Die Gecko-Brüder sind zurück"From Dusk Till Dawn": Blut wird fließen

Muss man aus einem Filmklassiker eine Serie machen? Man muss, wenn es um Kult-Horroraction á la "From Dusk Till Dawn" geht - und wenn Robert Rodriguez die Fäden zieht. Coole Sprüche, noch coolere Darsteller und jede Menge Blut sind dann garantiert, Folge für Folge.
Es gibt Filme, an die sich noch Generationen erinnern, nur weil ein Satz hängengeblieben ist. Bei "Hasta la vista, baby" denken alle an Arnold Schwarzenegger und "Terminator 2". Bei "Yippie-ya-yeah, Schweinebacke" hat man sofort Bruce Willis und "Stirb langsam" im Kopf. Und bei "Everybody be cool! You - be cool!" - genau, George Clooney in "From Dusk Till Dawn". So etwas bleibt halt hängen, auch wenn Robert Rodriguez' blutiges Meisterwerk im kommenden Jahr sein 20-Jähriges feiert. Aber deswegen aus dem Filmklassiker eine Serie machen?
Der Plot des Films lässt sich grob so zusammenfassen: Zwei Kriminelle sind auf der Flucht nach einem erfolgreichen Bankraub. Eine weibliche Geisel im Kofferraum, jede Menge Leichen am Wegesrand. Ihr Ziel heißt Mexiko. Dort heißt es dann erst einmal feiern in der einzigen Bar weit und breit, dem berüchtigten Titty Twister - mit der weiblichen Attraktion Santanico Pandemonium. Die Königin der Nacht entpuppt sich als Vampirclanchefin.
Blut fließt, Holzpflöcke werden geschwungen, Minimaschinengewehre schnellen aus Hosenschlitzen - und am Ende sind fast alle tot. Der Kamerablick aus der Luft offenbart, dass die Bar auf einer uralten Pyramide erbaut wurde. Ende. Aus.
Ein Cast zum Zungeschnalzen
Dazu die passenden Darsteller: George Clooney mimt als Seth Gecko die Inkarnation des coolen tätowierten Bösewichts, der seine Knarre immer irgendwie schräg zu halten scheint und dessen einziges nicht lösbares Problem in seinem durchgeknallten Bruder Richie besteht. Der, von Quentin Tarantino höchstpersönlich gespielt, hört Stimmen. Ausnahmslos von Frauen. Und das endet dann meist blutig, manchmal auch abartig.
Ihnen als Gegenspieler stellt Rodriguez Harvey Keitel dazu, der den vom Glauben abgefallenen Priester Jacob Fuller spielt und der mit seinen beiden Kindern Kate (grandios: Juliette Lewis) und Scott nach dem Tod seiner Frau einen Neuanfang in Mexiko starten will. Dazu gibt es noch die wunderschöne Latina Salma Hayek als Santanico Pandemonium, Cheech Marin in gleich mehreren Rollen, Tom Savini als Sex Machine und Fred Williamson als Frost. Und nicht zu vergessen: die Band Tito & Tarantula mit ihrem unverwechselbaren Sound.
Blut wird fließen
Wie will man daraus eine Serie machen, ohne dass diese lächerlich wirkt? Rodriguez hat es so gemacht, wie man ihn kennt: blutig, wieder coole Darsteller, wieder heiße Frauen, wieder coole Sprüche satt. Neu ist diesmal aber: Es gibt vielmehr Geschichte, viel mehr Hintergrund, viel mehr von allem eigentlich.
Wie lief der Bankraub über die Bühne? Wieso hält Seth blind zu seinem verrückt scheinenden Bruder Richie? Was ist aus dem überlebenden Texas Ranger geworden? Wieso ist der Priester vom Glauben abgefallen? Und und und … Viele Fragen, auf denen Rodriguez in zwölf Folgen Antworten liefert. Passende, überraschende, nachvollziehbare, verwunderliche. Alles ist am Start - und ein jahrtausendealter Blutkult steht dabei im Mittelpunkt. Es geht um Erweckung, Liebe und das große Ganze.
Um es kurz zu machen: Es wurde Zeit, dass aus dem Film-Klassiker "From Dusk Till Dawn" eine TV-Serie geworden ist. Auch sie hat das Zeug zum Klassiker - dank Regiewunder Rodriguez, seiner Liebe zu durchgeknallten Stories und seinem unglaublichen Händchen für den Cast. Der überzeugt in der Serie ebenso wie einst Clooney, Tarantino, Keitel und Lewis. Die Namen Don Johnson (Sheriff Earl McGraw) und Robert Patrick (Jacob) kennt man schon, D.J. Cotrona (Seth), David Holtz (Richie), Jesse Garcia (Ranger Gonzalez) und Eiza Gonzalez (Santanico Pandemonium) sollte man sich merken. Aber dabei nie vergessen: "Everybody be cool! You - be cool!"