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Emma Watson und Ethan Hawke: Die Chemie stimmt zwischen den beiden Hauptdarstellern von "Regression".
Emma Watson und Ethan Hawke: Die Chemie stimmt zwischen den beiden Hauptdarstellern von "Regression".(Foto: Tobis)

Nach einer wahren Begebenheit: "Regression": Das Böse hat viele Gesichter

Von Thomas Badtke

Teufelsanbetungen, Vergewaltigungen, Ritualmorde: In den 1990ern grassiert in den USA eine Satanisten-Panik. Als in einer Kleinstadt eine 17-Jährige ihren Vater des Missbrauchs beschuldigt, ahnt die Polizei nicht, wie diabolisch der Fall werden wird.

Angela ist 17 Jahre alt. Sie wohnt in einer Kleinstadt in Minnesota, in der jeder jeden kennt. Ihre Mutter ist tot. Ihr Bruder von zu Hause ausgerissen. Sie selbst sucht Zuflucht bei der Kirche und erhebt einen schrecklichen Vorwurf: Ihr Vater habe sie mehrfach missbraucht.

Kenner und John Gray: Letzterer gesteht, ohne sich an etwas erinnern zu können. Kenner gräbt tiefer und tiefer.
Kenner und John Gray: Letzterer gesteht, ohne sich an etwas erinnern zu können. Kenner gräbt tiefer und tiefer.(Foto: Tobis)

Detective Bruce Kenner übernimmt den Fall. Er nimmt Angelas Vater John fest - und der gesteht. Fall gelöst, Akten in den Keller. Aber etwas stört Kenner: John hat zwar gestanden, aber er kann sich an nichts erinnern. Als guter Polizist, der Kenner zu sein glaubt, zieht er den Psychologie-Professor Kenneth Raines zu Rate. Er nutzt die noch neue Form der regressiven Hypnose, um bei John Erinnerungen an den möglichen Missbrauch an Angela hervorzurufen.

Der Teufel steckt im Detail

Es gelingt. Aber John hat seine Tochter gar nicht missbraucht, er war nur dabei. Er hat zugesehen, wie ein Mann mit einer schwarzen Kapuze und einer Maske sich an Angela vergangen hat. Sowohl bei Raines als auch bei Kenner läuten die Alarmglocken: Sind sie gerade einer satanischen Sekte auf die Spur gekommen?

Je mehr sich Kenner mit dem Fall beschäftigt, desto deutlicher wird das Offensichtliche: Es gibt eine den Teufel anbetende Sekte und ihre Macht scheint grenzenlos. Selbst bei der Polizei hat sie ihre Mitglieder, wie Kenner glaubt. Doch das ist noch lange nicht alles: Kenner selbst wird bedroht. Offen durch Blicke auf der Straße und indirekt durch nächtliche Anrufe, bei denen sich keiner am anderen Ende der Leitung meldet.

Wer Hinweise sucht, wird sie auch finden. Kenner gerät immer tiefer in den Sog des Falls um Missbrauch und Satanismus.
Wer Hinweise sucht, wird sie auch finden. Kenner gerät immer tiefer in den Sog des Falls um Missbrauch und Satanismus.(Foto: Tobis)

Kenner glaubt, langsam durchzudrehen. Im Fernsehen laufen nur noch Geschichten über satanische Sekten, die sogar Babys rituell ermorden. Er träumt davon, dass ihn Mitglieder der Sekte des Nachts in seinem eigenen Haus auflauern, ihn mit Drogen ruhigstellen, um ihn dann zu einem der ihren zu machen. Was ist noch Realität? Wo fängt der Wahnsinn an?

Nach einer wahren Begebenheit

Fakt ist: Zu Beginn der 1990er-Jahre erlebt der Satanismus einen Boom in den USA. Dutzende Bestseller rund um das Thema Teufelsanbetung und Sekten-Kult überrollen den Büchermarkt. Selbst das Fernsehen mischt ganz groß mit, schürt eine Satanisten-Panik, eine Massenhysterie. Also hat das Thema nun auch Kenners Kleinstadt erreicht?

"Regression" ist bei WVG Medien erschienen.
"Regression" ist bei WVG Medien erschienen.(Foto: Tobis)

Eine Frage, die Regisseur Alejandro Amenabar ("The Others", "Das Meer in mir") bis zum Ende seines Films "Regression" offen lässt. Denn wie der Fakt, dass Satanismus in den 1990ern eine Blütezeit in den USA erlebte, sind auch die Entwicklung und der Einsatz der regressiven Hypnose in diesem Zeitraum eine Tatsache. Und um noch einen draufzusetzen: Bei "Regression" handelt es sich um eine wahre Begebenheit.

Bedrohlich, düster, diabolisch

Das ist allemal genug Stoff für einen teuflisch guten Suspense-Psychothriller. Aber das reicht Amenabar nicht: Wie schon bei seinem Genrehit und internationalen Durchbruch "The Others", in dem Nicole Kidman böse brillierte, lässt er in "Regression" die Hollywoodstars Ethan Hawke (Kenner) und Emma Watson (Angela) das Beste aus ihrer Schauspielseele herausholen. Nicht zu vergessen David Dencik ("Verblendung") als Angelas Vater John und auch David Thewlis (Remus Lupin bei "Harry Potter", "R.E.D. 2") als Psychologie-Professor Raines, die auch beide mit ihren Darstellerleistungen überzeugen können. Der Cast ist top.

Die Stimmung das ganze Gegenteil: Schwarz, weiß, grau - mehr braucht "Regression" nicht, um dafür zu sorgen, dass der Zuschauer bei nächtlicher Stunde doch lieber das Licht anlässt. Man weiß ja nie, wo der Teufel gerade steckt oder besser, in wem. Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Das muss nicht nur Kenner schmerzlich erfahren. Auch der Zuschauer bekommt bei "Regression" ein anderes Ende, als er zunächst erwartet hat: Die Hysterie greift um sich und lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden. Der Teufel hat eben viele Gesichter - lasst euch nicht täuschen!

Die wöchentlichen DVD-Besprechungen erscheinen ab jetzt immer am frühen Dienstagabend.

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Quelle: n-tv.de