dokumentarfilm ein. Der zunehmende Erfolg der Band entzweit die beiden Alphatiere immer mehr. Der aus der Arbeiterklasse stammende Jones lebt das Leben eines Popstars mit einem Fotomodel als Freundin. Dem Diplomatenkind Strummer hingegen sind Geld und Rock'n'Roll-Status nicht so wichtig, er möchte vielmehr, auch von Fans, Presse und Plattenfirma getrieben, das Erreichte bestätigten. "Mick genoss den Erfolg, Joe spürte nur den Druck", berichtet ein Wegbegleiter im Film. Hinzu kommt, dass Jones mit dem autoritär auftretenden Manager Bernie Rhodes überhaupt nicht klarkommt.

Manager Rhodes, das "Arschloch"

Dagegen ist Strummer, so die Wahrnehmung der Zeitzeugen, dem gestrengen Rhodes treu ergeben. Die Interviewten zeichnen von Rhodes das Bild eines schwierigen, im sozialen Miteinander ungeschickten Menschen, der mit seinem Verhalten die Atmosphäre verpestet. Der langjährige Band-Bodyguard Ray Jordan bezeichnet ihn einfach als "Arschloch". Rhodes wird in der Doku als treibende Kraft des Zerfalls und der Selbstzerfleischung der Bandmitglieder dargestellt. Die von ihm vorangepeitschte kommerzielle Ausrichtung der Band endet in der Sackgasse.

Für den geschassten Jones holt der Manager gleich zwei neue, von den Fans nie wirklich akzeptierte Gitarristen in die Band. 1985 kommt es dann zu dem, nun ja, ziemlich durchwachsenen Album "Cut The Crap" ("Lass den Scheiß"). Das Urteil einer der im Film auftretenden Personen: "Der Name sagt eigentlich schon alles".

Regisseur Garcia lässt viele Freunde, Weggefährten und frühere Bandmitglieder zu Wort kommen, fügt jede Menge Archivbilder hinzu und unterlegt diese mit Hintergrundmusik. Allerdings montiert er alles so zusammen, dass ein roter Faden oder ein übergeordneter Handlungsstrang kaum zu erkennen ist. Bisweilen plätschert die Erzählung nur so dahin. Mehr auflockernde Konzertmitschnitte hätten dem Film in diesem Momenten gut getan. Seinen Hauptauftrag erfüllt der Streifen indes allemal: Er erklärt anschaulich "The Rise And Fall Of The Clash".

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Quelle: n-tv.de